Mai 2018 Ost- und Nordsee
Mit der Ape an die Ost- und Nordsee

Samstag, 26. Mai 2018

Die 18. Tour mit der Ape steht vor der Tür. Diesmal soll es ein bisschen anders werden als bei den bisherigen Fahrten. Nicht so viel rumfahren, rumhetzen, von einem Ort zum anderen, Kilometer abreißen. Es soll eine gemütliche Tour werden. Bisschen hier schauen, ein bisschen dort. Längere Zeit an einer Stelle verbleiben, entspannen. Es wird also mehr oder weniger eine "Rumgammel-Tour" werden. :)

Auch wenn diese Tour gemütlicher werden soll, vorbereitet werden muss sie wie alle anderen zuvor. Dazu gehört auch die Ape durchchecken, damit es keine bösen Überraschungen geben wird.

Auch so kann ein Ape-Motor nach über 74.000 Kilometern aussehen.



Der Befund nach Durchsicht des Motors - alles ok, es kann losgehen !

Was nicht in Ordnung ist, das ist die Sitzbank. Während sie auf der Beifahrerseite noch neuwertig ist, kann man den Teil auf der Fahrerseite eigentlich gar nicht mehr als Sitzfläche bezeichnen. Das ist dort mehr so eine Hängematte, die gehalten wird von zum Teil völlig verbogenen, gebrochenen Eisenfederchen, welche am liebsten die Fahrerkabine selbstständig verlassen, indem sie teilweise auf den Boden fallen und schon mal unter der Schuhsohle hängen bleiben. Kabelbinder ist aber ein gutes Verbandmaterial und half bisher über so manches Aua der Sitzbank hinweg. Formschön ummantelt wird dieser ergonomisch geformte Sitzteil von absolut welligem und an vielen Ecken eingerissenen, zerfledderten Kunstleder.

Auf Kurzstrecken; zur Arbeit, Baumarkt, spazieren fahren, alles kein Problem. Bei längerer Fahrt allerdings sackt der Körperteil, der auf der Sitzbank sitzt, immer ein Stück tiefer und nimmt mitunter schon seltsame Formen an. Nach dem Aussteigen kann es schon mal passieren, dass die Beine für einen Moment unterschiedlich lang sind, weil die ganze Körperhaltung für einige Momente völlig deformiert ist. Ein bisschen Recken und Strecken, kurze Strecke humpeln und alles renkt sich irgendwann wieder ein.

Einen ganz entscheidenden Vorteil aber, der nicht zu unterschätzen ist, hat eine komplett durchgesessene Sitzbank gegenüber einer neuen allerdings doch - die Kopffreiheit in der Ape nimmt mit jedem Kilometer zu ! Bevor ich aber eines Tages kaum noch über das Armaturenbrett schauen kann, muss ich da doch mal etwas ändern...



Das Schlafgemach ist bereitet, die Schränke und Regale müssen noch mit Gepäck vollgestopft werden.



Wenigstens zum Fahrtantritt soll die Ape strahlen und wird deshalb gewaschen.



Mit das wichtigste Teil bei allen Fahrten - der Dachkoffer. Hier kann ich alles das unterbringen was im Kasten zu sperrig wäre oder aber ich nicht oft benötige.



Der Kilometerstand der Ape bei der Abfahrt.


Gegen 18:00 Uhr ist es dann soweit. Ein kurzer Dreh am Schlüssel und die Rennsemmel lässt mit ihrem gigantischen Sound alles Drumrum verstummen. Die Fahrt kann losgehen....

Richtig weit soll es heute gar nicht unbedingt gehen, die Nacht soll auf keinen Fall zum Tag gemacht werden.

Es geht in Richtung Dorsten, dann Haltern und im Kreis Warendorf, in Westkirchen, bietet sich ein so schöner Parkplatz zum Verweilen an, dass meine Ape dort einfach stehen bleibt und entscheidet: "Hier wird übernachtet !"

So richtig Strecke abgerissen habe ich heute nicht, trotzdem sind 130 Kilometer zusammengekommen.

Da bei dieser Fahrt aber nicht nur Kilometer gefahren werden, sondern auch die körperliche Aktivität berücksichtigt werden soll, ist der Schrittzähler im Handy aktiviert und besagt für heute:

6.689 Schritte / 5.25 KM


Sonntag, 27. Mai 2018

Es ist genau 10:00 Uhr, als die Lebensgeister erwachen. Das war ein herrlich, langer Schlaf.


