Oktober 2015 Meck Pom

Ape-Tour Mecklenburg-Vorpommern

Freitag, 16.10.2015

Den ganzen Tag schon bin ich damit beschäftigt die Ape reisefertig zu machen. In den letzten Tagen habe ich am Motor noch mal alles durchgecheckt, den Luftdruck der Reifen leicht erhöht, weil das Gewicht der Ape wieder über 1.000 kg sein wird und alles mögliche an kleinen Ersatzteilen eingepackt.

Es ist zwar schon die 14. Tour die meine kleine Biene macht und ich habe Erfahrungen genug gesammelt wie ich das zu organisieren habe, trotzdem muss alles überprüft werden, um einen möglichen Defekt im Vorfeld vorzubeugen. Ich habe keinen Fehler / Defekt entdeckt. Es scheint alles in Ordnung zu sein. Vergessen werde ich trotzdem wieder irgendwas. Es war bisher immer so, weshalb sollte es diesmal anders werden ?

Das Wetter ist wie es in jedem Herbst bisher war, wenn es auf Tour ging - bescheiden. Den ganzen Tag über regnet es immer wieder mal. Das soll aber der Vorfreude keinen Abbruch tun. Ein paar Hundert Kilometer weiter kann es schon ganz anders aussehen.

Gegen Abend geht es los. Der Tachostand bei der Abreise: 48.278 km.

 

Die Fahrt geht am heutigen Abend bis nach Stromberg, dann überkommt mich die Müdigkeit. Ich habe keine Lust mehr weiter zu fahren. Eine gute Möglichkeit zum Schlafen bietet sich an einem Friedhof. Diese Art von Nachbarn waren auf allen anderen Reisen immer die angenehmsten und deshalb wähle ich sie auch diesmal. Sie waren immer leise, es gab keinen Stress und beschwert hat sich von denen bisher auch niemand.

Gefahren bin ich heute 134 Kilomter.


Samstag, 17.10.2015

Schloss Marienburg in Pattensen

Es ist 08:00 Uhr, Zeit zum Aufstehen. Heckklappe auf, Wetter schauen, Enttäuschung. Es ist immer noch sehr bescheiden. Der Himmel ist nicht auf meiner Seite. Hier nun duschen und frühstücken, das ist nix. Ich werde eine überdachte Stelle suchen.

Diese Stelle finde ich dann in Helpup (Oerlinghausen). Der überdachte Fahrradständer einer Bushaltestelle stellt ein ruhiges Plätzchen dar. Dass die Leute ein wenig skeptisch schauen über das was ich so alles immer mache während der Touren, daran habe ich mich gewöhnt und bin diesbezüglich schon sehr schmerzfrei geworden. Kurzum, deren Meinung geht mir völlig am ***** vorbei.

Nachdem ich alles in Ruhe erledigt habe, geht es weiter.

Der Weg führt durch so schöne Dörfer wie Dörentrup, ...

... Aerzen, ...

.. die schöne Gegend von Eldagsen...

... bis ich schließlich in Pattensen ankomme. Es ist bereits kurz vor 15:00 Uhr und das Wetter hat sich gebessert. Auf der Fahrt bis hierhin hörte der Nieselregen des Öfteren auf und die Sonne kam durch. Und als ob Petrus nun endlich ein Einsehen mit seinem bisherigen Fehlverhalten hat, hört es auf zu regnen, als meine kleine Biene auf dem Parkplatz des Schlosses Marienburg eintrifft. Besser kann es eigentlich nicht gehen...

Das Schloss

Es ist sehr gepflegt

Der Besucher hat die Möglichkeit sowohl in einem Restaurant etwas zu sich zu nehmen als auch direkt eine ganze Räumlichkeit für private Feiern zu mieten.

Nach Besichtigung des Schlosses, in den inneren Räumen darf man nicht fotografieren, baue ich meine Dusche auf dem Parkplatz der Feuerwehr in Nordstemmen auf. Das liegt in unmittelbarer Nähe.

Meine praktische Dusche. Das Wasser wird mittels zwei Gaskocher erwärmt und in einen großen Eimer gefüllt. Die beiden Gaskocher stehen auf der Ladefläche und bleiben auch beim Duschen an. Egal wie kalt es draußen ist; ich habe schon bei einigen Minusgraden draußen geduscht, in der Duschkabine ist es immer um die 20 Grad. Es kam auch schon vor, dass ich nur einen Gaskocher eingeschaltet ließ, weil es mir einfach zu warm war beim Duschen. Bei der Dusche handelt es sich um eine 12-Volt-Campigdusche, die ich im bekannten Auktionshaus für rund 20 Euro gekauft habe.

Würde ich die Dusche durchgehend laufen lassen, bräuchte sie 6 Minuten bis der 16 Liter fassende Eimer leer ist. Was recht einfach und primitiv klingt, ist auf solchen Reisen ein exzellenter und vor allem nötiger Komfort.

Es reicht, wenn man mich anknattern hört. Man muss mich nicht schon unbedingt gegen Wind riechen.

Gegen Abend geht es ab in eine Pizzeria und es wird mächtig reingehauen. Mit voll geschlagenem Magen geht es dann ab in die Koje und die Nacht wird eingeläutet. 

Gefahren bin ich heute 147 Kilometer. 


Sonntag, 18.10.2015

Fahrt nach Schwerin

Die Stelle war gut, die Nacht war gut, einem guten Schlaf stand nichts im Weg. Um 07:30 Uhr ist aber Zeit zum Aufstehen. Der Himmel ist zwar noch etwas bewölkt, zeigt sich aber heller als am gestrigen Tag. Das lässt hoffen.



Da schon etwas Betrieb ist, entscheide ich mich dazu eine andere Stelle zum Frühstück zu suchen. Ich möchte meine Ruhe haben. Die Ape ist den Leuten zwischenzeitlich aufgefallen. Bevor mich schon wieder etliche Menschen ansprechen und Löcher in den Bauch fragen, hau ich lieber ab.



Unterwegs zeigt sich dieser, wohl ehemalige Wagen der DDR-Feuerwehr. Jetzt gehört er einem Kfz- Teilemarkt.



In Eschede dann finde ich eine sehr schöne und ruhige Stelle. Es ist ein Stellplatz für Wohnmobile auf dem aber, zu dieser Jahreszeit, nichts mehr los ist.



Der Weg führt mich durch Uelzen und ich sehe ein Hinweisschild zum "Hundertwasser-Bahnhof". Da das Hundertwasser-Haus in Magdeburg im letzten Jahr schon sehr eindrucksvoll war, möchte ich mir hier nun den Bahnhof ansehen. Dass es ihn überhaupt gibt, war mir bis eben nicht bekannt.

Wie schon so oft bei den Ape-Touren sind manchmal nicht vorgeplante Dinge höchst interessant. 




Augenscheinlich war dies mal ein sehr alter Bahnhof, der saniert wurde. Mit den typischen Hundertwasser - Elementen wirkt er nun sehr eindrucksvoll.



Der typische Stil ist außen...



... sowie innen vorzufinden.



Wie es nun mal bei Hunderwasser ist, man schaut sich das Stunden an und entdeckt trotzdem immer wieder etwas Neues.



Kleine Läden mit viel schönem, aber auch unnützen Krimskrams sind ebenso vorhanden.



Weiter geht es in Richtung Schwerin durch sehr kleine Dörfer wie Stoetze...



... und durch den Elbufer- Naturpark. Menschen scheint es hier nur sehr wenige zu geben. Jedenfalls begegne ich niemanden.



Völlig einsam tuckert mein Bienchen hier durch gut ausgebaute Waldwege. Zivilisation fand also irgendwann mal statt.



Diese Kameraden stehen hier zu Hunderten. Ungenießbar, aber einer schöner als der andere.



Endlich komme ich an der Fähre in Neu-Darchau an. Durch sie kann ich etliche Kilometer Umweg sparen.



Wenn sie denn fahren würde ! Genau an diesem Wochenende muss sie natürlich zur Reparatur. Es wird also nichts mit Umweg einsparen. Wo nun die nächste Brücke liegt, um über die Elbe zu kommen - keine Ahnung. Ich frage mich durch und bekomme von drei Leuten vier verschiedene Tipps.

Sehr informativ das Ganze ! Ich weiß also genauso viel, als wenn ich niemanden gefragt hätte. Egal, einfach grobe Richtung irgendwohin. Immer an der Elbe entlang. Irgendwann muss ja mal eine Brücke kommen.



Ich fahre also los ohne genau zu wissen wohin der Weg mich eigentlich führen wird. Ich werde immer an der Elbe entlang fahren. Irgendwann komme ich schon rüber...

Die Gegend jedenfalls entschädigt sehr gut. Eine traumhaft schöne Ecke hier. Ich komme durch viele kleine Dörfer, wie Drethem...



... und Landsatz, ...



... wo vor Kurzem noch ein ganzes Gehöft niedergebrannt ist. Der Geruch des Unglücks liegt noch in der Luft. Es kann also erst ein paar Tage her sein.



In Damnatz fülle ich auf einem Friedhof meine Wasservorräte zum Duschen auf. Ob das nun immer Trinkwasserqualität ist oder nicht, das ist mir eigentlich egal. Zum Kaffee kochen nehme ich Mineralwasser, zum Duschen ist das hier allemal gut.

Ich habe schon an allen möglichen Stellen mein Duschwasser zusammengesucht. Selbst augenscheinlich sauberes Flusswasser habe ich schon verwendet. Im Sommer braucht man dies noch nicht einmal erwärmen. Da tut so eine eiskalte Dusche am Morgen richtig gut.



Wenn ich Ansprüche stellen will auf einer Tour mit meiner Ape, dann würde sich da was beißen. Mit einem Fahrzeug durch die Gegend zu eiern welches ein Design aus der Steinzeit hat, gepaart mit einer Technik die aus dem Zeitraum stammt als das Rad erfunden wurde und dann noch komfortabel schlafen, duschen und essen wollen - das passt absolut nicht zusammen. Komfort habe ich im Alltag genug. Auf einer Ape-Tour aber; und genau das macht so einen Höllenspaß, da verzichte ich praktisch auf alles was das Leben angenehm macht.

Duschen in der Natur, Essen und Wasser für Kaffee zubereiten auf einem Gaskocher, Klamotten in Jute-Taschen im Dachkoffer untergebracht, rasieren alle paar Tage - wenn überhaupt. Meist jedoch nicht. :) Der Ablauf so einer Fahrt, mal zwei oder auch drei Wochen, ist absolut primitiv und unterstes Niveau.

Ich bin davon überzeugt, dass die meisten Menschen keinen Spaß daran hätten in Urlaub zu fahren und genau in diesem Zeitraum auf alles zu verzichten. Eigentlich macht man es ja umgekehrt. Man gönnt sich was ! Ich jedoch gönne mir in diesem Zeitraum gar nichts ! Auf Ape-Touren erlebe ich jedoch garantiert mehr als andere in ihrem Urlaub. Ich erlebe das was andere schon vergessen haben - wie gut es einem eigentlich geht.

Wenn man einen gewissen Zeitraum nichts Besonderes hat; wenn man lebt wie in grauer Vorzeit; wenn man keine Maschinen hat auf deren Knopf man nur drücken muss, damit das Essen oder das Getränk warm werden; wenn man in keinem Sessel Stunden vor der Flimmerkiste sitzt um immer mehr zu verblöden, sondern draußen in der Natur auf einem primitiven Klappstuhl; wenn man schweigend und nur der Natur um sich herum lauschend oder beobachtend dreinschaut;  kurzum - wenn man auf absolut alles verzichtet was das Leben scheinbar einfach, komfortabel, sinnvoll oder was auch immer macht, dann lernt man das schätzen was das Leben wirklich ausmacht. Nämlich einfach nur das Leben selbst...

