Oktober 2014 Osten
Reisebericht der Ape - Tour nach Ostdeutschland, Polen und in die Tschechische Republik

Freitag, 17. Oktober 2014

Die nächste Ape-Tour steht an. Das Ziel, in allen Ländern um Deutschland herum mit der Ape gewesen zu sein, soll nun endlich erfüllt werden. Mein Bienchen und ich waren bisher in den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Liechtenstein, Luxemburg, Schweiz, Österreich, Dänemark und Italien. Neun Länder in 1.5 Jahren. Nun sollen noch Polen und die Tschechische Republik dazukommen.

In Deutschland selbst wohne ich im Westen und bin hier mit der Ape schon die gesamte Region abgefahren. Den Süden habe ich durchkämmt, im Norden waren wir auch schon. Es fehlt also noch der Osten, der bei dieser Gelegenheit gleich mitgenommen werden soll.

Die Ape ist gepackt, natürlich habe ich meine Dachbox wieder aufgeschraubt. Obwohl die Schränke im Kasten genug Stauraum bieten, ist es mit der Box wesentlich praktischer. Vieles lässt sich ordentlicher und übersichtlicher verstauen.

In den letzten Wochen bereitete die Batterie zwar ein paar Probleme, weil ich sie regelmäßig nachladen musste. Aber, sie wird diese Tour schon überstehen. Vor dem Winter wird dann wohl der Kauf einer neuen fällig werden.



Das Bett ist auch schon gemacht. Je nachdem wie weit ich Lust habe zu fahren, krieche ich in mein rollendes Hotel und leg mich schlafen.



Tachostand zu Beginn der Tour.



Es geht los. Die Reise beginnt...



Das Bienchen summt fröhlich vor sich hin, als die Kontrollleuchte der Batterie durch schön kräftig rotes Leuchten um Aufmerksamkeit bittet. Motor aus und an bringen nichts, der Fehler bleibt. Die Kabel sitzen alle fest, also ist was kaputt. Es wird wohl der Lichtmaschinenteil des Dyna-Starters sein. Immerhin hat er die ersten 40 Kilometer der Tour überstanden, um sich dann fröhlich zu verabschieden. Umdrehen, ab nach Hause ist die Folge.

Da die Batterie nun nicht mehr geladen wird, wird das Licht immer dunkler, die Bremsleuchten sind nicht mehr erkennbar und die Blinker funktionieren überhaupt nicht mehr. Glücklicherweise ist es schon stockdunkel. So wird die Rückfahrt wenigstens richtig spannend. Überlebenstraining im fließenden Verkehr mit einem der sichersten Fahrzeuge überhaupt. Aufregender als jeder Krimi.

Dass die anderen Verkehrsteilnehmer auch gern eine Ape hätten und mich richtig beneiden, machen sie mir durch anerkennendes Aufleuchten mit Fernlicht, Hupen im Vorbeifahren und wildem Winken sehr deutlich. Da sich das Schwarz der Ape sehr gut von der Dunkelheit abhebt, bin ich wahrscheinlich bestens erkennbar.

Ich weiß nicht wie ich es geschafft habe, aber ich bin auf den letzten Drücker zu Hause angekommen. Nun geht nichts mehr. Jedes Teelicht ist Flutlicht gegen das was aus den Scheinwerfern der Ape rauskommt. Jedes schamrote Glühwürmchen gibt mehr Leuchtkraft her als die Rückleuchten. Bremslichter und Blinker gibt es gar nicht mehr. Sie haben sich schon vollkommen verabschiedet.

Ein Telefonat mit meinem Ape-Schrauber-Gott Ronny bei meinem Händler führt zur Bestätigung, dass sich wohl die Lichtmaschine abgeschossen hat. Bevor ich aber einen neuen Dynastarter kaufe, möchte er sich gern die Mühe machen und ihn durchmessen, als auch nach anderen Fehlern zu suchen, weshalb die Batterie nicht geladen wird. Einen Dynastarter kaufen und einbauen und letztendlich ist es nur ein Kabelbruch würde zu keinem Erfolg führen. Wir beschließen, dass ich die Batterie über Nacht aufladen und morgen im Hellen zu ihm kommen werde.

Samstag, 18.Oktober 2014

Die Fahrt nach Krefeld verläuft problemslos. Ich lasse alle Stromquellen aus und komme gut in der Werkstatt an. Während Ronny meine Ape durchcheckt, lädt er meine Batterie und ich schlürfe einen Kaffee. Seine Vermutung bestätigt sich - die Lichtmaschine ist kaputt. Leider ist das Ersatzteil erst am Montag zu haben. Meine Ape-Tour wird sich also ein wenig ändern. Mir gehen drei Tage flöten.

Die ganze Aktion ist auf der einen Seite verdammt ärgerlich. Zum einen kostet sie unnötig Geld, mir gehen drei wertvolle Tage verloren und das Allerschlimmste - mein Stolz ist gebrochen. 34.000 Kilometer waren keine richtigen Reparaturen erforderlich - und nun das ! Wenn mal was war, dann waren es nicht erwähnenswerte Kleinigkeiten. Nun aber ist mal ein Teil richtig hinüber. Über meine makellose Ape sind dunkle Wolken aufgezogen. Gehegt, gepflegt und geliebt ohne Ende und mein Bienchen lässt mich einfach im Stich...

Andererseits ist es mir natürlich lieber, dass der Fehler praktisch noch zu Hause aufgetaucht ist und nicht irgendwo im ehemaligen DDR-Dschungel, in Polen oder in der Tschechischen Republik. Da hätte ich dann erst recht ein langes Gesicht gezogen.

Der Rest des Samstags ist dann festes Programm - nichts tun. Blöd aus der Wäsche gucken, hoffen dass am Montag alles wieder im Lot ist und die Reise nun endlich losgehen kann.

Sonntag, 19. Oktober 2014

Wenn man schon eine Pleite erlebt, dann sollte man wenigstens versuchen das Beste daraus zu machen. Ich habe die geniale Idee die Reise am Sonntag schon zu beginnen, mit der kaputten Ape. Mein Händler sitzt in Krefeld, nur ein paar Meter entfernt von der dortigen Burg Linn. Die Burg kenne ich bisher nur von außen. Ein sehr schönes Objekt. Es wird Zeit sie und das Drumherum zu besichtigen. Das Fahren mit der Ape ist tagsüber eh viel sicherer, da ich dann das Licht ausgeschaltet lassen kann. Ich brauche kein Risiko einzugehen, wenn ich Montag in der Frühe im Dunkeln losfahre, um bei Geschäftsöffnung in der Werkstatt zu stehen.