Die Sonne steht schon hoch am Himmel, das Wetter scheint vielversprechend zu werden.


Was sich als wunderbare Stelle zur Übernachtung bewies, war zum Duschen nicht so sehr geeignet. Aus dem Grund verließ ich diese Stelle, um einen geeigneteren Platz zu finden.


Ich fahre ein paar Kilometer...


... bis nach Bielefeld - Jöllenbeck. An einer heute geschlossenen Schule herrscht Ruhe....


Ohne die 12-Volt-Dusche wäre eine Ape-Tour komplizierter. Man muss dann, wie bei meiner ersten Tour mit meinem Jüngsten, ständig Ausschau nach Campingplätzen oder Hallen-/ Freibädern halten, um gegen Entgelt duschen zu dürfen.

Man verliert dann viel Zeit, die man besser mit Fahren durch herrliche Gegend zum nächsten Ziel verbringen kann.


Nach einer Dusche und einem reichhaltigen Frühstücksbüffet aus Kaffee, zwei Scheiben Brot sowie zwei verschiedenen Marmeladen geht es dann gemütlich weiter. Ein Ziel soll heute Herford sein.


Weit zu fahren ist es nicht, nur etwa 15 Kilometer.


Laut Angaben im Internet findet hier dieses Wochenende ein Keramikmarkt statt. Er wurde als sehr interessant bewertet.


Wenngleich er wirklich sehr klein ist und ich im ersten Anlauf auch direkt dran vorbeilaufe, muss ich den Bewertungen trotzdem beistimmen. Viele schöne, von Hand geschaffene Artikel gibt es hier zu kaufen.







An diesem Stand bin ich für eine Kleinigkeit fündig geworden.


Beim Herumschlendern zeigt sich, dass Herford eine sehr schöne Altstadt hat. Das muss näher betrachtet werden.









Als ich diesen Asiaten sehe, meldet sich mein Magen. Von außen sieht der Laden ganz gut aus, die Speisekarte klingt verlockend. Also rein in die gute Stube. Sie macht einen ordentlichen Eindruck und das Essen wird direkt bestellt.


Da es sehr warm ist, entschließe ich mich dazu, draußen zu essen. Manchmal sollte man sich lieber zuerst die Terrasse eines Lokals anschauen und dann das Innere. Was innen gut und sauber aussieht, ist draußen leider genau das Gegenteil.

Die Tische sind zwar sauber, aber lieblos eingedeckt - nämlich gar nicht ! Am Terrassengeländer hängen Blumenkästen. Das war´s - nur die Kästen. Blumen oder sonstige Pflanzen sind hier nicht vorhanden. Dafür präsentiert sich aber uralte, knochenharte Blumenerde in der offensichtlich Tabakpflanzen gezogen werden sollen. Die Anzahl der Zigarettenkippen lässt jedenfalls darauf schließen.

Ich hoffe, dass wenigstens das Essen angenehm und schmackhaft ist. Leider entspricht die Optik des Essens dem Anblick der restlichen Terrasse. Formfleisch mit Eimersoße und einem kleinen Haufen Reis. Am liebsten möchte ich dem Kellner den Teller in den Hals schieben.

Geschmacklich ist das gebotene Gericht allerdings das beste Abführmittel das ich bisher in meinem Leben gegessen habe. Es schmeckt einfach nach nichts.

Da ich aber mächtig Kohldampf habe, schiebe ich mir diesen Haufen Matsche in den Schlund und versuche durch wenig Kauen die Geschmacksnerven zu umgehen.

Zahlen, gehen, vergessen...

Wer also mal in Herford ist, dieses Lokal kann man gepflegt umgehen. Es gibt garantiert bessere - schlechter geht ja nicht.


Die Reise geht weiter. Noch 304 Kilometer bis zum Timmendorfer Strand.


Von Herford aus geht es ...


... in Porta Westfalica vorbei am Kaiser-Wilhelm-Denkmal...


... um dann in Lahde den nächsten, nicht geplanten Boxenstopp einzulegen.


Auf Grund eines Straßentrödel wird die Neugier geweckt.


Gutes, Neues und Altes, Gepflegtes und Schmieriges - das Angebot ist sehr reichhaltig. Die Grillbuden locken zum Essen, der asiatische Formfleischklotz liegt aber noch schwer im Magen und würde sich mit gutem Essen vermutlich nicht vertragen. Deshalb lasse ich es lieber sein. 