Viele Menschen können beschreiben wie Flugzeuge aussehen, wie die Häuser, Straßen und Autos um sie herum auf sie wirken. Wie das Hetzen von einem Geschäft zum nächsten ist. Kaum einer von denen weiß aber wie es wohl ist, wenn man nachts irgendwo draußen sitzt und einfach nur den Tieren lauscht, sie vielleicht still sitzend sogar beobachten kann. Wie der Wind durch die Blätter rauscht und wie es im Gebüsch raschelt. Wie der Himmel sich zeigt mit seinen vielen Sternen. Was alles passiert in und mit der Natur, wenn der Tag beginnt.

Genau deshalb genieße ich diese Ape-Touren so. Ich habe nichts und doch alles; eigentlich viel mehr als die meisten Menschen. Ich habe Zeit und keine Hektik. Ich lerne das ganz genau kennen wo wir alle eigentlich mittendrin leben und was kaum noch einer so richtig zur Kenntnis nimmt.

So manch einer würde wohl am Rad drehen unter diesen Voraussetzungen und es als "nicht mehr normal" bezeichnen, dieses absolute Nichts auch noch zu genießen. Diesen Leuten ist aber nicht zu helfen, sorry !


Zuerst denke ich, mein Navi spinnt und Zentralafrika ist gar nicht mal so weit....



Wie lang ich nun unterwegs bin auf diesem Teilstück, vermag ich gar nicht sagen. Immer wieder lege ich Stopps ein. Es gibt viel zu sehen. Herrliche Natur, jede Menge Apfelbäume am Straßenrand, deren Frucht sehr gut schmeckt und hier und dort vereinzelt schöne Häuser oder kleine Höfe mit sehr interessanter Architektur und wunderschön angelegten Gärten.

Erholt und vor allem satt komme ich in Gusborn an. Hier führt eine Brücke über die Elbe.



Kaum über diese gefahren, steht mein Bienchen in Dömitz an der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern.

Die Tour kann beginnen !



Gegen Abend treffe ich endlich in Schwerin ein. Es ist schon dunkel und leichter Nieselregen hat eingesetzt. Zum Duschen eignet sich das Vordach eines Netto-Markts hervorragend. Das liegt am Ende eines Einkaufszentrums mit mehreren Läden und ich habe dort meine Ruhe.



Eine Stelle zum Übernachten ist hier gar nicht so einfach zu finden. Überall muss man entweder rund um die Uhr Parkgebühr zahlen oder aber schon morgens ab 07:00 Uhr. Mir einen Wecker zu stellen, um dann einen Parkschein zu ziehen, darauf habe ich aber keine Lust.

Es geht also zunächst in eine gemütliche Gaststätte.



Ich trinke dort ein Guinness und esse eine Kleinigkeit.



Der Hammer ist ein Gast, der kurz nach mir eintrifft. Ich habe ihn nicht fotografiert, das war mir zu riskant. Unverkennbar ist er Landwirt. Seine Kleidung ist nicht nur schmutzig ohne Ende und dunstet den Schweiß von mehreren Generationen aus, der Typ sieht von hinten aus wie ein Huhn. Sein ganzer Pullover ist übersät mit Federn. Er bestellt sich direkt zwei Bier und zahlt sofort. Der Wirt kümmert sich danach um andere Gäste. Er scheint diesen seltsamen Vogel zu kennen und weiß wohl dessen Benehmen.

Denn das ist nicht das eines Huhns, eher einer Wildsau. Nach fast jedem Schluck Bier rülpst dieses gefederte Ungetüm vor sich hin. Er fühlt sich hier wohl ganz allein und "sauwohl". Erst will ich ihm paar Takte dazu sagen, doch ich lasse es. Nicht, dass am Ende hier noch die Gläser durch die Gegend fliegen und außerdem weiß ich ja auch nicht, ob bei diesem Ur-Mensch zwischen Gehör und Gehirn eine Sinngebung meiner Worte erfolgen wird. Es dauert auch nicht lang und er hat seine beiden Bier ausgeschlürft und verschwindet. Seine gelegte Duftmarke aber, die bleibt noch einige Zeit im Raum stehen.

Ich verlasse das Gasthaus und mache mich auf die Suche nach einer Schlafstelle. An einem REWE- Markt, etwas vom Stadtkern entfernt, bietet sich auf einem der hinteren Parkplätze eine gute Möglichkeit. Einparken, in die Koje kriechen, noch ein Döschen Bier vernaschen, pennen.

Heute bin ich 286 Kilometer gefahren.


Montag, 19.10.2015

Es ist 09:00 Uhr. Was habe ich gut geschlafen !

Ich öffne das Schlafgemach und stelle fest, die Sonne scheint ! Meine Laune steigt sofort, denn der Himmel sieht sehr vielversprechend aus. Im RWE- Markt hole ich frische Brötchen.




Hinter dem Campingbus steht mein Spar-Wohnmobil.




Nach Dusche und Frühstück geht es ab in die Stadt, zunächst zum Schloss von Schwerin. In diesem Schloss sind die untergebracht, die das eigene Volk am meisten belügen und betrügen - Politiker. Hier, die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern.

Ich stelle meine Ape auf einen etwas weiter gelegenen Parkplatz ab, um durch den schön angelegten Park zu laufen.



Der Himmel wird immer blauer. Im Osten geht die Sonne wohl nicht nur auf, sie bleibt auch.



Das Schloss von Schwerin.



Der Herbst hat wirklich schöne Seiten. Das weitreichende Farbenspiel der Pflanzen ist schon sehr beeindruckend zu dieser Jahreszeit.



Einige Fotos des sehr schön angelegten Parks.





















Der Speisesaal derer, die den Bezug zur Basis schon lang verloren haben. Alles sehr edel, verschwenderisch und nur vom Feinsten.





Der Haupteingang des Schlosses...



... und die Tür mit der dahinter liegenden Ausgabe der Scheuklappen.



Nun geht es in die Stadt.



Schwerin ist eine sehr schöne Stadt.



Alles ist sehr sauber und wirkt frisch.







Die vielen Milliarden aus dem Westen zum Aufbau wurden augenscheinlich sinnvoll investiert. Es wäre auch Quatsch, alles nur provisorisch zu machen, um dann in vielen Jahren wieder neu anzufangen. Auch ich bin froh mal zu sehen, wohin mein Geld der letzten vielen Jahre denn so hingegangen und was damit passiert ist.



Der Dom





Ich besteige den Turm...



... und habe eine wunderschöne Aussicht über die Stadt Schwerin.



Ein bisschen Honecker ist an dieser Wand aber noch zu erkennen.



Den Rückweg zur Ape nehme ich durch einen anderen Teil des Parks...



... und fahre anschließend zum Zoo-Parkplatz. In einer Ecke, in der mich keiner stören kann, wird geduscht und gegessen.



Nun geht es wieder zum REWE-Parkplatz, wo ich eine nächste und vor allem sehr ruhige Nacht verbringen werde.

Gefahren bin ich heute lediglich 19 Kilometer.


Dienstag, 20.10.2015

Heute geht es früh aus den Federn und es wird sich beeilt. Der Besuch des Zoo von Schwerin steht an.





Beim Eintreten in den Zoo hat man zunächst das Gefühl in eine große Parkanlage zu kommen. So wie es ausschaut, hat man den Zoo in die Natur integriert. Ist es andersrum passiert, dann hat man dies aber sehr geschickt angestellt. Viele Zoos wirken sehr gekünstelt, dieser nicht. Hier steht wohl das Wohlfühlen der Tiere im Vordergrund und nicht der Mensch.




Einige Fotos dieses schönen Zoos...

















Dieses Baumhaus, es steht mitten im Zoo, kann man mieten und dort übernachten. Es bietet Platz für bis zu sechs Personen. Nach Aussage einer Mitarbeiterin ist es aber schon weit im Voraus ausgebucht, da dieses Angebot sehr gut angenommen wird. Im Mietpreis des Hauses ist der Eintritt für den Zoo inklusive. Bestimmt eine interessante Alternative, um ein schönes Wochenende zu verbringen.































Im Schweriner Zoo wird Familie Maus nicht in ein Glasbecken gesperrt wie es in vielen anderen Zoos üblich ist; hier bezieht sie direkt ein ganzes, komplett eingerichtetes Haus und kann sich richtig austoben. Eine tolle Idee.







Nach dem Zoobesuch geht es weiter nach Wismar.



Hier hat die Stadt es wohl besonders gut verstanden das geschenkte Westgeld umzusetzen. Hier wurde nicht gekleckert, man hat direkt geklotzt. Und wie ! Allerfeinste Pflasterung unterschiedlichster Materialien für die Straßen und Gehwege. Wenn schon den Soli ausnutzen, dann wohl richtig. Interessant, wie verschwenderisch man mit Geld umgehen kann, für das man keinen Finger gerührt hat. Ich muss zugeben, ich empfand das schon als sehr dreist und unverschämt; wenngleich es auch schön aussieht.





Die Häuser mit ihren schönen, unterschiedlichen Fassaden verfehlen ihre Wirkung nicht.

















Es wird schon langsam dunkel und ich gehe zurück zu meiner Ape. Schließlich brauche ich noch ein Plätzchen zum Schlafen.



Ich frage mich nur, wer auf solch eine Idee kommt...



Nicht weit entfernt, in Neubukow, finde ich einen Parkplatz zum Übernachten.

Der Kilometerstand meiner Ape ist heute um 72 Kilometer gewachsen.



Mittwoch, 21.10.2015

Um 05:00 Uhr schon werde ich wach. Lust zum Aufstehen habe ich aber nicht. Der Gedanke ist: "Noch ein bisschen !" Aus dem bisschen werden dann weitere fünf Stunden. Das passt mir zwar nicht unbedingt, aber es war scheinbar nötig.



Ich parke ein paar Meter weiter. Um die Ecke ist ein großer Parkplatz.



Erst mal ein paar Eier in die Pfanne hauen. Zwar ist es schon spät, weit fahren werde ich heute aber eh nicht. Von daher habe ich Zeit. Angrenzend an dem Parkplatz befindet sich eine Kleingartenanlage. Ein älterer Herr, der dort seinen Rasen mäht, hat mich scheinbar beobachtet und wir kommen ins Gespräch.

Er erzählt mir aus der alten DDR- Zeit, wie schlimm und brutal das ganze System gewesen ist. Am Ende des Gesprächs bekomme ich von ihm eine Tüte frisch gepflückter Äpfel aus seinem Garten. Sie sind so lecker, dass sie den heutigen Abend nicht erleben werden...



Gegen 13:00 Uhr fahre ich meinen Weg weiter und komme eine Stunde später in Rostock an.



Diese Gedenkstätte möchte ich unbedingt besichtigen.



Betritt man diese Stätte, fällt direkt diese Karte auf. So kenne ich sie auch noch aus der Schulzeit..



Der Eingangsbereich zu den Zellen der "Schwerverbrecher".





Eine Kopie des Buchs mit geschwärzten Namen ist auch ausgestellt. Über jeden kranken Insassen wurde genauestens Buch geführt.



Eine Zelle, wie es hier jede Menge von gibt.





Hinter diesen Türen wurden Menschen eingesperrt die einfach nur eine eigene, andere Meinung hatten und dies sagten.



Selbsterklärend...



Beim Durchschreiten dieser Gedenkstätte lernt man ein bisschen das kennen was die Menschen damals in diesem roten System ertragen mussten. Für mich, der in absoluter Freiheit mit allem was dazu gehört aufgewachsen ist, ist es sehr schwer vorstellbar, wie es wohl so wirklich gewesen sein muss. Ich kann das alles hier nur an den ausgestellten Schautafeln nachlesen und versuchen zu begreifen. In diese Situation hineinversetzen fällt aber schwer. Ich kenne diese Art leben zu müssen nun mal nicht.

Mit diesem selbst gebauten Surfbrett, in einem anderen Raum steht noch ein zweites, ist es damals zwei jungen Männern gelungen diesem totalitären Staat zu entfliehen. Das Ziel war Dänemark. Der Erfindungsgeist, um flüchten zu können, ist absolut bemerkenswert. Was diese Menschen alles gebaut haben und auf welche Ideen sie kamen nur um frei leben zu können, ist schon sehr faszinierend.