Das Wetter ist eh bestens und von daher steht nichts im Weg das Vorhaben durchzuziehen. Um dem Beginn der Tour etwas Besonderes zu geben, benutze ich nicht die Rheinbrücke, um nach Krefeld zu fahren. Ich gönne mir die Überfahrt mit der Fähre.



In Krefeld angekommen, stelle ich meine Ape direkt um die Ecke der Werkstatt auf einem Parkplatz ab und gehe zur Burg Linn. Die Nacht werde ich heute hier verbringen. Sollte die Ape morgen nicht anspringen, dann ist sie schnell zur Werkstatt geschoben.



Es ist schon etwas Faszinierendes praktisch vor der Haustür in der Ape zu übernachten. Campen in der eigenen Garage ist in etwa damit vergleichbar. Diesmal geht es aber nicht anders...

Der Weg zur Burg führt durch die Altstadt mit ihren zahllosen alten, zum Teil unter Denkmalschutz gestellten Häusern. Jedes Haus ist liebevoll hergerichtet und individuell gestaltet.



Der Zugang zur Burg führt durch einen großen Torbogen. Mit einer Kutsche kann man hier kleine Besichtigungsfahrten um die Burg herum ordern.



Das Innere des Hofs. Hier findet alljährlich der sog. Flachsmarkt statt. Ein in mittelalterlicher Art gehaltener Markt bei dem es viel zu sehen und kaufen gibt.



Auf einer kleinen Anhöhe überragt die Burg das Umfeld. Sie ist mittels einer hölzernen Brücke erreichbar, die über den bewässerten Burggraben führt.



Der Zugang zur Burg selbst. Bis jetzt hielt das Tor mit seinen Spitzen wohl.



Der Innenhof. Die Burg selbst ist nicht riesig, aber sehr schön angelegt und gepflegt.



Für einen Eintrittspreis von gerade mal 5 Euro kann man sämtliche, zeitgemäß möbilierten Räume, als auch den Rundgang...



... und den Turm selbst besichtigen.



Zwei Fotos der Einrichtung:





Für nur einen Euro mehr Eintrittsgeld kann man auch das angrenzende Jagdschloss besichtigen. Der Aufpreis ist auf jeden Fall gut angelegt.



Fotos der vollständig eingerichteten Räume, die alle begehbar sind.













Montag, 20.Oktober 2014

Um kurz vor 08:00 Uhr stehe ich mit meiner Ape in der Werkstatt. Ronny trifft fast zeitgleich mit mir ein. Es gibt nur paar kurze Begrüßungsworte und schon geht es los. Der Typ ist unglaublich. Ohne sich einen Kaffee zu gönnen, um erst mal richtig wach zu werden, fängt er direkt an zu schrauben. Alles anderen Aufgaben die er hat, stehen hinten an. Zuerst widmet er sich meiner Ape. Das geht mit so einer Schnelligkeit und Perfektion, dass ich gerade mal meinen Kaffee aufhabe, als er schon den Dynastarter in der Hand hält. Weil der ganze Krempel nun schon mal ausgebaut ist, wird bei der Montage auch direkt ein neuer Keilriemen eingesetzt. Er ist schließlich immer noch der erste und es würde keinen Sinn machen den jetzt nicht zu erneuern.



Ronny in Action...



Nachdem Ronny alles wieder zusammengebaut hat, läuft die Ape wieder wie am ersten Tag. Danke, Ronny !

Die Tour geht nun endlich los. In Stromberg führt mich mein Navi über einen Feldweg, warum auch immer. Die Option "Autobahn" habe ich ja bewusst ausgeschaltet, damit ich nur Landstraßen benutze. Ein Grund ist, dass ich Autobahnen, obwohl ich sie mit der Ape benutzen dürfte meide, weil es einfach zu gefährlich ist und der andere Grund ist, dass man beim Fahren auf Landstraßen oft in Ecken kommt, die man sonst nie zu Gesicht bekommen würde.

Ich habe genau deshalb bei meinem Fahrten schon die wunderschönsten Winkel gefunden. Das eine oder andere Mal habe ich dort sogar schon ungeplant übernachtet oder aber die schönsten Dinge besichtigt.

In Stromberg benutze ich nun so einige gut befahrbare Feldwege, komme an vielen Bauernhöfen vorbei...



... oder aber werde durch schöne Wälder geführt.



St. Vit im Kreis Gütersloh trifft da voll meinen Geschmack. Enge Gassen, alte Häuser. Solche Ecken liebe ich besonders.



In Barntrup ist Ende mit der Fahrt für heute. 218 Kilometer müssen reichen. Auf einem Parkplatz finde eine gute Möglichkeit zum Übernachten. Mit meinem selbst konstruierten Pizzaofen bereite ich mir eine Pizza.

Er besteht lediglich aus meinem Gaskocher und dem Windschutz. Auf ihn kommt ein Grillrost. Auf diesen wiederum lege ich einen sog. Pizzastein. Er darf nicht zu nah an die Flamme kommen, da diese extrem heiß ist und der Pizzastein Schaden nehmen würde. Der Stein wird etwa 15 Minuten erhitzt. Dann kann man auf ihn die Pizza legen. Als Abdeckung, damit die Pizza auch von oben Wärme abbekommt, habe ich den Deckel eines Kugelgrills genommen. Diese wilde Konstruktion ist sehr effektiv und die Pizza schmeckt wirklich hervorragend. Ich werde mein Öfchen aber noch ein bisschen verbessern und zwar in der Form, dass ich noch einen zweiten Windschutz um den vorderen Bereich stelle. So hält der Pizzastein seine Wärme noch länger und wird von unten nicht so schnell ausgekühlt. Dann könnte ich auch mal eine etwas dickere Pizza auflegen und brauche zwischendurch nicht den Gasofen anmachen.



Ich trinke noch ein Bierchen und lege mich in meine Koje. In diesem Dorf ist eine derartige Ruhe, dass ich sofort einschlafe.