Die Wassermühle in dem Dorf lädt zum Verweilen ein. Mit einer Tasse selbstgemachten Kaffee aus meiner Onboard-Espressomaschine schmeckt der lösliche Kaffee aus dem Glas herrlich. Manches, was man zu Hause niemals essen oder trinken würde, ist auf so einer Reise fast schon eine Delikatesse.


Nachdem die weitere Fahrt durch Heemsen führt, ...


... wird die nächste Kaffeepause in Rethem (Aller) auf einem Parkplatz eingelegt.


Gemütlich geht es dann weiter durch Walsrode...


... und Bomlitz.


Es ist schon gegen Abend, als meine Ape in Soltau reindüst. Bis zum Timmendorfer Strand sind es noch ca. 150 Kilometer. Die Strecke bis dahin zu fahren, wäre noch machbar. Allerdings würde ich dann dort nach Mitternacht eintreffen. So lang noch zu fahren, habe ich aber keine Lust. Vielleicht gibt es hier noch etwas Gutes zu essen und anschließend eine geeignete Übernachtungsmöglichkeit...


Eine scheinbar gute Pizzeria ist schnell gefunden.


Nicht nur die Lokalität ist sehr ansprechend, auch das Essen. Gegen den Fraß in Herford ist das hier die reinste Delikatesse. So angenehm es hier auch ist, so wahnsinnig sind die Gäste am Nebentisch.

Vorlaut, nach Aufmerksamkeit schreiend, unhöflich, unsympathisch, arrogant, besserwisserisch und alle sonstigen schlechten Eigenschaften, die man als Mensch so haben kann, sind an diesem Tisch vereint.

Und dann immer dieser Blick in Richtung der anderen Tische, ob das Gesagte auch von den anderen Gästen gehört wird. Kurzum - 10 A****löcher ringen um die Aufmerksamkeit der umliegend sitzenden Gäste und keiner dieser Honks merkt, wie primitiv und dämlich er eigentlich ist.

Nach Platznehmen am Tisch dauert es keine halbe Minute und man erfährt, dass jeder dieser Widerlinge ein Reitpferd besitzt. Ein Pferd ist besser als das andere, jeder Reiter ist der Beste. Es wird geprahlt ohne Ende. Welches Pferd man doch in welchem Land irgendwo auf der Welt gekauft hat und welche Eigenschaften welcher Gaul mit sich bringt ! Total interessant für alle anderen, oder auch nicht.

Ich habe mir so vorgestellt, ich würde hier gerade mit meinen Arbeitskollegen sitzen. Das wäre ein richtig heiterer Abend geworden....

Die Krönung war ein Ende 60er, gestylt auf Mitte 20, dem alle Frauen zu Füßen lagen - egal welchen Alters. So meint er es wohl scheinbar. Optisch eine totale Witzfigur, charakterlich das Letzte. Er bittet einen dieser anderen Spinner doch tatsächlich lauthals darum, dass dieser mal die hübsche Kellnerin holen solle, weil er die noch nicht geschwängert habe.

Glücklicherweise ist das junge Mädchen im Lokal und nicht draußen im Garten, so dass sie es nicht hören kann. Alle anderen Gäste schütteln nur mit dem Kopf.

Von diesem ganzen Gelaber über das Nahrungsmittel Pferd bekomme ich richtig Kohldampf auf einen deftigen Sauerbraten. Leider steht der nicht auf der Speisekarte. Ist nun mal eine Pizzeria...

Die Pizza aber, sehr lecker. Einfach perfekt.


Nach dem Essen wird es Zeit eine Stelle zur Übernachtung zu suchen. Fündig werde ich am Krankenhaus von Soltau. Ich kann vorwegnehmen. Die ganze Nacht ist sehr ruhig und der Schlaf wird tief und fest.


Gefahrene Kilometer: 217

Gelaufene Schritte: 8435 / 6.52 km


Montag 28. Mai 2018


Um 03:00 Uhr reiße ich die Klappe der Ape auf. Was für eine Hitze. Tagsüber ist wunderbares Wetter und in der Nacht kaum kühler. Kurz durchlüften und ab da an lasse ich sie für diese Nacht leicht angelehnt und schlafe weiter.

Um 08:15 Uhr beginnt der Tag. Die Sonne scheint, es ist aber leicht bedeckt. Der Parkplatz ist nun natürlich gefüllt vom Krankenhauspersonal. Ich denke, dass ich mit der Ape und deren Dachkoffer kaum auffallen werde. Ist ja völlig normal, dass man mit so einer Fahrzeugkombination zur Arbeit fährt.