Mit solchen Geräten, gekleidet in selbst geschneideter Taucherausrüstung, ließ man sich unter Wasser durch die Ostsee in die Freiheit ziehen.





Selbst ein eigen angefertigtes U-Boot ist hier von dem Erbauer zur Ausstellung freigegeben.



In einer Zelle hängt ein großes Plakat mit den Namen derer, denen die Flucht gelungen ist und auch eins von denen die auf der Flucht erschossen oder ergriffen wurden. Wo die Verhafteten dann gelandet sind, kann ich mir vorstellen. In so einem schrecklichen Gebäude stehe ich gerade.

Es gibt auch ein Plakat mit den Namen derer, die auf der Flucht durch die Ostsee erfroren oder ertrunken sind. Viele Leichen wurden an der Küste der DDR, Dänemark, Schweden usw. angeschwemmt. Die meisten von denen tragen aber den Namen "Unbekannt". Sie waren geflohen, für die Freiheit gestorben und für die DDR somit wertlos. Man hielt es wohl nicht für nötig ihren Gräbern Namen zu geben.

Der Innenhof des Gefängnisses.



Nachdem ich diese Gedenkstätte verlasse, frage ich mich ernsthaft wieso es heute immer noch einige, wenn auch sehr wenige ehemalige "DDR- Bürger" gibt, die sich so ein Leben zurückwünschen. Ich frage mich: "Wo war das denn Leben ?"

Erklären kann ich mir das nur dass die, die sich das wünschen, selbst eine verräterische Funktion in diesem System hatten oder aber, dass sie sehr vergesslich sind. Begreifen kann ich jedenfalls nicht, dass man gern freiwillig eingesperrt ist, nichts sagen und machen darf was gegen das System ist. Gut, dass diese Zeit vorbei ist !

Nachdenkend über das Gesehene/ Gelesene und vieles nicht verstehend geht die Fahrt weiter nach Warnemünde...



... ... wo ich am frühen Abend eintreffe.



Da ich fast an der Promenade einen Parkplatz finde, gehe ich zunächst an den Strand.



Die Badezeit ist schon lang um, das tut dieser schönen Ecke aber keinen Abbruch.



Der Leuchtturm von Warnemünde



Hier wird überall sehr viel gebaut und alles verschönert. Wenn das mal alles fertig ist, das wird prächtig aussehen.



Ich wander an der Promenade entlang, direkt auf den Leuchtturm zu.



An der Hafenpromenade riecht es aus allen Ecken lecker nach Fisch. Direkt vom Schiff aus erfolgt der Verkauf der Waren. Am liebsten würde ich direkt zuschlagen. Ich habe aber von einem Ape-Fahrer, der diese Ecke gut kennt, einen heißen Tipp bekommen. Also lasse ich diese verlockenden Verkaufsstände links liegen.









Da stehe ich nun vor dem empfohlenen Laden, "Twee Linden"...



... und genieße beim Studieren der Speisekarte erst mal ein Bierchen. Ein Rostocker soll es sein.



Feinste Matjesfilets mit sehr leckeren Beigaben. Die Frage der Bedienung, ob zwei oder drei Filets, hätte sie sich aber sparen können. Immer randvoll und von allem viel ! Das Essen selbst, absolut lecker; der Preis, spottbillig. Ein super Tipp !



Nach dem Essen schaue ich mir Warnemünde bei Dunkelheit an und mache einige schöne Fotos.









Übernachtet wird in Rostock- Lichtenhagen auf dem Parkplatz eines Behindertenheims. Als ich dort aufkreuze, werde ich vom Personal gefragt, ob der dort wild abgestellte Wohnwagen, neben den ich grad eingeparkt habe, mir gehöre. Lachend muss ich diese Frage verneinen. Auf Wunsch stelle ich mein Gefährt aber einen Parkplatz weiter ab. Ich blockiere ansonsten die Stellplätze der morgen früh erscheinenden Mitarbeiter. Alles kein Problem !

Gefahren bin ich heute 65 Kilometer.


Donnerstag, 22.10.2015

Als ich um 07:00 Uhr aufstehe, ist es schon Tag.



Hier wollte ich gestern Abend parken und das sollte der Wohnwagen sein, der an meiner Ape hängt. Wenn man sich die Proportioen mal so anschaut - passt ! Die Frage ist nur, wer zieht da wen ?



Ich fahre durch Rostock-Lichtenhagen in Richtung Warnemünde. Diesen schönen Fleck möchte ich nochmals bei Tageslicht sehen. Unendlich viele Wohnblöcke stehen in Lichtenhagen, wohl noch aus alter DDR- Zeit, stehen hier.



Selbst wenn man sie farblich freundlicher gestaltet kann ich mir nicht vorstellen, dass das Wohnen in so einem Klotz angenehm sein kann. Da braucht man ja schon für die Klingelleiste ein Navi.



In Warnemünde parke ich direkt in der Stadt...



...und erkunde sie zu Fuß.



Da es noch sehr früh am Morgen ist, ist auch noch nicht viel los.



Eine Runde am Strand.



Der Leuchtturm ist zu dieser Jahreszeit leider schon verschlossen. Ich komme ein paar Tage zu spät.



Ich gehe wieder zur Hafen-Promenade...



... und von dort aus zu dem grünen Leuchtturm.



Es ist hier zwar sehr windig, die Temperatur aber trotzdem angenehm.



Die Möwe bringt mich auf eine Idee.



Mit kleinen Schiffen kann man hier Rundfahrten zum Hafen machen. Das Ganze kostet auch nur 10 Euro / Person. Interesse daran habe ich trotzdem nicht, wie viele andere auch. Die Boote sind nur spärlich besetzt.



Ich mache es der Möwe nach, frischen Fisch am Morgen. Dieser wird direkt vom Boot aus verkauft zu akzeptablen Preisen.



Je später es wird, desto mehr füllt sich die Stadt mit Menschen.



Warnemünde hat sehr viele und kleine, wunderschöne Häuser älteren Jahrgangs. Alle sind liebevoll saniert und gepflegt.





Nach der Stadtbesichtigung geht es mit richtig Speed in Richtung Insel Rügen. Dort werde ich die nächsten Tage verbringen.



Zunächst aber geht es durch Stralsund...





...und dann über die ellenlange, leicht ansteigende und hohe Brücke rüber zur Insel Rügen. Da meine Ape mal wieder mehr wiegt als so manches Auto, geht es gemütlich im dritten Gang voran; das heißt, mit rund knapp 20 km/h.

In meiner Fahrtrichtung ist die Brücke heute nur einseitig befahrbar. Mit der Geschwindigkeit kann man die Aussicht auf das Meer von hier aus wunderbar genießen. Keine hektisch überholenden Fahrzeuge versperren die Sicht nach links. Ich bewundere den Mut der anderen, die sich hinter mir eingeordnet haben. Den Lichtern nach zu urteilen, die ich im Außenspiegel sehe, steht der letzte noch in Rostock.

Irgendwann aber kommt mein Bienchen doch auf der anderen Seite an und ich fahre rechts in die nächste Bucht. Mit einer Mine voller Unschuld, dem unverständnisvollen Blick über so viel Verkehr und eingeschaltetem, linken Blinker deute ich an nun endlich mal vom Fahrbahnrand aus mich in den fließenden Verkehr einordnen zu wollen. Zum Zeitvertreib zähle ich die Fahrzeuge, die an mir vorbei rauschen. Es sind über 50. Woher die alle kommen - ich habe nicht die geringste Ahnung !




Am späten Nachmittag treffe ich in Putbus auf Rügen ein.



Dass hier alles anders ist, werde ich in den nächsten Tagen sehen.



In Lauterbach am Bahnhof wird geduscht. Das Wetter ist heute Abend bescheiden. So schön es am Tag war, so schlecht ist es nun. Leichter Regen hat eingesetzt. Solang es nur abends oder nachts regnet, soll es mir egal sein. Hauptsache am Tag scheint die Sonne.



Praktisch um die Ecke, in Putbus, finde ich einen gemütlichen Parkplatz zum Übernachten. In einer nahe gelegenen Gaststätte zische ich mir noch zwei große Kübel Lübzer und ein paar Ramazzotti rein. Die Grundlage für einen guten Schlaf ist gelegt. Leicht beduselt an der Ape eingetroffen lege ich noch eine Dose Bier als Zugabe dazu, danach falle ich um und einfach nur in den Schlaf...

Gefahren bin ich heute 160 Kilometer.


Freitag, 23.10.2015

Ob es nun am Alkohol oder an der Ruhe in dieser kleinen Stadt lag, weiß ich nicht; ich habe aber wunderbar geschlafen. Das Wetter ist schon wieder wunderbar, die Sonne steht bereits am frühen Morgen hoch am Himmel.



Putbus ist ein richtig schönes, kleines Städtchen. Viele Geschäfte gibt es hier zwar nicht, aber das Gepflegte und vor allem die schnuckeligen kleinen Häuschen geben ein tolles Gesamtbild ab.



Ich fahre noch ein wenig durch die Stadt...





... und dann zum Bahnhof.



Zur angrenzenden Pizzeria gehören zwei 50er Api, die ich mir etwas näher anschau. Der Besitzer des Ladens sieht sowohl mich als auch meine Ape, kommt rüber und wir kommen ins Gespräch. Es ist mit der Ape immer dasselbe. Egal wo ich aufkreuze, ich bin sofort Mittelpunkt und werde angesprochen.

Der Typ ist Italiener und verkörpert alles das, wie man Italiener aus Filmen kennt, in einer Person. Ein Kerl zum Schieflachen. Klein, laut, hektisch und wild umherfuchtelnd. Weit geöffnetes Hemd, das den Blick auf unendlich viele Halskettchen freigibt. In die Haare hat er sich vermutlich ein Pfund Butter geschmiert und alles stramm nach hinten gekämmt. Die Hose hat er wohl von seinem großen Bruder geerbt. Und dann die Schuhe ! Weißes, gelochtes Leder mit schwarzen Applikationen. Dazu vorn spitz ohne Ende.

Das Thema ist natürlich Ape. Nur, er hat überhaupt keine Ahnung ! Egal was er zu diesem Thema sagt, ich muss ihn in Allem verbessern.

"Ah, große Ape ! Benzin oder Diesel ?"
"Die Kastenausführung gibt es nicht als Diesel !"
"Modell ?"
 "TM ?"
"Hat die eine Heizung ?"
 "Eine TM hat die serienmäßig."
"Gut gepflegt oder restauriert ?"
"Neu gekauft."
"Wie, neu gekauft ?"
"Ganz neu gekauft. 2011."
"Die gibt es immer noch neu ?"
"Ja."
"Die kleine auch ?"
"Ja."

Er merkt schnell, dass es keinen Sinn macht über das Thema Ape zu sprechen. Er hat einfach zu wenig Ahnung davon.

Trotzdem ist er ein sympathischer Mensch und - ein richtiges Schlitzohr. Auf dem Vorplatz des Bahnhofs, dort wo meine Ape und einige Autos nun stehen, ist Haltverbot.

"Hier darf man nicht parken. Das gibt Ärger."
"Habe ich gesehen, Risiko."
"Die Politesse kommt zu jeder Stunde. Das kostet 15 Euro."
"Ich weiß."
"Du kannst bei mir parken.Ist ja noch nicht viel los."
"Das ist nett, danke."

Und dann.... !

"Kommst nachher einfach rein und trinkst einen Espresso !"
"Ja, ich schau mal."

Ein tüchtiger Geschäftsmann ist er ja. So kann man seine Kunden auch an Land ziehen. Ich muss grinsen bei seinem Satz. Wie dem auch sei, ich habe nun einen guten Parkplatz für meine Ape, der nichts kostet.



Von Putbus aus kann man mit dem "Rasenden Roland" fahren. Wählt man die gesamte Strecke, sie geht bis nach Göhren, so ist man insgesamt rund drei Stunden unterwegs. Den Tipp habe ich von einem lieben Ape-Freund bekommen.