Dienstag, 21. Oktober 2014

Um 07:30 stehe ich auf. Nach dem Frühstück und einer Dusche gehe ich kurz ins Dorf um zu sehen, wo ich eigentlich genächtigt habe.

Meine Übernachtungsstelle



In Barntrup beginnt es leicht zu nieseln. Da ich aber unter einem Baum stehe, der trotz der Jahreszeit noch viele Blätter trägt, sitze ich im Trockenen.

Um 11:00 Uhr bin ich startklar und fahre weiter. Ich fahre ab und zu durch kleine Dörfer, das aber eher selten. Überwiegend führt mich mein Navi über wunderschöne Landstraßen. Oftmals bin ich hier ganz allein unterwegs. Selten begegnet mir ein Auto.







Die Nebenstrecken gefallen mir besonders gut. Schmale Straßen, kein Verkehr.



Um 14:30 Uhr erreiche ich Sachsen-Anhalt.



In Ditfurt angekommen kann ich nicht sagen, dass man hier erkennt in Ostdeutschland zu sein; und zwar in einem Teil der ehemaligen DDR. Die Häuser sind zwar älteren Baujahrs, das findet man aber überall. Auffallend ist die besondere Pflege. Alles ist sehr sauber und wirkt frisch. Die Gärten sind zum Teil sehr liebevoll angelegt und man kann jetzt im Herbst noch gut erkennen welch Blütenprachten da stellenweise gewesen sein müssen.





Nur ein kleines Stück weiter, in dem Ortsteil Adersleben, stoße ich auf ein riesiges Gebäude, welches zum Teil schon eingefallen ist. Und das sind genau die Dinge, die mich immer besonders interessieren und wo ich gern verweile und herumstöber. Alte Gemäuer die Geschichte erzählen. Da könnte ich stundenlang verweilen.



Der Zugang durch den Torbogen ist zwar mittels Absperrung gesichert, aber irgendwer hat da mal das Schloss geknackt. Es steht also nichts im Weg die ganze Sache mal aus näherer Sicht zu betrachten.



Wie es scheint, hat es sich hier mal um ein sehr großes Gut gehandelt. Viele Stallungen sind erkennbar, die aber alle verschlossen sind. Ich schaue mir das zwar alles sehr genau und gern an, aber einbrechen werde ich auf keinen Fall irgendwo. Soweit ich die Möglichkeit habe, werde ich alles auf legalem Weg besichtigen.

Scheinbar war dies mal das Herrenhaus. Leider kommt man da nirgendwo rein. Schade...



Ein altes Schild, vermutlich noch aus der DDR-Zeit.



Allmählich finde ich heraus, dass hier sogar noch Leute wohnen und dass die St. Nikolaus Kirche in Betrieb ist. Ich mache hier nichts Verbotenes und hätte auch gar nicht durch diesen Torbogen gehen müssen. Um das alte Gehöft herum führt nämlich eine Straße genau zu diesen Häusern und der Kirche.

Rechts neben der Kirche im Bild ein Turm. Er wurde damals als Taubenturm bezeichnet.



Intaktes und bewohntes Haus mit verfallenem Gemäuer Wand an Wand.







An dieser Stelle sind mehrere Häuser bewohnt. Ob es die ehemaligen Angestellten dieses Gehöfts waren die immer noch hier wohnen oder aber um Neuzugezogene, kann ich nicht herausfinden. Es ist keine Menschenseele zu sehen, die ich mal befragen könnte. Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich hinter den Gardinen genau beobachtet werde. Ab und zu ist dort nämlich ein Schatten erkennbar.





So sieht es in den verfallenen, nicht abgesperrten Gebäuden dort überall aus.



Ich verlasse diesen schönen und interessanten Ort und setze meine Fahrt in Richtung Magdeburg fort. In Egeln allerdings muss ich nochmals einen kurzen Boxenstop einlegen. Es handelt sich hier um ein sehr schönes Dorf mit völlig intakten Häusern. Nebenan aber stehen wieder Ruinen. Seien es nun ehemalige Wohnhäuser oder Firmengebäude. Diese Kombination, zum Teil sehr schön hergerichtete Wohnhäuser und daneben verlassene und zum Teil völlig verfallene Ruinen, werden mich auf meiner kleinen Reise, ich sage nun mal bewusst aber nicht abwertend meinend, "durch die DDR", begleiten.

Der eine Nachbar scheint nach der Öffnung der Grenze sein altes Haus einfach verlassen zu haben, ...



... der andere wohnt hier immer noch.



Kurz nach 17:00 Uhr ist Magdeburg erreicht.



Diese Art der Gebäude erinnern mich stark an meine Frankreich-Tour. Die ganze Stadt ist sehr gepflegt und die Farben der Häuser wirken frisch.



Mit der Ape vor dem Magdeburger Dom.



Das Hundertwasser-Haus. Ein echtes Glanzstück in dieser Stadt. Viel zu modern im Vergleich zu den umstehenden Gebäuden, durch seine Architektur aber überhaupt nicht störend und höchst interessant.



Ich bin einige Male um dieses Haus gegangen und habe immer wieder Neues entdeckt. Ins Leere endende Treppen oder Leitern, wunderschön angelegte Balkone in allen Formen, Fenster unterschiedlicher Formen, Verspieltes, fremd Wirkendes. Und doch ist die Gesamtheit irgendwo passend. Dieses Haus ist eine echte Meisterleistung.





So langsam beginnt es zu dämmern. Der Dom ist eh schon zu, den schau ich mir morgen an. Ich schlender noch ein wenig durch das Einkaufszentrum.





Als es dunkel ist, fahre ich durch die Stadt. Es wird Zeit eine Stelle zur Übernachtung zu suchen. Leider finde ich nichts Passendes. Keine einzige Möglichkeit wo ich ungestört schlafen, morgen duschen und frühstücken könnte.

Ich komme an das große Areal der Landesbereitschaftspolizei vorbei und denke: "Mal fragen !" Wenn ich da nicht sicher und in Ruhe schlafen kann, wo dann ? Meine Frage wird sofort bejaht. Coole Sache ! Ein Polizeibeamter zeigt mir einen Parkplatz wo ich ungestört parken kann und beim Dienstwechsel keine fahrenden Privatfahrzeuge meinen Schlaf stören könnten. Des Weiteren zeigt er mir die Duschen und sanitären Anlagen, die ich selbstverständlich nutzen darf. Er gibt mir sogar zu verstehen, dass ich hätte vorher anrufen sollen, dann hätte ich ein Gästezimmer bekommen. So aber sind die Betten nicht bezogen. Das macht alles nichts ! Ich habe eine gute Stelle gefunden, kann sogar eines der Badezimmer nutzen und bin rundum zufrieden.