Nach dem Aufstehen stelle ich fest, Klappe und Fahrertür quietschen mächtig. Hätte ich zu Hause ja einölen können....

Zum Auffrischen der Kunststoffteile habe ich immer eine kleine Flasche Babyöl mit. Damit eingerieben werden diese ausgeblichenen Teile immer schön dunkel. Dass man damit auch Türscharniere ölen kann, ist natürlich praktisch und das Quietschen ist im Nu weg.

Mein Parkplatz...


Dem Personal den Parkplatz wegzunehmen ist für eine Nacht noch akzeptabel, jetzt hier aber die Dusche aufzubauen und gemütlich zu frühstücken würde wohl aber den Rahmen sprengen.

Es fällt also der Entschluss heimlich zu verschwinden und eine geeignete Stelle zu suchen. Gar nicht weit weg, in Amelinghausen, bietet ein Stellplatz für Wohnmobile beste Voraussetzungen. Kurz auf das Parkplatz-nur-für-Wohnmobile-Verkehrszeichen geschaut, mit der Ape verglichen - passt ! Ich habe eindeutig ein Wohnmobil...


Der Platz ist wirklich klasse, sehr ruhig und herrlich gelegen.

Duschen...


... frühstücken...


... alles kein Problem.

Ich ziehe zwar die neidischen Blicke der anderen Wohnmobilbesitzer auf mich, bin das aber schon gewohnt. Ich kann ja nichts dafür, dass sie sich nichts Richtiges leisten können und in ihren riesigen, weißen Blechbüchsen duschen und frühstücken müssen, während ich das alles bei jedem Wetter draußen machen darf, nachdem alles mühsam aufgebaut ist. Man kann halt nicht alles haben !

Weiter geht es durch Betzendorf...


... Melbeck...


... und ruckzuck ist Lüneburg erreicht.


Ein Parkplatz ist schnell gefunden.


Lüneburg ist eine phantastische Stadt mit herrlich schönen Häusern und interessant gepflasterten Straßen.









In Lüneburg befindet sich auch das Hotel Bergström, bekannt (oder auch nicht) aus der Fernsehserie "Rote Rosen".



Wie das Hotel selbst ist auch die Außenanlage sehr hübsch gestaltet.




Weiter geht´s in Richtung Timmendorfer Strand. Auf dem Weg dahin müssen die Wasservorräte aufgefüllt werden. Wie schon so oft, dient auch hier in Breitenfelde ein Friedhof als gute Quelle.


Kurz vor dem Ziel, in Hemmelsdorf, wird nochmal eine kurze Pause an dem dortigen See eingelegt. Eine sehr schöne Ecke dort...


Die Feuerwehr hält hier grad eine Übung ab.








Gegen 20:00 Uhr ist Timmendorfer Strand errreicht.


In Niendorf wird die Ape abgestellt und erstmal ein Überblick geschafft, wo man denn hier überhaupt gelandet ist.



Der erste Weg, direkt an den Strand...


.... Ergebnis: sehr zufrieden !


Da in Niendorf selbst aber nichts mehr los ist, geht es kleines Stück weiter zum Hafen. Außer die Restaurants, ist hier aber auch schon alles geschlossen.


Hunger auf ein großartiges Gericht besteht aber nicht, eine Kleinigkeit würde schon reichen. Lust sich selbst etwas zuzubereiten besteht noch weniger.

Wie günstig, dass diese Bude noch geöffnet hat. Hier gibt es kalte Getränke und leckere Frischbrötchen.


Das Fischbrötchen ist wirklich lecker.


Ich schlender noch ein wenig durch das Hafengebiet, bis es dann Zeit mal nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu suchen.





Fündig werde ich letztendlich in Niendorf auf dem großen Parkplatz bei Edeka. Für die meisten Parkplätze in dieser Gegend ist eine Gebühr zu entrichten, sie sind nur für bestimmte Gäste oder aber nur zum Kurzparken. Dieser hier ist gratis und uneingeschränkt nutzbar.

Ape einparken, rein ins Bettchen, noch kurz den Meeresblick aus dem Heck genießen und dann wird gepennt.


Gefahrene Kilometer: 173

Gelaufene Schritte: 11.612 / 9.09 km


Dienstag, 29. Mai 2018

Die Wahl des Parkplatzes ist genial. Der Schlaf war bestens. Niemand hat gestört.


Zum Frühstück wird heute das Büffet gereicht. Ausgiebig, reichhaltig, exotisch und das beste, es macht satt !