Bei dem "Rasenden Roland" handelt es sich um einen nostalgischen Zug, der mit rund 45 km/h durchs Land fährt. Eine mir sehr vertraute Geschwindigkeit !





Wie es sich für einen nostalgischen Zug gehört- mit Dampflok !



Ich nehme natürlich im ersten Waggon hinter der Lok Platz. Die meiste Zeit aber stehe ich draußen und genieße dieses Stampfen und Zischen, Pfeifen und Donnern der Lok. Je nachdem wie der Wind steht, bekomme ich die volle Ladung aus dem Schornstein der Lok ab. Nicht, dass mich das stört. Es ist einfach schön.

 

Mit dem Zug fährt man durch die wundervolle Gegend von Rügen. Wenn dann noch das Wetter stimmt, dann ist alles perfekt.





Wenn es leicht bergauf geht, dann merkt man den Kampf dieser kleinen Lok. Die Geräuschkulisse und der schwarze Rauch aus dem Schornstein sind faszinierend. Manchmal habe ich das Gefühl, dass der Deckel des Kessels mir gleich entgegen fliegen muss.







Am Ziel in Göhren angekommen, gönnt sich die Lok eine Verschnaufpause und die Fahrgäste können sich die Beine vertreten.







Auf dem Rückfahrt wähle ich einen hinteren Waggon. So habe ich freie Sicht auf den schönen Zug.



Ein typischer Waggon von innen.



Weiter geht es in Richtung Sellin.



Egal wo man auf Rügen fährt, es ist immer wieder faszinierend hier.



In Sellin angekommen.



Die gesamte Stadt...





... alles nur vom Feinsten, unheimlich sauber und äußerst gepflegt.





Und da ist sie nun - die bekannte Seebrücke !



Ich laufe bis zum Ende...



... und nutze die Möglichkeit mit einer Gondel ins Meer abzutauchen.





Das Platzangebot ist natürlich etwas beengt...



... und das Gefühl ein wenig seltsam, als es abwärts geht. Die Gondel taucht vier Meter unter der Wasseroberfläche ab und dem Besucher bietet sich nun die Möglichkeit ein wenig das Leben im Meer zu beobachten. Die Sicht ist heute allerdings begrenzt und so zeigen sich nur einige Quallen.

Parallel dazu läuft ein gut gemachter, dreidimensionaler Film mit vielen Informationen über die Ostsee. Während der gesamten Vorführung bekommt man die Gewalt des Wassers zu spüren. Wie ein Spielball bewegt sich die Gondel pausenlos und es knallt mächtig.




Nach einer kleinen Rundfahrt mittels Ape durch Sellin geht die Fahrt weiter nach Bergen auf Rügen.



Nach dem Vertilgen einer sehr leckeren Pizza in einer gepflegten Pizzeria finde ich an der Inselrodelbahn einen guten Parkplatz zum Übernachten. Die Nacht wird allerdings nicht ganz so ruhig wie bisher und zumindest für einen unvergessen bleiben.



Gefahren bin ich heute 70 Kilometer.


Samstag, 24.10.2015

Es ist irgendwas um 03:00 Uhr rum und ich werde durch seltsame Geräusche wach. Ich höre immer so ein Klappern, Schritte und wieder Klappern, dann wieder Schritte. Mir wird schnell klar, da fummelt jemand an den Autos rum die auf dem Parkplatz, auf dem ich stehe, abgestellt sind.

Klappern, kurze Schritte, wieder Klappern. Dann geht jemand um das betreffende Auto herum und die Geräusche wiederholen sich. Da die Geräusche und Schritte immer lauter werden gehe ich davon aus, gleich ist diese Gestalt an meiner Ape. Ich mache mich bereit...

Ganz leise ziehe ich die beiden Imbusschlüssel, die die Heckklappe gegen das Öffnen von außen sichern, aus der Halterung. Die Heckklappe ist ja nicht verschlossen. Ansonsten käme ich ja selbst nicht mehr da raus. Die Schritte kommen immer näher und ich höre wie jemand auf das Schloss meiner Fahrertür drückt. Da fummelt jemand Fremdes ungefragt an meinem Heiligtum rum ! Diese Frechheit soll für ihn unvergessen bleiben.

Dann geht derjenige vorn um die Ape herum und drückt das Schloss der Beifahrertür. Die Schritte kommen nach hinten. Ich atme nur ganz langsam und leise, sitze schon sprungbereit in der Hocke und warte darauf, dass derjenige meine Heckklappe öffnet.

Und dann passiert es, er betätigt deren Hebel und die Klappe öffnet sich. Mein Vorteil ist, ich bin vorbereitet, er nicht. Der Schreck ist in seinen Augen zu sehen, dass da plötzlich jemand in einem Schwung aus dem Kasten vor ihm steht. Er verharrt eine Sekunde - mein Vorteil.

Den Ablauf, was nun im Einzelnen geschieht, kann ich gar nicht wiedergeben. Ich habe es einfach vergessen...

Ich kann mich nur daran erinnern, dass plötzlich jemand sehr taumelnd wegläuft. Er scheint es sehr eilig zu haben. Ich schau mir alle Autos an die hier stehen. Es ist nichts Auffälliges festzustellen. Nach einer Zigarette lege ich mich wieder hin, verriegel das Schloss von innen und schlafe wunderbar ein. So kurz vor dem Einschlafen muss ich noch mal grinsen und frage mich, wieso dieser vermeintliche Autoknacker eigentlich plötzlich so benommen war. Ich hätte mich gern näher mit ihm unterhalten.

Gegen 07:00 Uhr stehe ich auf, dusche, frühstücke und ziehe meine Fotos von der SD-Karte auf meinen Laptop. Dann fahre ich noch eine Runde durch Bergen auf Rügen.



Bergen auf Rügen ist eine malerische, kleine Stadt mit sehr vielen kleinen Gassen.







Die Fahrt geht nun nach Binz. Dort soll der Baumwipfelpfad sehr interessant sein. Während der Fahrt muss ich ab und zu mal so ein bisschen die rechte Hand massieren. Ich habe mich wohl irgendwo unbemerkt gestoßen.



Die Entfernung ist nicht groß und ich treffe bald ein.



Schon vom Parkplatz aus sieht man dieses hohe Gestell, das die Bäume um einiges überragt.



Nach Entrichten des Eintrittspreises besteigt man zunächst ein kleines Rondell, welches eine Höhe von 17 Metern hat.



Von hier aus führen angelegte Holzwege quer durch den Wald zu dem großen Aussichtsturm. Die Wege sind in paar Metern Höhe
über dem Waldboden angelegt.





Dieses riesige Stahlgestell gilt es nun hinauf zu laufen, immer schön im Kreis.



Mittig befindet sich eine Buche.



Oben angelangt kann man aus einer Höhe von 40 Metern sowohl auf die besagte Buche, als auch...



... die schöne Landschaft ringsum betrachten. Der Blick aus so einer Höhe ist schon sehr faszinierend.



Blick auf das KDF-Bad, welches auch in meinem Tourenplan steht. 



Abstieg



Nach der Besichtigung des Baumwipfelpfads geht die Reise weiter zum KDF- Bad.



Das KDF-Bad wurde zwischen 1936 und 1939 gebaut, wegen des 2. Weltkriegs aber nicht fertiggestellt. Hier sollten, nach den damaligen Vorstellungen der Planer, ca. 20.000 Menschen gleichzeitig Urlaub machen können.



Heute stehen diese riesigen Bauten zum größten Teil leer. Zur DDR-Zeit war hier ein großer Kasernenkomplex.







Am Strand von Prora.





Einige Gebäude sind zum großen Teil verfallen.





Manche Gebäudeteile aber werden genutzt; hier zum Beispiel die größte Diskothek auf Rügen.



In diesem Gebäude bedindet sich das NVA- Museum. Hier soll alles Mögliche ausgestellt sein, was "typisch DDR" war. Ich gehe aber nicht rein.



Der absolute Hammer - in diesem riesigen Komplex werden Eigentumswohnungen verkauft. Nach der Sanierung kann man hier günstig Eigentum erwerben. Die Preise liegen bei "nur" 100.000 Euro bis über 300.000 Euro.



Selbstverständlich sehen die sanierten Gebäude erheblich besser aus als das Original. Die einzelnen Trakte dieser unendlich riesigen Anlage werden schließlich komplett kernsaniert.



Viele Wohnungen sind bereits verkauft und bewohnt.



Als ich vor so einem fertigen Gebäude stehe frage ich mich allerdings, wie die Wohnqualität wohl sei. Bis alles komplett fertiggestellt ist werden noch viele Jahre vergehen. Als Käufer so einer Wohnung darf man sich also auf sehr viel Baulärm einstellen. Wirklich Ruhe wird man hier also nicht finden.

Dann, dieser Preis ! Für das Geld ziehe ich doch lieber auf´s Land, kaufe mir mein Häuschen und baue es mir entsprechend um. Und dann schon allein diese Optik dieser Wohnanlage. Das Ganze hat irgendwie Ähnlichkeit mit einer riesigen Legebatterie für Hühner. Für mich wäre das nichts ! Aber, jedem das Seine...



Nach Besichtigen dieser, meiner Meinung nach hässlichen, Anlage treibt es mich zurück nach Binz. Ein griechisches, optisch sehr ansprechendes Restaurant lädt zum Verweilen ein. Es sei vorweggenommen, das Essen übertrifft die Optik des Gebäudes um ein Vielfaches und ich hau mir den Magen so richtig schön voll.





Einen ruhigen Parkplatz finde ich am Bahnhof in Binz - glaube ich zunächst. Nachdem alles fertig zum Pennen ist, beginnen die Lautsprecherdurchsagen. Mir ist das nun egal. Ich habe keine Lust eine andere Stelle zu suchen. Als die Heckklappe zufällt, kommen diese Durchsagen nur noch gedämmt an und schon bald schlafe ich tief ein.



Heute bin ich 36 Kilometer gefahren.


Sonntag, 25.10.2015

Inwieweit in der Nacht noch Lautsprecherdurchsagen über eintreffende Züge gemacht werden, weiß ich nicht. Ich
schlafe wunderbar durch bis 06:00 Uhr. Leider nieselt es wenig und ich beschließe zum Duschen und Frühstücken eine Überdachung zu suchen. In Prora am Bahnhof werde ich schnell fündig. Hier ist sowieso nichts los. Der Bahnhof erweckt eher den Eindruck, als ob die Züge hier nur durchfahren.



Die Gasöfen bleiben beim Duschen an. Die Wärme staut sich so gut in meinem aufgebauten Badezimmer.



Ich befolge die nächste Empfehlung eines guten Ape-Freundes, der Besuch des Eisenbahn- und Technikmuseums.



Offensichtlich ist hier auch ein angrenzender Trimm-Dich-Pfad angelegt, auf dem man zwischen den Tannen Kniebeugen zur Leibesertüchtigung machen soll. In welchem Sinn das untere Schild mit dem oberen steht, erschließt sich mir nicht.



Um den Eintrittspreis zu entrichten, muss man eine Straßenbahn betreten. Hier ist die Kasse. Eine coole Idee !



Eine der Staatslimousinen von Honecker.



Alles Mögliche an Fahrzeugen ist hier zu finden.



Mein persönlicher Traum. Für den würde ich sogar meine Ape abgeben.



Ein Trabbiumbau, der einzige dieser Art.





Aus dem könnte man was machen...









Der Streifenwagen aus der Fernsehsendung "Ein Bayer auf Rügen".



Auch eine Vielzahl von schönen, alten Loks ist hier zu finden.





Alte Feuerwehrfahrzeuge.



Das Museum weist eine große Vielzahl von schönen, alten Pkw auf. Neben allerlei Lkw kann der Besucher auch viele große und kleine Loks bestaunen. Aufgestellte Infotafeln informieren über das was man grad vor sich sieht mit allen technischen Daten. Ein Besuch ist dieses Museum auf jeden Fall wert.