Da ich neben einem überdachten Fahrradständer schlafe, nutze ich diesen nach der Dusche, um dort mein Abendessen zu bereiten. Ansprüche stelle ich hierbei überhaupt keine. Trockene Stelle, Dach und sogar elektrisches Licht sind schon mehr als ich sonst habe. Ich brauche auf meinen Reisen keinen Luxus. Ich verzichte gern auf alles und habe dabei immer noch viel mehr als manch arme Menschen, die ich während meiner Touren getroffen habe.



Gefahren bin ich heute 257 Kilometer.


Mittwoch, 22. Oktober 2014

Geschlafen habe ich wunderbar. Es ist 07:00 Uhr, Zeit zum Aufstehen. Heute brauche ich kein Wasser erwärmen, keinen blickdichten Vorhang spannen, keine 12-Volt-Dusche aufbauen, heute habe ich ein richtiges Badezimmer. Ich fühle mich wie Gott in Frankreich. Das Frühstück wird heute auch nicht an der Ape eingenommen - ich nutze die Kantine. Frisch belegte Brötchen und lecker aufgebrühter Kaffee. Ich will gar nicht zu viel davon, sonst gewöhne ich mich noch daran. Obwohl es recht angenehm ist so zu frühstücken, ich muss weiter.

Noch kurz ein Foto der Übernachtungsstelle, wie man sie von der Straße aus erreicht. Der Rest bleibt im Verborgenen ... ;-)



Es geht zurück in die Stadt. Heute schau ich mir den Dom und die Stadt bei Tageslicht an.



Das Innere des Doms ist ganz interessant, jedoch typisch für einen Dom.





Besser gefällt mir der Kreuzgang. Altes Gemäuer mit schöner Bepflanzung.





Dieses Schild, die Lachnummer schlechthin ! :))
Wieso Originalsteine vom Magdeburger Dom ? Ich bin doch grad drin. Der wurde nicht abgerissen ! Ach so, das Schild erklärt es näher. Diese Steine stammen angeblich aus dem Steinbruch, aus dem man beim Bau des Doms vor 500 bis 600 Jahren die Steine anschleppte und zu Quadern verarbeitete. Also doch keine Originalsteine vom Magdeburger Dom. Für die Erhaltung des Doms nimmt man sogar gern mehr als 5 Euro als Spende für so einen Stein entgegen. Wenn das mal nicht gütig und barmherzig ist ! Wo verballern die eigentlich die Kirchensteuer ? Was machen die mit den ganzen Milliarden ? Ich jedenfalls lass mich nicht besch***** und gebe auf keinen Fall für einen irgendwo gefundenen, vielleicht sogar geklauten Stein, auch nur einen Cent aus. So was finde ich in jedem Straßengraben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es wirklich Leute gibt, die auf diesen Betrug reinfallen. Schämt euch, ihr Scheinheiligen ! Beschiss erster Güte, Amen !



Nachdem ich mich über diese dreiste Abzockerei abgeregt habe, bin ich wieder in die Stadt gegangen. Ich habe diesem mit dicker Hornbrille und in seltsamen Klamotten, fast hätte ich geschrieben Lumpen gekleideten Fräulein Rottenmeier, die die "Spenden" entgegen nahm auch nicht meine Meinung gesagt, was ich am liebsten getan hätte. Die wird so besessen sein in ihrem Wahn, die ist eh ab von allem Weltlichen. Wenn ich an ihren hinterhältigen Blick zurückdenke wird mir heute noch Angst und Bange. Hätte also keinen Sinn gehabt.

Nach Besichtigung der schönen Stadt Magdeburg geht es weiter. Die grobe Richtung soll Berlin sein. Nach knapp 20 Kilometer Fahrt allerdings stoße ich in Landhaus Zeddenick auf dieses interessante Haus.



Hier lebten mal acht Familien.



Rückwärtig gelegen sind noch kleine Stallungen / Schuppen zu erkennen.



Wie es scheint, wurden hier Tiere gehalten.



Mittlerweile ist aber alles ziemlich verfallen.



Durch den Keller gelange ich in das Innere des Hauses. Im Flur blättert die alte Ölfarbe ab.



Alle Wohnungen sind unverschlossen. Ich gehe durch alle durch...



Dieser schöne, antike Herd wurde einfach stehen gelassen.



In diesem ehemaligen Badezimmer sind schon einige Teile ausgebaut worden. Selbst wenn man sich die Farbe frisch und das Inventar vollständig vorstellt - schön war es bestimmt nicht.



In diesem alten Badeofen zum Erwärmen des Wassers, dessen Aufsatz fehlt, befindet sich noch abgelöschte Kohle. Sie wird also vermutlich während des Brennvorgangs mit Wasser gelöscht worden sein.



Im Wohnzimmer blieb der Kachelofen stehen und durch die feuchten Wände lösen sich langsam die Tapeten.



Was ich in den Wohnungen vermutet habe, scheint sich auf dem Dachboden zu bestätigen. Die Wohnungen scheinen alle fluchtartig verlassen worden zu sein. Das Haus macht den Eindruck dass, als die Mauer geöffnet wurde, alles Nötige schnell zusammengepackt wurde und dann ging es mit dem Auto schnell ab in Richtung Freiheit. Man hatte wahrscheinlich Angst, dass es nicht von langer Dauer sein wird. Diese Möglichkeit des legalen Wegfahrens in die Freiheit wollte man wohl schnellstmöglichst nutzen. Diesmal bestand keine Gefahr durch Todesstreifen, Stacheldraht, Selbstschussanlagen, sozialistische Mörder die auf Menschen schießen die dieses totalitäre System einfach nicht mehr ertragen können und lieber den Tod bei der Flucht in Kauf nehmen, als so erniedrigend weiter leben zu müssen.