Ich setze meine Reise fort. Das nächste Ziel soll Sassnitz sein. Hier gibt es ein englisches U-Boot zu besichtigen.

Bei dem U-Boot handelt es sich um das HMS-Otus. Es
war ein U-Boot der Oberon-Klasse der britischen Royal Navy. Das U-Boot wurde 1963 in den Dienst der Royal Navy gestellt und versah dort seinen Dienst im Ersten U-Boot-Geschwader. Baubeginn war der 31.05.1961, der Stapellauf war am 17.10.1962.

Heute liegt es im Hafen von Sassnitz und man kann es sich anschauen.




Einige Fotos aus dem Inneren dieses schönen U-Boots.













Nach einer Runde durch das Hafengebiet, einem leckeren Eis und einer Rundfahrt durch die Innenstadt geht es weiter nach Lohme. Diesen Ort finde ich rein zufällig. Hier gefällt es mir und so beschließe ich sowohl den Abend als auch die Nacht hier zu verbringen.





Mitten auf dem Dorfparkplatz schlage ich das Lager auf.



Als Abendessen steht heute Gulasch mit Nudeln auf dem Programm. Ein Frank Rosin würde sich die Finger nach meinen Kochkünsten lecken. Dass Gulasch über eine Stunde köcheln muss, ist absoluter Quatsch. 20 Minuten reichen auch. Man muss halt nur ein bisschen drauf rumbeißen.



Nach dem Essen geht es noch für ein Weizen in das Restaurant nebenan. Danach ist die Waagerechte angesagt. Hier ist es so ruhig, dass absolut gar nichts meinen wohlverdienten Schlaf stört.

Der Tachostand meiner Ape ist heute um 61 Kilometer gewachsen.


Montag, 26.10.2015

Um 07:00 Uhr schellt mein Wecker. Im Dorf herrscht schon reges Leben. Mit der Morgenzeremonie sieht es schlecht aus. Ich werde auf dem Weg zu den Kreidefelsen eine andere, ruhigere Stelle suchen. Kaum dass ich vom Parkplatz fahre, sehe ich diesen kleinen Dorfladen. Gestern Abend im Dunkeln ist er mir gar nicht aufgefallen. Brötchen zum Frühstück wären nicht übel...

Ich betrete den Laden, schau mich um und werfe die eben gemachten Pläne alle über den Haufen. Der Tag wird nun einen ganz anderen Verlauf nehmen.





Aus den Brötchen, die ich beabsichtigte zu kaufen um sie an meiner Ape zu essen, wird ein komplettes Frühstücksbüffet mit allem was das Herz begehrt. In dem gemütlich eingerichteten Raum lasse ich mir Zeit und genieße es förmlich mich heute mal verwöhnen zu lassen. Bei der Unterhaltung mit dem Besitzer erfahre ich, dass es sich nicht lohnt zum Königsstuhl an den Kreidefelsen zu fahren. Man entrichtet dort 8 Euro Eintritt und sieht von den Felsen absolut nichts. Man steht nämlich oben drauf und hat keine Sicht auf die anderen, ringsum liegenden Felsen.

Seine Empfehlung ist von hier aus durch einen wunderschönen Buchenwald dorthin zu laufen. Man sollte für den Hinweg aber den oberen Pfad, also den durch den Wald wählen und für den Rückweg den unteren, den am Meer entlang. Die Erfahrung mit seinen Gästen hat gezeigt, dass man auf dem Rückweg sowieso einige "Andenken" in Form von Steinen sammelt. Hin läuft man in der Regel zwei Stunden, zurück etwa das doppelte. Wie verdammt recht er damit hat, werde ich am eigenen Leib erfahren...




Hinter dem Laden befinden sich Stellplätze für Wohnmobile. Da zu dieser Jahreszeit nicht mehr viel los ist, darf ich dort meine Ape abstellen. Sanitäre Anlagen sind ebenso vorhanden. Gegen ein Entgeld von 2 Euro gehe ich duschen.

Der Tag heute beginnt also verdammt luxuriös. Ein gemütliches Frühstücksbüffet mit anschließend "richtiger" Dusche. Was will man mehr ?



Ich lasse mir so viel Zeit, dass ich erst gegen 11:00 Uhr in Richtung Kreidefelsen losstiefel.



Immer wieder zeigt sich zwischen den Bäumen das Meer.



Es ist eine Wonne durch diesen Wald zu laufen. Das Wetter ist hervorragend. Wegen der durch die Bäume scheinenden Sonne zeigen sich unendlich viele Farben des Herbstlaubs.



Der Eingang zum Königsstuhl, den ich auf Anraten aber nicht besuchen werde.



Stattdessen gehe ich diesen Weg weiter...



... zu dieser kleinen Aussichtsplattform, die förmlich in der Luft hängt. Wie tief es dort runter geht, keine Ahnung. Ich will es auch gar nicht wirklich wissen.



Ich genieße lieber die Aussicht auf diese schönen Felsen. Durch die Sonne wirken diese strahlend weiß.



Eine Holztafel weist den Weg nach unten zum Strand:

Werte Besucher !
Der Abstieg zum Strand wurde 1996 fertiggestellt. Es sind 110 m Höhenunterschied und 412 Stufen zu überwinden, um an den Strand zu gelangen. Der Weg ist sehr anstrengend.
Achtung !
Absturz- und Rutschgefahr ! Betreten auf eigene Gefahr !




So dramatisch wie es das Schild zeigt ist der Abstieg denn doch nicht. Und gegen das was noch kommen wird, ist das hier ein Klacks. Das weiß ich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht...





Eine ehemalige, heute aber defekte Pumpenstation. Laut Hinweisschild soll sie aber irgendwann restauriert werden.



Nur noch ein paar Meter...



... und ich stehe am Strand.



Der Anblick dieser Kreidefelsen ist schon einmalig.



Ich verweile noch eine Zeit unten am Teilstück wo die Treppe endet und beginne dann mit dem Rückweg.



Schwammartige Findlinge, Millionen von Jahren alt.



Bei der Wanderung frage ich mich, wie es hier eigentlich mit Ebbe und Flut aussieht. Plätschert das Wasser dann bis an die Felsen ? Die Voraussetzung zum Absaufen wäre ja dann bestens. Eine Möglichkeit diese steilen Felsen hoch zu klettern gibt es nicht.



Direkt am Rand der Felsen möchte ich aber auch nicht entlang laufen. Kreide ist nun mal ein weiches Gestein und löst sich schon mal. Würde ich davon verschüttet werden, wäre das auch mein Ende.



Der Gefahr mutig trotzend beginne ich den Blick mehr auf den Boden als auf die Felsen und das Wasser zu richten. Ich finde meinen ersten schönen Stein und meinen zweiten. Es sind Steine, die durch die Wasserkraft durchlöchert wurden. Wie viele Jahre es wohl gedauert hat, bis so ein Loch entsteht...

Es zeigen sich die schönsten Steine in allen möglichen Formen und Farben und meine Taschen werden immer voller. Zuerst die Hosentaschen, dann die der Jacke. Allmählich wird aus der Jacke ein Mantel und die Hose gibt der Schwerkraft auch schon langsam nach. Zum Glück habe ich noch eine Plastiktüte mit, die nach und nach immer voller wird, bis der erste Griff seinen Geist aufgibt. Zu allem Überfluss finde ich auch noch einen sehr schönen großen Ast, der augenscheinlich sehr lang im Wasser trieb, bis er hier angeschwemmt wurde. Für Dekozwecke eignet der sich hervorragend. Der muss auch mit !

Bepackt wie ein Esel tippel ich langsam und gemächlich immer weiter und merke erst gar nicht, dass keine Menschen mehr da sind. Weit und breit ist niemand zu sehen. Wann ich endlich am Ziel bin, keine Ahnung. Wie weit ich schon gelaufen bin, das weiß ich auch nicht.

Nach jeder Biegung hoffe ich irgendwo ein Ende zu sehen. Das kommt aber nicht. Das Ende scheint noch unendlich weit weg zu sein.



Zu allem Überfluss wird der Weg auch noch immer steiniger und ich darf zusätzlich noch über quer liegende Bäume klettern. Wie so ein Robinson, der den Freitag sucht, laufe ich immer weiter. Den Gedanken auch nur einen Stein oder den großen Ast einfach hier liegen zu lassen, den verwerfe ich ganz schnell.

Ich habe lieber die Hose an den Knien hängen von dem Gewicht der Steine und die Jacke über den Boden schleifend, ich werde aber keinen einzigen Stein wieder wegwerfen !



Nicht nur, dass der Weg immer bescheidener wird, er wird auch noch schmaler. Ob er das nun von Natur aus ist oder aber ob die Flut langsam kommt - null Ahnung !



Irgendwann, nach unendlich langer Zeit; ob es noch der Tag ist an dem ich loslief, weiß ich momentan nicht, zeigt sich ein Weg in den Wald. Völlig fertig und einfach nur noch stumpf weiter gehend, nehme ich diesen Weg. Wo ich nun hier im Wald bin, weiß ich auch nicht. Wie weit es noch zu meiner Ape ist, das wird sich zeigen.

Ich gehe einfach irgendeinen Weg im Wald, immer das Meer rechts im Auge. So müsste ich theoretisch an mein Ziel kommen.




Selbst das Bücken, um unter diesen Baum durch zu kriechen, fällt schon schwer. Schließlich muss ich mich danach ja wieder gerade machen. Wenn man denn noch von einem gerade Gehen sprechen kann. Die Steine werden immer schwerer und ich nutze jede sich bietende Möglichkeit, um eine Verschnaufpause zu machen.

Himmel, Arsch und Zwirn - so fertig war ich schon lang nicht mehr !



Plötzlich und unerwartet sehe ich meine kleine Biene. Neue Kräfte erreichen mich. Ich habe es endlich geschafft ! Beim Unterbringen der Steine in die Ape und dem Festbinden des Astes auf dem Dachträger frage ich mich, ob ich noch ganz bei Trost sei so viel von dem Zeugs die ganze Zeit zu schleppen. Nun ist es aber geschafft und das ist gut so...

6 Stunden Abenteuer haben mich echt geregelt.



Nach einer langen Pause geht es weiter. Das Ziel heißt Kap Arkona.

Auf den Weg dorthin, in Baldereck,  steht eine 50er Ape am Straßenrand. Sie dient offentlichtlich nur der Werbung.



Es ist schon dunkel, als ich das Kap Arkona erreiche.



In einem Restaurant in Putgarten gibt es noch eine leckere Fischplatte zum Abendessen und dann wird geschlafen.



Heute bin ich 62 Kilometer gefahren.


Dienstag, 27.10.2015

Schon am frühen Morgen scheint die Sonne und verspricht wieder einen schönen Tag.



Ich gehe eine Runde durch Putgarten.



In diesem Laden ...



... werden Steine in allen Formen verkauft.



Teilweise sind es Rohlinge wie ich sie selbst am Strand der Kreidefelsen gefunden habe, viele aber sind auch bearbeitet und werden als gefertigte Schmuckstücke in allen Varianten angeboten.



Nun geht es nach Vitt. Das soll das schönste Fischerdorf auf Rügen sein. Ich bin gespannt.



Normalerweise darf man nicht mit einem Fahrzeug dort hinfahren, außer man ist berechtigt einen Behindertenparkplatz zu benutzen. Für alle anderen Fälle gibt es in Putgarten einen großen Parkplatz mit Gebühr. Von diesem geht es zu Fuß weiter.

Den ganzen Tag sein Fahrzeug auf dem besagten Parkplatz abzustellen kostet so einige Euro. Anschließend darf man laufen bis die Sohlen qualmen. Von hier aus geht es nämlich noch zu den Leuchttürmen, die wiederum ein paar Kilometer entfernt liegen.

Das ist alles keine gute Idee und letztendlich ein Rechenspiel.

1. Ape ordnungsgemäß parken und gutes Geld an Gebühr entrichten. Dazu kommt dann die Rennerei.

2. Das Verkehrszeichen "Durchfahrt verboten für Kfz aller Art" missachten und riskieren ein Ticket zu bekommen. Das kostet 10 Euro. Dafür hat man sich viel Rennerei gespart und letztendlich dasselbe bezahlt als wenn man den Parkplatz benutzt. Und, man ist direkt vor Ort. Ob nun Vitt oder die Leuchttürme.

3. Den Behindertenparkplatz widerrechtlich benutzen kostet 35 Euro und das Fahrzeug darf sofort abgeschleppt werden. Diese Variante ist die schlechteste.

Ich wähle die Variante 2 !



Nur ein paar Meter Fußweg...



... und ich stehe mitten in Vitt.



Der kleine Hafen ist tatsächlich so wie man es von malerischen Fotos her kennt, absolut urig.



Der Fisch wird hier gefangen, ausgenommen und frisch geräuchert sofort serviert.









Die Häuser, allesamt traumhaft. Klein und idyllisch.



Straßen gibt es hier nicht, nur Schotterwege. Bei Trockenheit geht es ja, was ist aber bei Regen ? Das wird dann wohl eine sehr matschige Angelegenheit sein.





Und plötzlich sind sie da ! Dreist und herrisch wie man sie von überall kennt. Der Club der grauen Wackelköpfe. Mit einer herrischen Selbstverständlichkeit benutzen sie die Straße in voller Breite und erwarten, dass man Platz macht - Fehlanzeige ! Böse Blicke sollen den nicht von der Seite Weichenden einschüchtern. Das wirkt aber eher amüsierend.

Ständer mit kitschigen Kettchen, bunten Figürchen, Teller mit Bildchen und Goldrand, usw. werden sofort demonstrativ blockiert. Dort darf niemand anderes nun ran. Mich stört das nicht. Dieser Kitsch ist eh mehr für diese Generation hergestellt worden. Sowas kauft kein klar denkender Mensch.

Ich lasse sie einfach gewähren in ihren Starrsinn und ignoriere das Tun. Es könnte ja deren letzter Ausflug sein...









Nachdem ich jeden Winkel dieses überschaubaren Dorfes betrachtet habe, gehe ich zurück zur Ape und stelle fest, ...





... es gibt noch zwei weitere Autofahrer die gerechnet haben. Es hat geklappt ! Kein Ticket.



Ich mache mich auf den Weg zu den Leuchttürmen am Kap Arkona.



Selbstverständlich fahre ich mit der Ape dort hin.









Vom Leuchtturm hat man eine wunderbare Aussicht, vor allem bei dem schönen Wetter wie es heute ist.









Hier gibt es einige Gebäude und Sehenswürdigkeiten, die ich näher betrachte.





An dieser Stelle, unten am Strand, passierte am 2. Weihnachtstag 2011 leider eine Tragödie. Als eine Familie dort unten spazieren ging, brachen von der 38 Meter hohen Steilküste große Kreide- und Mengelmassen ab und verschütteten ein 10 jähriges Mädchen, das erst fünf Wochen nach dem Unglück gefunden wurde.

Ein Reiseführer, der dort eine Gruppe leitete, erzählte dieser eine völlig andere Geschichte. Seiner Fassung nach ließ eine Mutter ihr Kind dort allein spielen und dann geschah das Unglück. Irgendwie ist es ganz schön dreist und unverschämt nun die ganze Geschichte zu verdrehen und dabei indirekt der Mutter die Schuld am Tod ihrer Tochter zu geben.

Der Weg ist nun gesperrt. Nicht nur wegen des Unglücks, sondern auch weil das Meer bereits bis an die Küste reicht.






Die Wolken treiben heute ein schönes Spiel und laden zum Fotografieren ein.



Kurz nach Mittag kehre ich diesem schönen Fleck den Rücken und setze die Reise fort.



Für den letzten Tag auf Rügen ist kein bestimmes Ziel angesagt, einfach nur rumfahren und Gegend genießen.

Bischofsdorf





Mit der Wittower Fähre setze ich nach Trent über.





Das Wetter ist einmalig, fast wie im Sommer.





Den Rückweg zum Festland nehme ich heute nicht über die riesige Brücke, sondern über die parallel verlaufende Nebenstraße. So kann ich mir dieses riesige Bauwerk, welches Stralsund und Rügen verbindet, mal von der Seite anschauen.

Wie sehr hoch und lang diese Brücke ist, kommt auf Fotos leider nicht rüber.



Damit der Leser überhaupt eine Vorstellungskraft dieser gigantischen Brücke hat, habe ich ein Foto aus dem Internet runtergeladen.



Ich fahre weiter bis nach Röbel an der Müritz, wo das Nachtlager aufgeschlagen wird. Es ist schon dunkel. Die Häuser und Straßen dieser kleinen Stadt sehen in dem Laternenlicht, wie ich es ja schon oft an anderen Orten festgestellt habe, romantisch aus.



Hier soll man sein Auto nicht abstellen. Damit auch Waldorf- Schüler diese Botschaft verstehen, ist sie unmissverständlich bebildert. Wobei ich mich, als ich vor diesem Schild stehe frage, ob man denn mit Singen und Klatschen überhaupt eine Führerscheinprüfung bestehen kann.



Die kleinen Fachwerkhäuser, kaum Leute auf der Straße in Verbindung mit der schwachen Beleuchtung der Laternen - das hat schon fast etwas Unheimliches.



In einer Nebenstraße bietet sich eine gute Möglichkeit zur Übernachtung.



Heute bin ich 220 Kilometer gefahren.


Mittwoch, 28.10.2015

Um 08:00 Uhr ist die Nacht vorbei. Die Sonne steht schon am Himmel und auch dieser Tag scheint wieder ein schöner zu werden.



Ich suche eine Stelle, um in Ruhe frühstücken zu können...



... und werde am Yachthafen fündig.



Viele Bootsbesitzer haben hier auch direkt ihr Wochenendhaus.





Viele der Boote werden aber über den Winter von ihren Besitzern aus dem Wasser geholt zwecks Überholung und Wartung an trockenen Orten.





Noch eine kleine Runde durch Röbel an der Müritz gedreht ...





... und schon geht es weiter zum Bärenwald in Stuer.



Der Bärenwald ist eine Auffangstation für leidende Bären, die nicht artgerecht gehalten wurden. Entweder kommen diese armen und geschundenen Tiere aus einem Zoo, Zirkus oder Privatbesitz.



Hier werden diese Tiere so gut es nur geht artgerecht gehalten. Dieses riesige Areal ist in viele einzelne, umzäunte Abschnitte unterteilt. Die Gehege sind so angelegt, dass sie möglichst bärengerecht sind. Die Tiere können hier klettern, graben, spielen und alles tun was ihnen beliebt.



Auch eine Teichanlage mit Angelmöglichkeit...



... sowie ein Imbiss ist hier vorhanden.



Viele der Bären kommen aus dem Balkan, vor allem aus Serbien, Kosovo und Albanien. In diesen Ländern zählt das Leben eines Bären absolut nichts. In Käfigen, wie den folgend abgebildeten, werden sog. "Restaurant-Bären" als Lockvögel gehalten. Die Tiere vegetieren auf engsten Raum, nahe der Straße in praller Sonne, ohne sauberes Trinkwasser oder frisches Futter. Die Touristen werden durch diese Bären angelockt und machen ihre Fotos von den "süßen Tierchen". In der Regel geht man dann gleich noch ins Restaurant, um etwas zu essen. Der Bär oder die Bären haben ihre Aufgabe also schon erfüllt.

Werden viele Gäste durch die Bären angelockt und es bleiben Reste von Speisen übrig, so bekommen die Tiere abends diese als Futter. Kommen nur wenige oder gar keine Gäste, dann bekommt das arme Geschöpf im Käfig halt auch nur eine kleine Mahlzeit - oder eben nichts. Die Besitzer dieser Restaurants interessiert es kein bisschen wie es den Tieren geht. Es geht ihnen nur darum Gäste anzulocken und möglichst viel Geld zu verdienen. Der Bär bleibt dabei voll auf der Strecke. Er ist nur ein Werbemittel, mehr nicht.

Viele dieser Bären stammen aus freier Wildbahn. Lokale Jäger ziehen im Frühjahr los
, um die Bären nach ihrem Erwachen aus ihrer Winterruhe aufzuspüren. Besonders beliebt sind Bärinnen mit Nachwuchs. Die Jäger töten die Mutter, fangen die hilflosen Jungen ein und verkaufen sie an Restaurantbesitzer. Das Schlimme ist, dass dieses Tun in vielen dieser Länder völlig legal ist. Hier gibt es weder ein Tierschutzgesetz noch Jagdverbot für Braunbären.

Mordlüsterne Gestalten die Spaß daran haben ihren teuflischen und primitiven Trieb mit einem Gewehr zu befriedigen , haben in diesen Ländern freien Lauf. "Jäger" - ein Thema, bei dem ich sowieso explodieren könnte vor Wut. Spaß am Morden unschuldiger Tiere, sich brüsten mit dem ermordeten Tier und dann noch stolz behaupten, dass dies so sein muss und man sich nur aktiv für den Tierschutz einsetzt. Lächerlicher und peinlicher kann man sich wohl selbst nicht darstellen ! Für mich sind Jäger einfach nur Mörder, Punkt !



Abregen und zurück zum Thema...



Die Bären sind schon sehr träge, bewegen sich langsam oder liegen einfach nur in der Gegend herum. Der Winter steht vor der Tür.



Manche dösen auch einfach nur in der Sonne und lassen sich von den letzten Sonnenstrahlen des Jahres ihren Pelz wärmen. Auch wenn sie noch so drollig wirken und ihr "trotteliger" Blick animiert sie zu streicheln, es sind und bleiben wilde und sehr gefährliche Tiere.

Zu vermuten ist auch, dass gerade diese Bären hier Menschen gegenüber besonders aggressiv sind. Schließlich sind sie alle von irgendwelchen skrupellosen Gestalten gequält und von ihren Rettern hierhin verbracht worden. Der Bär selbst aber wird wohl kaum zwischen guten und schlechten Menschen unterscheiden können.









Dieser Bär hat einen psychischen Schaden. Er wurde von Menschen auf engsten Raum gehalten, massiv gequält und krank gemacht. Er befindet sich allein in seinem Gehege. Mit Artgenossen kann er nicht gehalten werden, er würde sie angreifen. Ich habe den Bär eine ganze Zeit lang beobachtet, es ist echt zum Heulen. Dieser Bär ist von irgendwelchen Menschen die Spaß daran hatten ihn zu quälen, psychisch so ruiniert worden, dass er immer das Gleiche tut.

Auf dem Foto kann man gut den Trampelpfad dieses armen Bären erkennen. Diesen läuft er ständig. Auch zu dem Zeitpunkt als ich am Zaun stehe und ihn beobachte. Zwei mal rechts um das Wasserbecken
rum, umdrehen. Den Trampelpfad ablaufen, zurück zum Wasserbecken. Danach die gleiche Prozedur. Und immer mit gesenkten und von links nach rechts schaukelnden Kopf. So wie der Trampelpfad ausschaut, den ganzen Tag derselbe Ablauf. Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr, wohl für den Rest seines Bärenlebens...

So krank dieses arme Tier auch ist, hier hat es ein gutes Leben. Niemand quält diesen Bären. Er bekommt vitaminreiche Nahrung, hat seinen Auslauf im Freien und wird liebevoll umsorgt. Zu helfen ist diesem Tier sowieso nicht mehr. Bestialische Menschen haben seine Gesundheit schon lang vorher ruiniert. Vielleicht wurde auch er von sogenannten Jägern als junger Bär gefangen. Man weiß es nicht.