Beim Betrachten der Wohnungen und der darin befindlichen Gegenstände bin ich zeitweise sehr abwesend und nachdenklich. Ich, der diese scheiß Mauer sowieso nie verstand, nichts anderes kennt als in Freiheit zu leben und tun und lassen zu dürfen was ich will, stehe nun in einer Wohnung in der irgend jemand lebte, der dieses erniedrigende und menschenverachtende System über viele Jahre ertragen musste, der den Mund nicht aufmachen und der dem Anderen nicht trauen durfte. In welcher Angst muss er mit seiner Familie wohl gelebt haben, dass er sofort alles zurücklässt als die Mauer und das System endlich zusammenbrechen und aus seiner, eigentlich seiner Heimat, sofort flüchtet, um in Freiheit ein neues Leben aufzubauen ? Ich empfinde gerade dieses Haus als sehr interessant und reizvoll - aber auch als sehr traurig und bedrückend.

Ich finde Spielzeug, Kleidung und alles Mögliche vor. Dinge, die man nicht einfach so zurück lässt bei einem normalen Umzug. Man packt sie in Kartons und Taschen und zieht dann um. Hier muss alles anders gewesen sein. Selbst die gewaschene Wäsche ließ man auf dem Dachboden hängen. Durch die Feuchtigkeit und den Staub ist sie bretthart. Beim Anfassen lösen sich kleine Fasern. Welche Frau sie wohl hier damals aufhängte ?

Hier waren wohl sehr viel Eile, Emotionen, Angst, Freiheitsdrang und alle möglichen Gefühle vorhanden. Und nun stehe ich hier nach so vielen Jahren, praktisch in der Vergangenheit. Ein wirklich komisches Gefühl.



Ich könnte noch lang hier herumschnüffeln. Ich muss aber weiterfahren. Kurz vor Schopsdorf treffe ich auf dieses Geschöpf, welches mein Gefährt, oder vielleicht auch mich, mürrisch betrachtet. Dieser komische Blick kommt mir bekannt vor. Da fehlt nur noch die Hornbrille...



Einige Meter weiter dann wieder etwas Verlassenes. Anhalten, anschauen...



Hier scheinen ganze Familien alles aufgegeben zu haben. Trophäenjäger waren schon vor mir da. Ganze Treppen und deren Geländer, hohe Türen mitsamt Rahmen, alles wurde schon herausgerissen. Wahrscheinlich stehen diese Dinge nun irgendwo in einem Antikladen und werden für teures Geld verkauft.







Obwohl alles schon sehr verfallen ist spricht vieles dafür, dass hier nicht unbedingt Arme gewohnt haben.





In Wilhelmsdorf bleibe ich an der Herenmühle stehen, um mir diese interessante Gegend hier näher zu betrachten.



Diesen Stubentiger, der mit seinen zwei Geschwistern dort herumläuft, würde ich am liebsten mitnehmen. Er ist der Zutraulichste und lässt sich ohne Probleme schon anfassen.



In Brandenburg an der Havel steht einige Meter nach dem Ortseingangsschild...



... dieses Gefährt. Auch wenn ich nicht unbedingt etwas essen müsste, aber diesem Geruch kann ich einfach nicht widerstehen.



Die ganze Angelegenheit sieht nicht nur gut aus, sie schmeckt auch vorzüglich.



Anschließend geht es in die Innenstadt. Das Wetter spielt momentan nicht immer mit. Zwischendurch fallen immer wieder ein paar Regentropfen. Die Stadt selbst ist zwar schön hergerichtet und die Häuser machen einen guten Eindruck, spektakulär ist sie aber dennoch nicht.







Lustig die Ampelmännchen, die ja bekannterweise im Osten anders als im Westen sind.

 

Ich streife ein bisschen durch die Innenstadt. Meine Ape wirkt schon sehr futuristisch gegen das altbackene Design der anderen Fahrzeuge...






Die nächste Station soll Potsdam sein. Auf den Weg dorthin, noch in Brandenburg an der Havel, treffe ich auf ganze Blöcke, deren Wohnungen alle leer stehen.



In Potsdam das gleiche Bild. Hier handelt es sich vermutlich um ein altes Firmengebäude.



Leider spielt das Wetter zeitweise auch hier nicht mit. Zwischendurch regnet es immer wieder mal leicht.



Das Filmmuseum, ein imposantes Gebäude.



Die St. Nikolaikirche. Schon von außen ein sehr schönes Gebäude.



Gegenüber der Kirche- eine Baustelle. Überall in Potsdam wird kräftig gebaut und verschönert.



Die Uni hat von all dem leider noch nichts abbekommen. Sie sieht ganz schön runtergekommen aus.





Das Innere der St. Nikolaikirche. Eine sehr imposante Erscheinung. Anders und einfach nur schön anzusehen.





Ich schaue mir im Dunkeln noch die Stadt an und suche dann eine geeignete Übernachtungsstelle. In einer Nebenstraße werde ich schnell fündig. Hier ist es ziemlich ruhig, bis einer der Bewohner seine eigene Party feiert. Und das nur ein paar Meter von meiner Ape entfernt. Simon & Garfunkel auf voller Lautstärke. Da nützen die geschlossenen Fenster dann auch nichts mehr. Mir macht das aber nichts. So habe ich beim Gläschen Wein noch ein wenig musikalische Unterhaltung.

Irgendwann hört die Musik auf und ich leg mich hin. Gefahren bin ich heute 174 Kilometer.

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Die Nacht war gut, der gewählte Platz genau der richtige. Ich habe wunderbar geschlafen. Als es schon leicht dämmert, werde ich wach. Das kann ich im meinem Kasten zwar nicht sehen, weil es da ziemlich dunkel ist. Aber die innere Uhr sagt mir, dass es Zeit zum Aufstehen wird.



Eine Stelle zum Duschen habe ich gestern schon gesehen. Das Parkhaus bei Kaufland, Durchfahrhöhe 2,60 m. Da komm ich mit meiner Dachbox gut rein. In einer Ecke stelle ich meine Ape hin und der Tag kann beginnen. Was ich da manchmal so mache, ich muss da schon selbst drüber grinsen. Ist ab und zu schon echt grenzwertig. :) Das ganze Gelumpe lüften, Dusche aufbauen, hier und dort stehen Gaskocher, Stuhl, Töpfe - das macht schon richtig was her !

Ich bin da aber ziemlich schmerzfrei. Wenn es jemand nicht passt, dann soll er es mir sagen.