Auch wenn das folgende Foto sehr brutal ist, habe ich mich trotzdem dazu entschieden es hier zu zeigen. Es handelt sich um einen geretteten Bär. Sein vorheriger Besitzer hat diesem Bär einen Ring durch den Kiefer geschlagen. An diesem Ring befindet sich eine Kette, an dieser eine Eisenstange. Wenn der Mensch an der Stange zieht, egal in welche Richtung, dann wird der Bär dieser Richtung unmittelbar folgen. Das tut er nicht, weil sein Besitzer ihn so gut erzogen und Kunststücke beigebracht hat, sondern weil der Bär unvorstellbare Schmerzen aushalten muss und selbst versucht diese so gering wie möglich zu halten. Der Bär wird alles tun, damit die Schmerzen nicht zu stark werden. Bekommt der Bär dann als Belohnung, wenn er sein "Kunststück" gemacht hat auch noch einen Happen zu fressen, dann lernt er schnell wie er sich verhalten muss.

Das Leben so eines Bären, oftmals Zirkustiere die mit ihrem "tollen Verhalten" Zuschauer belustigen und begeistern, besteht also nur aus Schmerzen ertragen und als Belohnung einen kleinen Happen zu fressen bekommen. In der Regel ist das bei den Vorstellungen dann die Hauptmahlzeit, ansonsten ist Hungern angesagt.

Dem geretteten Bären auf dem Foto wird dieser Ring gerade unter Narkose entfernt. Man möchte sich nicht vorstellen wie schmerzhaft es für das Tier war als der Ring durch den Kiefer geschlagen wurde. Dies passiert ohne Narkose. Der junge Bär wird dabei fixiert, damit er bei dem Kampf unter schlimmsten Schmerzen niemand mit seinen Krallen verletzen oder sogar töten kann. Mit roher Gewalt wird ihm dann dieser Ring durch Nase und Kiefer rücksichtslos eingeschlagen. Gut zu erkennen an der Kette sind auch die eisernen Spitzen die sich in das Fleisch des Bären bohren, wenn der besagte Besitzer dem Bären eine bestimmte Bewegungsrichtung vorgeben will. Es reicht diesem brutalen Menschen nicht, dass der Bär unerträgliche Schmerzen im Kieferbereich ertragen muss; zusätzlich muss er auch noch Eisenspitzen im Fleisch ertragen, die sich wie Pfeile dort hineinbohren.

Das Blut spritzt, das Fleisch weicht dem stählernen Ring, Kieferknochen splittern oder brechen. Manche Menschen sind wirkliche Schweine. Wobei ich das Tier "Schwein" jetzt nicht beleidigen möchte. Als normal denkender Mensch kann man diese Rohheit einfach nicht begreifen.



Geleitet wird dieser Bärenwald von der Organisation Vier Pfoten. Deren aktive Mitglieder setzen sich für "Mehr Menschlichkeit für Tiere" ein, retten und befreien gequälte und nicht artgerecht gehaltene Tiere aus den Fängen ihrer Besitzer. Wer Tieren helfen möchte, kann diese Leute für ihre wirklich sinnvolle Arbeit durch Spenden unterstützen.

Schwer beeindruckt von Menschen mit einem Herz für Tiere, die das Gegenteil eines blutrünstigen Jägers machen, geht es mit der Reise weiter...

An einem Antiquitätenladen in Appelburg komme ich noch rechtzeitig zum Frühstück. Es ist 15:15 Uhr.



Ich stöber gern durch solche Läden. Hier gibt es immer viele interessante Sachen aus alter Zeit, manchmal aber auch Schund. Dieser Laden aber ist gut und interessant.







Beim Schlendern durch die Hallen gehen mir die Bären immer noch nicht aus dem Kopf...



... und ich versuche mich im zum Laden gehörenden Café bei hausgemachten Kuchen und einer Tasse Kaffee ein bisschen abzulenken.



Ich fahre nach Plau am See, einem urigen Städtchen.



Ape parken und am See entlang spazieren.



Enten beim Appell ! Der Chef zählt durch...



Überall sieht man hier kleine Häuschen, in denen die Fischerboote untergebracht sind.







Ich kann aber nur einen Teil der Mecklenburgischen Seenplatte mitnehmen. Um alles hier zu sehen, müsste ich zwei Wochen durch die Gegend fahren.



Was ich aber zu sehen bekomme, das ist schon sehr faszinierend. Eine traumhaft schöne Gegend !



Am Abend fahre ich in das knapp 20 Kilometer entfernte Lübz. Hier wird übernachtet. Mit dem Einschlafen ist es heute aber nicht so besonders. Das Erlebte war heute nicht sehr schön. Ich denke immer noch an die armen Bären. Deren Schicksal hat mich regelrecht erschüttert. Ich habe eine innerliche Wut auf diese brutalen Menschen, die mich wach hält. Ich denke, dass die Vier Pfoten- Organisation eine gute Sache ist und so ab und zu eine kleine Finanzspritze als Unterstützung für geschundene Tiere bestimmt nicht falsch wäre...

Irgendwann aber schlafe ich dann doch ein.



Heute bin ich 62 Kilometer gefahren.


Donnerstag, 29.10.2015

Um 09:00 Uhr ist die Nacht um. Das Wetter ist wieder schön. Nur wenige Wolken bedecken den Himmel. Die Sonne scheint. Dass es nicht mehr so warm wie im Sommer ist, das ist logisch. Das brauche ich aber auch nicht. Der Herbst ist genauso schön, wenn die Blätter durch das Sonnenlicht in allen möglichen Farben strahlen. Hauptsache, es ist trocken.



Hier habe ich übernachtet. War der Parkplatz gestern Abend noch überwiegend leer, so ist er nun gut gefüllt. Dass hier so viele Autos ankamen, habe ich nicht mitbekommen.



Nur ein paar Schritte von meiner Schlafstelle entfernt...







Ich gehe durch die Stadt. Lübz ist nicht groß, aber sehr schön.





Bei diesem Bäcker fällt der eigentlich gar nicht geplante Entschluss...



... hier wird gefrühstückt ! Ein Frühstück an meiner Ape wäre jetzt nicht viel anders. ;-)



Im Anschluss an das Frühstück schlender ich weiter durch so einige Straßen und schau mir die Häuser an.



Die Häuser - alt, manche sehr alt. Durch die liebevolle Pflege oder auch aufwändige Sanierung aber wirkt alles sehr ordentlich, frisch und gepflegt.



Das Schöne an so alten Häusern finde ich, dass jedes Haus individuell ist und einen eigenen Stil hat. Neubauten heutzutage, gerade in Stadthäusern, wo eins neben dem anderen steht, sehen alle gleich und langweilig aus.



Nach dem Spaziergang durch Lübz geht die Fahrt weiter und ich mache einen kurzen Abstecher nach Rom. Ich war immer der Meinung, dass es weiter weg liegt...



Das nächste Etappenziel: Schloss Ludwigslust.



Das Schloss

Von außen wirkt es sehr schön, wenn auch der große, gepflasterte Platz vor dem Schloss befremdend wirkt. Eine große Besucherzahl scheint man gar nicht zu erwarten, es gibt lediglich 10 Parkplätze. Was das Schloss von seinem Äußeren verspricht, kann es innen nicht halten. Vieles ist kaputt und ungepflegt. Mobilar ist so gut wie gar nicht vorhanden. Lediglich ein paar Bilder, Uhren und nicht besonders spannende Utensilien aus angeblich vergangener Zeit stehen hier einzeln verlassen in den Räumen verteilt. Fotos der Innenräume darf man nicht einfach so machen, nur gegen eine Gebühr von 3 Euro. Ich frage mich aber, was ich hier fotografieren soll, es lohnt nicht.

Ein Mitarbeiter erklärt, dass ab 2016 alles anders werden wird. Dann ist die Renovierung sämtlicher Räume beendet und sie werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es wäre wünschenswert.



Der schönere Teil dieses Schlosses befindet sich hinter dem Gebäude, der Park.



Der Park ist sehr groß und wird äußerst penibel gepflegt.



Die Wege der Parkanlage werden gerade von einer Gartenbaufirma vom Laub befreit. Die Angestellten sind geistig und leicht körperlich behinderte Menschen, die ihre Arbeit sichtlich mit sehr viel Spaß verrichten. Ich setze mich auf eine Bank und beobachte sie. Da wird gelacht und gefeixt, Blödsinn gemacht und trotzdem gemeinschaftlich gearbeitet, jeder hilft jedem und kein Laubblatt bleibt liegen.

Es ist bemerkenwert mit welch einer Motivation sie das Laub zusammen harken und auf einen kleinen Lkw laden. Sie haben sichtlich Spaß daran wie schön der Teil des Parks schon wirkt, den sie bereits bearbeitet haben. Leider werden sie wohl für ihre Arbeit nicht den Respekt bekommen, den sie eigentlich verdient haben. Vermutlich wird ihre geistige Fähigkeit nicht dazu reichen besonders schwierige oder auch komplizierte Arbeitsabläufe zu verrichten. Das ist ja auch nicht schlimm. Diese Menschen sind nun mal krank. Diese Arbeit aber, auf die nicht behinderte Menschen wahrscheinlich gar keine Lust hätten, erledigen sie mit einer ganz besonderen Sorgfalt. Es ist schön ihnen zuzusehen und ich frage mich, wer in unserer Gesellschaft eigentlich die zufriedeneren Menschen sind. Sind es die, die von einem Termin zum nächsten hetzen, dem Nächsten nicht das Geringste gönnen, Konkurrenten ausschalten und nur auf den eigenen Vorteil bedacht sind oder sind es die, die zwar eine Behinderung haben, sich aber für andere einsetzen soweit sie das können, ihnen helfen, die eigenen Bedürfnisse hinter die der Anderen stellen und gemeinschaftlich eine Sache zu Ende bringen ? Die Frage kann sich jeder selbst stellen und beantworten...



Was auf einem Foto nie so wirken kann wie in Natura sind diese wunderschönen, unterschiedlichen Bäume die in allen Farben im Sonnenlicht schimmern.





Beeindruckt von diesen behinderten, fleißigen Menschen geht die Reise weiter und ich überfahre um kurz nach 16:00 Uhr die Landesgrenze Mecklenburg-Vorpommern / Niedersachsen.



Gegen Abend kommt leichter Nebel auf, der völlig natürliche Dinge leicht schön schaurig wirken lässt.



Ich komme in Bergen an und parke auf einem Parkplatz der "Lebenshilfe". Ich stehe hier noch allein mit meiner Ape. Morgen möchte ich das ehemalige Konzentrationslager in Bergen-Belsen besichtigen. Es wird bestimmt eine negativ gemeint, "interessante" Sache werden und mir ist selbst ein wenig mulmig dabei. Ich weiß, was mich erwarten wird und ich weiß auch, dass ich nicht gut gegen diese Geschehnisse ankomme, die ein österreichischer Teufel systematisch geplant hat und von skrupellosen, gefühllosen Bestien durchführen ließ. Sorry, aber ich kann solche Individuen nun mal nicht als Menschen bezeichnen. Für mich persönlich ist das Leben eines Wurms wertvoller als das dieser Mörder.

Leicht bedrückt mit Gedanken an den morgigen Tag kippe ich mir ein paar Dosen rein, um besser schlafen zu können als plötzlich vier große Lkw mit niederländischen Kennzeichen auf den Parkplatz gedonnert kommen. Das Einparken geschieht mit einer derartigen Exaktheit und Schnelligkeit, nach dem Aussteigen gehen alle vier Fahrer schnurstraks in das um die Ecke liegende mexikanische Restaurant - die sind nicht das erste Mal hier. Die kennen sich hier wohl aus. Dass ich mit zwei dieser Fahrer in der Nacht noch einen Höllenspaß haben werde, das kann ich hier noch nicht ahnen.

Heute bin ich 221 Kilometer gefahren.



Freitag, 30.10.2015

Es ist 03:00 Uhr. Laute Stimmen, nicht weit entfernt von meiner Ape, wecken mich. Es ist eine ziemlich laute Unterhaltung mit viel Lachen zwischendurch. Da ich nicht neugierig bin, stecke ich meinen Kopf aus dem Kasten und werde von den beiden Holländern, die verantwortlich sind für dieses nächtliche Konzert, gesehen. Sie rufen mir in gebrochenen Deutsch zu: "Du schläfst da drin ?" Eine Bierdose in der Hand haltend: "Komm rüber, trink ein Bier mit !"