Nach dem Duschen und Frühstück besser ich noch meine Vorräte bei Kaufland auf. Anschließend geht es in den Schlosspark Sanssouci. Was ich davon bei der Planung der Tour im Netz gefunden habe, wirkte schon sehr interessant. Heute schau ich mir das live an.

Am Eingangsbereich eine Übersicht des gesamten Parks. Es gibt also viel zu laufen.



Neues Palais



Kolonnade am Neuen Palais



Die Römischen Bäder



Der Park ist wunderschön angelegt. Viel Baum- und Strauchbestand, der in dieser Jahreszeit unendlich viele Farben hat. Da es nicht regnet und zwischenzeitlich die Sonne scheint, ergibt es ein farbenprächtiges Naturschauspiel. Viele Wege und Brücken führen über so manch kleinen oder auch größeren See.





Schloss Charlottenhof





Das Chinesische Haus



Zwei noch nicht renovierte Gebäude an der Straße "Am Grünen Gitter".





"Das Grüne Gitter". Eigentlich nichts Außergewöhnliches. Manchmal aber müssen Dinge einfach einen Namen haben.



Das Schloss Marly. Hier fehlen noch paar Eimer Farbe.



Die Friedenskirche



Bildergalerie



Das Orangerieschloss



Die Historische Mühle




Und nicht zu vergessen die Leute, die mit ihrer Arbeit eigentlich erst dafür sorgen, dass man als Besucher alles sauber, schön und bunt blühend vorfindet. Hier sind sie grad dabei ein riesiges Blumenbeet mit entsprechenden Blumenzwiebeln zu bestücken, damit im Frühjahr alles schön blüht.

Die Gärtner sorgen mit ihrer ungeheuren Arbeitsenergie und ihrem Können eigentlich erst richtig dafür, dass der Park richtig zur Geltung kommt.



Ich brauche mehrere Stunden und laufe einige Kilometer, bis ich alles gesehen habe. Der Besuch dieses Parks hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Das nächste Ziel, unsere Hauptstadt Berlin, ist nicht weit entfernt. Ich habe lediglich um die 20 Kilometer zu fahren.



Auf Grund des dichten Verkehrs aber erreiche ich Berlin erst, als es schon zu dämmern beginnt.



Mein Ziel ist es, sofort zum Brandenburger Tor zu fahren. Für mich persönlich ist es einer der ergreifendsten Momente aller Touren und eines der schönsten Fotos überhaupt, die ich auf all meinen Touren mit meiner Ape erreicht habe.

Annähernd ergreifend war es, als meine Ape vor dem Eiffelturm in Paris stand. Was mir noch fehlt, ist der Tower in London. Das kommt aber nächstes Jahr. Für mich sind diese drei Wahrzeichen die schönsten aller Hauptstädte in Europa. Bei allen anderen Hauptstädten muss man schon überlegen, welches deren Wahrzeichen sind. Bei Berlin, Paris und London weiß es sofort jedes Kind. Und das nicht ohne Grund...



Ich stelle meine Ape vor dem Starbuck´s ab, setze mich dorthin und genieße bei einem guten Kaffee einfach nur den Blick auf unser Brandenburger Tor mit seiner wunderschönen Quadriga.

Beim Umhergehen auf dem Pariser Platz sehe ich Licht in Harald Glööckler´s Wohnung. Eine schrille Figur, die manche als verrückt bezeichnen möchten. Ich finde ihn einfach nur genial und sympathisch. Er ist auf seine Weise verrückt, ich mit meiner Ape auf meine. Wir haben also etwas gemeinsam. :) Leider bekomme ich ihn nicht zu Gesicht.



Es ist schon bald Mitternacht und es wird Zeit eine Stelle zum Übernachten zu suchen. Ein paar Kilometer entfernt, in einer Seitenstraße genau gegenüber eines Hotels, werde ich fündig. An der Bar trinke ich noch ein Bier, natürlich ein Berliner Weisse, dann verkrieche ich mich in meinen Kasten. Der Tag war sehr anstrengend und ich schlafe sofort ein.



Gefahren bin ich heute lediglich 70 Kilometer.


Freitag, 24. Oktober 2014

Es ist 07:15 Uhr, Zeit zum Aufstehen. Geschlafen habe ich einigermaßen. Die ruhige Nebenstraße erweist sich als Hauptverkehrsstrecke beim Frühverkehr. Die halbe Nacht geht es hier mächtig zur Sache. In dem Hotel übernachten Schulklassen. Unterhaltungen bis in die späte Nacht.

Als ich die Heckklappe aufmache, kommt mir eiskalte Luft entgegen. Das Thermometer zeigt 3 Grad. Ich freu mich schon auf die Dusche. Draußen duschen bei dieser Temperatur habe ich schon so einige Male gemacht. Es ist sehr erfrischend. Man ist direkt wach. Back to the Roots ist nicht übel und macht auch Spaß, aber auf ein Überlebenstraining in der Bundeshauptstadt habe ich nicht wirklich Lust.

Nun muss ich da durch und wenn es vorbei ist, dann ist es auch schnell vergessen. Also raus aus der Ape, vorn reinschwingen, Schlüssel ins Zündschloss und drehen - nichts passiert. Ich krieg die Krise. Die rote Kontrollleuchte wird beim Schlüsseldrehen direkt dunkel. Die Batterie ist leer. Mit Nachladen wie zu Hause ist hier nichts. Hätte ich mir doch mal eine neue vor der Tour gekauft !

Anschieben ist angesagt. Es laufen ja genug Leute vor dem Hotel herum. Zu zweit ist die Sache auch schnell erledigt und die Ape springt sofort an. Jetzt gilt es eine Stelle zum Duschen zu suchen und werde ein paar Hundert Meter weiter auch schnell fündig. Auf dem Netto-Parkplatz ganz in der Ecke, da habe ich meine Ruhe. Springt die Ape nach dem Duschen und Frühstück nicht an, die Stelle ist ganz leicht abschüssig. Das Anschieben werde ich dann schon allein hinbekommen. Ich lasse den Motor noch eine Weile laufen, damit die Lichtmaschine wenigstens etwas die Batterie lädt. Sie springt auch an.

Allerdings habe ich keine Lust für den Rest der Tour ständig darum bangen zu müssen, ob die Batterie nun funktioniert, oder nicht. Ich werde eine neue kaufen.



In einem Baumarkt, der nur ein Stück weiter liegt, kaufe ich eine neue Batterie und bau sie direkt auf dem Parkplatz dort ein. Die Ape springt sofort an. Eins vorweg, es gibt keine Probleme mehr. Dass sie schon vor der Tour Schwächen aufwies, wusste ich ja. Ich musste sie alle paar Tage nachladen. Die Kälte nun hier im Osten hat ihr vermutlich den Rest gegeben. Ich habe mir nun aber eine etwas stärkere gegönnt. Die serienmäßigen 32 Ah habe ich gegen 45 Ah ersetzt.



Da nun wieder alles bestens funktioniert und ich das Duschen auch überlebt habe, habe ich mir für heute nur Berlin vorgenommen. Den ganzen Tag über werde ich hier herumfahren oder - laufen und mir alles Sehenswerte anschauen. Ein paar Eindrücke...





















Ich mache mich auf den Weg nach Berlin-Kreuzberg. Man hört ja so einige Dinge davon. Dass hier arbeitsscheue, linksradikale Vollpfosten den ganzen Stadtteil versauen, das ist ja bekannt. Aber, dass es so schlimm aussieht, das habe ich nun doch nicht erwartet. Ganze Häuserzüge haben diese radikalen Chaoten besetzt, völlig sinnfrei beschmiert und zugemüllt.



Das sieht hier noch viel schlimmer aus als ich erwartet habe. Hirnkranke Vollhonks die gegen alles sind was mit Staat, Recht und Ordnung zu tun hat, sich aber schön vom Staat durchfüttern lassen. Dazu ist der Staat dann wieder gut.



Wer sich freiwillig so einem Leben widmet, der kann wirklich nur einen IQ wie zwei Meter Feldweg haben. So ein paar Gestalten haben sich von denen ja blicken lassen. Ich habe mich gewundert, dass die schon aufrecht gehen können. Große Klappe, nur demolieren und nichts im Kopf.





Den Müll schmeißen die einfach auf die Straße. Können andere wegräumen...



In Kreuzberg stehen zum Teil sehr schöne Häuser. Es macht aber keinen Sinn für deren Besitzer ihr Eigentum zu streichen, renovieren und pfleglich zu behandeln. Die Halbwilden von nebenan beschmieren einfach alles. Hier sieht man nur ganz wenige Häuser die nicht irgendwie besprüht, bemalt oder sonst wie versaut wurden. Eigentlich schade. Da kriegt man echt die Wut, wenn man diese blinde Zerstörungswut sieht.









In der Bergmannstraße befindet sich eine Markthalle. Die möchte ich mir anschauen. Hier soll es sehr interessant sein.



Einer der Eingänge



Hier gibt es neben Lebensmittel, Spielzeug, Andenken auch jede Menge Stände die Gerichte anbieten.





An diesem Stand ist es dann vorbei. Hier muss ich mir etwas zu essen holen.



Und weil die dicke Putenkeule nicht ausreicht, ...



... schiebe ich direkt noch eine Pizza hinterher. Das Essen hier ist nicht nur extrem günstig, es schmeckt auch sehr gut.



Im weiteren Verlauf der Straße treffe ich auf diese Ape.



Sehr schöne Cafés und Geschäfte zeigen sich hier.





Solche Läden und Sachen gefallen mir sehr gut.





Ein Rest der Mauer. Unvorstellbar, dass die mal durch die ganze Stadt ging und sie dadurch teilte. .







In die Frauenkirche gehe ich rein.









Durch die Verglasung scheint hier alles in einem sehr schönen Blau.







Der Zoo, bekannt durch Knut.



Hier hatte mal jemand eine richtig gute Idee. Es ist zwar nicht zulässig, aber lustig.









Hier einzukaufen gehört für mich in jeder Stadt dazu, wenn eines vorhanden ist.



Hier setze ich mich am Kürfürstendamm hin und schlabber ein Berliner Kindl. Durch die aufgestellten Heizpilze ist es draußen unter der Markise schön warm.





Mal schauen, was die so zu bieten haben...



Das ist noch so das Interessanteste in dem Laden. Ein großes Regal verschiedenster Biersorten.



Auf dem Rückweg zu meiner Ape verdrückte ich noch schnell eine original Berliner Currywurst.





Für das Abendessen ist gesorgt. Es kann nichts schief gehen.



Ich fahre wieder zu meiner Übernachtungsstelle der letzten Nacht. Noch paar Dosen Bier einverleiben, dann wird geschlafen.

In Berlin habe ich heute 76 Kilometer zurückgelegt.

Samstag, 25.Oktober 2014


Um 07:00 Uhr werde ich wach, weil ein Lkw das gegenüber liegende Hotel beliefert und dabei seinen Motor laufen lässt. Also springe ich aus meiner Ape und suche die Duschstelle von gestern auf. Sie hat sich bewährt. Gegen 09:00 Uhr mache ich mich auf den Weg, grobe Richtung Polen.


In Berlin-Marzahn sehe ich diesen schönen Duo an der Straße stehen.



Ich sehe Frankfurt/Oder auf einem Hinweisschild. Da mir der defekte Dyna-Starter sowieso die ganze Tour um drei Tage kaputt gemacht hat, entschließe ich mich dazu, dort hinzufahren. Es war nicht geplant. Wenn ich aber schon mal so nah dabei bin, dann kann ich da auch eben mal hin.




Meine Ape führt mich durch kleine Dörfer, wie Arensdorf...



... und Georgenthal. Hier verweile ich einige Zeit. Das sieht wieder interessant aus.



Ein altes Gebäude des sozialistischen Systems, der LPG.



Überall in den neuen Bundesländern findet man immer noch Hinweise auf die DDR. Wohl kaum, weil die Leute das vermissen. Eher wohl, weil es verlassen wurde und sich nun niemand darum kümmert. 







Es dauert gar nicht lang und ich bin in Frankfurt/Oder.




Zunächst einmal wird man von zig Einfamilienhäusern mit etwa 100 Einliegerwohnungen empfangen. Ich frage mich ernsthaft, wie man in so einem Kasten leben kann. Um jemanden auf der riesigen Klingeltafel zu finden, braucht man schon fast ein Navi. Oder man ruft ihn an und er soll den Türöffner drücken.



Ich fahre zunächst in die Stadt hinein, um mir das Zentrum anzuschauen.