Wie gesagt, es ist 03:00 Uhr in der Früh. Leicht benommen vom Schlafen, geweckt worden nur durch Stimmen und als Frühstück ein Bier - passt !

Ich krabbel aus meinem Bettchen und geselle mich zu den Zweien. Die beiden anderen Fahrer schlafen. Es ist nicht die erste Dose die sie trinken. Einer der beiden Fahrer, der jüngere, ist sehr gesprächig. Mit ihm unterhalte ich mich überwiegend. Seinerseits folgt nun eine Unterhaltung die zu 20 % aus deutschen Worten, 30 % aus holländischen und zu 50 % aus gebrochenen, englischen besteht. Holländisch verstehe ich zwar einigermaßen, es zu sprechen ist aber problematischer. Ich antworte grundsätzlich in englisch.

Ich erfahre, dass diese vier Fahrer jedes Wochenende hier sind und Munition für die Bundeswehr transportieren. Sie kommen entweder donnerstags oder freitags und am nächsten Tag geht es zurück in die Niederlande. Wir unterhalten uns über ihren Job, über die Ape und alles Mögliche als eine richtig dicke Brumme um die Ecke geschossen kommt. Konfektionsgröße 36 J, abgefüllt mit Alkohol bis Oberkante Unterlippe. Scheinbar ist sie auf der Flucht, denn die Bluse ist geöffnet bis zu den Knien und die Milchfabrik wirbelt gut lüftend in der Natur herum. Was für eine Rakete ! Am liebsten würde ich laut loslachen, halte mich aber zurück.

Der ältere der beiden Holländer wird sichtlich nervös. Man scheint sich zu kennen. Wie ein Gockel tänzelt er um dieses schreckliche, total besoffene Etwas. Ihr scheint es zu gefallen. Sie wirbelt vor ihm mit ihren Tüten rum, dass mir Angst und Bange wird. Irgendwie habe ich das Gefühl gerade in einem falschen Film zu sein. Der jüngere der beiden Fahrer lacht sich schlapp. Ich dagegen weiß gar nicht, ob ich wirklich wach bin oder dieses ganze Szenario nur träume.

Mit einer absolut unauffälligen Art versucht der Fahrer die Milchfabrik in das Führerhaus seines Lkw zu verladen. Diese ziert sich aber noch mit einer gespielten Abwehr, stampft aber immer weiter zu seinem Lkw. Ein Getue und Gezeter, dass es mich nun auch nicht mehr vor Lachen hält. Der Jüngere heizt den Älteren durch Gesten an, die Olle wippt mit ihren Hupen was das Zeug hält und ich stehe mit meiner Dose Bier daneben und grinse mir einen weg.

Es kommt wie es kommen musste, sie sitzt auf dem Fahrersitz, ihre Argumente liegen auf dem Lenkrad. Der Fahrer beginnt sehr unauffällig daran zu spielen. Der Innenraum ist hell erleuchtet. Irgendwie merken diese Beiden gar nichts mehr. Ein Gefummel, Geknutsche und Gehabe ohne Ende geht da nun vor. Wir beide draußen unterhalten uns, amüsieren uns über die Zwei und lachen uns weg.

Plötzlich kommen von innen ganz seltsame Geräusche. Wie gesagt, der Innenraum des Führerhauses ist hell erleuchtet, die Fahrertür steht weit geöffnet. Ein Gewürge und Geschnaube und dann passiert es ! In einem hohen Bogen fliegt der Milchfabrik das Essen der letzten 14 Tage derart plötzlich und in einem hohen Bogen aus dem Gesicht und ergießt sich über das Lenkrad, den Tacho, das komplette Armaturenbrett, den gesamten Fußraum, in Stiefeln die auf den Einstiegstreppen stehen, über die im Freien hängende Milchfabrik bis nach draußen, wo wir noch eben standen. Beim ersten Schwall über das Armaturenbrett laufen wir beide sofort einige Meter von dem Lkw weg und kriegen uns vor Lachen nicht mehr ein. Im Lachen rede ich deutsch, der Holländer seine Sprache, keiner versteht den anderen richtig und doch wissen wir beide was gemeint ist.

Dann dieses Schauspiel im Lkw; der Fahrer schlägt die Hände über seinen Kopf zusammen und schimpft und wettert ohne Ende. Madame Kotz entschuldigt sich und versucht den ergossenen Brei mit Haushaltstüchern überall abzuwischen, verschmiert aber alles nur noch mehr. Wenn ich dieses Schauspiel nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, ich würde es nicht glauben. Wir, die draußen Stehenden, kriegen uns überhaupt nicht mehr ein. Erst dieses ganzes Getue und Getänzel bis die werte Dame endlich auf dem Sitz Platz nimmt, dann die plötzliche Magenentleerung im hohen Bogen über den gesamten Innenraum und teils über sich selbst und nun der verzweifelte Versuch den ausgereiherten Eintopf zu entfernen.

Nach und nach füllt sich der Parkplatz neben der Fahrertür mit Haushaltstüchern. Wir bleiben schön auf Abstand, beobachten dieses verzweifelte und irre Schauspiel und lachen uns kaputt. Was nun folgt ist fast noch ekeliger und eigentlich unglaublich. Die Tür des Lkw wird von innen zugeschlagen und die zugezogenen Vorhänge versperren nun die Sicht nach innen.

Obwohl der Motor des Lkw nicht läuft, bewegt sich sein Führerhaus nun rhythmisch und grunzende, nicht zu erklärende Geräusche klingen laut nach draußen. Wir beide schauen uns fragend an, können nicht glauben was da grad passiert und beginnen wieder laut zu lachen. Wuppi Wuppi zwischen frisch ausgereiherten, sauren Eintopf. Romantik pur in höchster Vollendung ! Das nun weiter auszumalen widerstrebt mir. Schwer vorstellbar, kaum zu glauben, aber wahr. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Was es nicht alles gibt...

Wir trinken unser Bier aus, verabschieden uns, wünschen uns gegenseitig gute Fahrt und jeder geht in seine Koje. In der Ape liegend muss ich immer noch über diesen Film lachen, schlafe dann aber doch bald ein.

Um 09:00 Uhr werde ich durch einen lärmenden Laubsauger geweckt. Es ist sowieso Zeit zum Aufstehen. Die Lkw- Fahrer sind schon weg. Ich habe nichts davon mitbekommen, so tief habe ich geschlafen. Duschen, frühstücken, auf nach Bergen-Belsen in das ehemalige Konzentrationslager.



Der Eingang...



... sowie die Gebäude...



... und deren Inneres sind absolut kühl und nüchtern gehalten. Hier gibt roher Beton den Ton an.



An den Informationstafeln und Schaukästen gibt es sehr viel zu lesen. Auch werden Filme von den Geschehnissen der damaligen Zeit vorgeführt.



Unter anderem sieht man Kleidungsstücke, die die Insassen tragen mussten.





Fundstücke





Sollte ein Leser hier gerade nun mit Kindern meinen Reisebericht lesen, die folgenden Fotos sind nichts für Kinderaugen. Sie sind schrecklich, brutal, rücksichtslos und in allerhöchster Form menschenverachtend.

Damit mitlesende Kinder nicht rein zufällig schon das erste Foto sehen, folgt nun eine große text- und fotolose Lücke. Ich bitte, nach unten zu scrollen.

.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.

.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.


Ich habe erst überlegt, ob ich die folgenden Fotos überhaupt in diesen Reisebericht einfügen soll. Ich habe mich dazu entschieden, es doch zu tun.



Auch wenn es alles schon sehr lang her ist und heute Lebende keinerlei Verantwortung für diese Untaten trifft, so sollte man sich das alles trotzdem anschauen, um in Zukunft nie mehr so etwas zuzulassen.



Dass es allerdings heute immer noch so Verrückte gibt, die mitunter diese Taten verharmlosen oder sogar
verherrlichen, ist erschreckend. In meinen Augen sind solche Subjekte absolute Vollidioten.



Die Leichen lagen überall im Lager einfach achtlos herum und wurden irgendwann in ein Massengrab geworfen. Entweder warf man sie als Körper hinein oder aber sie wurden verbrannt und als Asche in die Massengräber geschüttet.



Ob nun durch Hunger, Krankheit oder Mord, jeden Tag gab es neue Leichen. Der Tod war hier zu jeder Sekunde gegenwärtig und nahm sich wen er kriegen konnte. Wer starb, blieb entweder erst an dem Sterbeort liegen oder wurde in irgendeine Ecke zu anderen Leichen geworfen.



Zwei tote Kinder.

Bei dem Anblick des Fotos wurde mir erst ganz anders. Vielleicht war für sie der Tod sogar die Erlösung. Den unmenschlichen Bestien, die in diesem Lager das Sagen hatten, war es völlig gleichgültig in welchem Alter sich ein Mensch befand. War dieser noch jüdischer Abstammung, dann war sein Leben gar nichts wert. Dieser Mensch war einfach nur Dreck.

Dreck wurde als Dreck behandelt. Man durfte diesen Dreck nach Lust und Laune schlagen, treten, vergewaltigen, verletzen, ermorden. Dieses Nichts war nicht lebenswert. War es tot, dann war das eben so. Es war kein Verlust. Da läuft noch genug anderer Dreck rum. Was schon als Leben keinen Wert hat, hat im Tod erst recht keinen.



Es gibt noch so einige Fotos und andere Informationen zu sehen, lesen, hören. Ich möchte aber nicht mehr. Ich habe genug. Ich möchte hier einfach nur raus.

Die Anlage mit ihren Todeszäunen und Baracken steht heute nicht mehr. Aufgestellte Informationstafeln informieren über das damalige Aussehen.



Ein Massengrab mit 1000 Toten.

Derlei Gräber gibt es hier viele mit unterschiedlicher Anzahl von Verstorbenen.



Wir es im jüdischen Glauben üblich ist, werden auch hier Steine an oder auf das Grab gelegt.







Stellenweise sind hier Grabsteine aufgestellt mit dem Namen, Geburts- und Sterbedatum der / des hier irgendwo Liegenden. Die Grabsteine haben nur symbolischen Wert. An ihrer Stelle befindet sich kein Grab. Sie wurden von den Nachkommen aufgestellt. Vielleicht haben sie es ja getan um eine Stelle zu haben die sie anlaufen und so besser mit der Trauer umgehen können.



Nach dem Besuch des Konzentrationslagers geht es stramm in Richtung Heimat. Ziele sind keine mehr geplant. Ich fahre durch Hannover.







In Hameln springt der Kilometerzähler auf "50.000". Das ist schon eine ganze Menge was meine Ape in ihren ca. 4,5 Jahren geleistet hat.

Hameln selbst ist, meiner Meinung nach, nicht grad sehenswert. Auch wenn diese Stadt durch den Rattenfänger so bekannt ist; mit Hameln ist es wie mit Bielefeld, Grevenbroich und Wuppertal. Es gibt sie einfach. Wäre sie weg, würde sie niemand vermissen. Brauchen tut man sie nicht.



Bei dieser Tour fuhr meine Ape zuverlässige 2.054 Kilometer.

Die Reise durch Mecklenburg-Vorpommern hat sehr viel Spaß gemacht. Traumhaft schöne Ecken zeigten sich, die ich so nicht erwartet habe. Mit der Reise durch dieses schöne Bundesland schließt sich nun für mich ein Kreis. Ich bin nun mit meiner Ape in allen Bundesländern gewesen.

Es ist schon witzig mit so einem kleinen Fahrzeug derartige Touren zu machen. Diese nun war die vierzehnte dieser Art. Die vielen Wochenendtouren zähle ich gar nicht mit und darüber schreibe ich auch nichts. Es würde sonst kein Hobby mehr sein. Das würde in Arbeit ausarten.