Da ich es nicht finde, obwohl einige Verkehrszeichen daraufhin weisen, lande ich wieder ein wenig außerhalb.



Diese Häuserzeile sticht ins Auge. Schön renoviert und ansprechend gestrichen. Ob man nun die bunt angemalten Figuren in den Wasserbassin ohne Wasser gut findet oder nicht, ist Geschmackssache. Mit dem dahinter liegenden Kirchturm ergibt die Gesamtheit jedenfalls ein schönes Bild.



Mehr ungewollt als bewusst lande ich an der Oder. Immer noch auf der Suche nach dem Zentrum.



Hier war zu DDR-Zeiten ein Kino und es sollte auch wieder eines entstehen. Aus der Unterhaltung mit einer netten Dame aber habe ich erfahren, dass die Stadt kein Geld hat, um dort ein neues Kino entstehen zu lassen. Also lässt man die ganze Sache einfach stehen...



Auf meine Frage nach dem Zentrum erklärt sie mir, dass ich mittendrin bin. Erst denke ich, dass sie scherzt. Es ist aber kein Witz. Das Zentrum in Frankfurt/Oder besteht aus einem kleinen Einkaufszentrum in dem es zwei Etagen gibt. In der oberen waren noch nie Geschäfte drin. Im Erdgeschoss sind einige Läden. Die Hälfte von denen aber steht entweder vor der Pleite und ist plakatiert mit Schildern wie "Räumungsverkauf", "Ausverkauf", irgendwelchen Prozentangaben als Rabatt oder sonstigen Hinweisen und die andere Hälfte wird in der nächsten Zeit Pleite gehen. Frankfurt/Oder, sagt sie, sei eine tote Stadt.

Die Arbeitslosenzahl sei höher als die der Beschäftigten. Die meisten die hier leben haben nur sehr wenig Geld zur Verfügung. Wer es kann, zieht weg. Das Gespräch mit der Dame ist sehr interessant und aufschlussreich. Da sie an der Quelle sitzt, ich sage jetzt bewusst nicht wo (es ist immerhin möglich, dass dieses hier irgend jemand mal lesen könnte, der in dieser Stadt eine wichtige Position hat und sie dadurch vielleicht ihren Job verlieren oder Schwierigkeiten bekommen könnte) glaube ich ihr.

Sie erzählte mir von dem Irrsinn der DDR-Führung aus Frankfurt/Oder eine 100.000 Einwohner Stadt machen zu wollen durch Eingemeindungen vieler kleiner Orte; durch Zwingen von bestimmten Leuten in diesen Bereich hinzuziehen und dort Arbeit anzunehmen, usw. Alles nur, damit die gewünschte Einwohnerzahl erreicht wird.

Als dann die Öffnung der Mauer kam, sind viele Leute sofort weggezogen und haben sich in anderen Teilen von Ostdeutschland oder aber in den  westlichen Bundesländern eine neue Heimat aufgebaut.




Das Rathaus der Stadt


Ironischerweise hängt an der Spitze eines Türmchens ein toter Fisch am Haken. Irgendwie passt das.



Die St. Marienkirche



In der Kirche selbst ist die Armut dieser Stadt ganz deutlich erkennbar. Ich habe noch nie so eine Kirche gesehen. Hier fehlt es einfach an Allem. Die Säulen und oberen Bögen sind nur soweit restauriert wie Geld zur Verfügung steht. Der Putz fällt überall ab. Die Farbe an den Wänden ist uralt und blättert oder ist gar nicht mehr vorhanden.



Es ist erkennbar, dass man sich bemüht aus diesem eigentlich schönen Gebäude etwas zu machen. Es fehlt aber einfach das Geld, um es zu Ende zu bringen.









Das Einkaufszentrum, welches im Grunde genommen gar kein richtiges ist.



Samstag mittags im Einkaufszentrum in Frankfurt/Oder - tote Hose.



Bei diesem Bäcker, der in dieser Gegend sehr viel vertreten ist, gönne ich mir einen Kaffee und etwas zu essen.



Diese Stadt hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich habe bisher noch nie soviel Armut auf einen Haufen gesehen. Eigentlich ist alles vorhanden was man benötigt, um eine interessante Stadt zu gestalten. Es gibt einige schöne Gebäude, Platz ist genug vorhanden, aus den alten Gebäuden könnte man etwas Interessantes machen. Aber nichts passiert. Es gibt hier wohl niemanden der sich für diese Stadt interessiert. Selbst Discounter halten sich fern, weil wohl die Kaufkraft fehlt. Ich habe einige Cafés gesehen, die aber keine Gäste hatten. Es wird nicht lang dauern und dann sind die auch weg. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit bis alle Geschäfte hier pleite sind und diese Stadt irgendwann zu einer Geisterstadt werden wird.
Frankfurt/Oder - eine sehr traurig wirkende Stadt...

Frankfurt/Oder liegt direkt an der Grenze zu Polen. Man braucht nur über die Brücke zu fahren und schon ist man in Slubice. Was ich hier vorfinde ist genau das Gegenteil von dem, was ich auf der deutschen Seite erlebt habe. Hier ist Leben. Hier sind Geschäfte aller Art und hier sind die Deutschen unterwegs. Beim Durchfahren und -laufen der Stadt stelle ich fest, dass die Frankfurter wohl alle hier einkaufen. Überall hört man deutsche Unterhaltungen und ich sehe überwiegend deutsche Kennzeichen. Ein Großteil der Geschäfte sind deutscher Herkunft. Daher also die Leere in Frankfurt. Das Leben findet auf der polnischen Seite statt. Somit ist es verständlich, Frankfurt/Oder hat keine Chance gegen diese polnische und schöne Stadt.



Die Häuser machen einen sehr guten Eindruck. Äußerst gepflegt, alles ist sehr sauber.









Die ganze Innenstadt ist äußerst sauber. Noch nicht ein mal Zigarettenkippen auf dem Boden sind zu finden. In den Deckeln der Abfalleimer sind Aschenbecher integriert. Da wird ordnungsgemäß entsorgt. Sogar die Deutschen halten sich daran. Ob man vielleicht eine Strafe zahlen muss, wen man seinen Zichtenstummel achtlos in die Landschaft wirft, kann ich nicht herausfinden. Bemerkenswert ist diese Sauberkeit aber allemal.





In diesem Laden kaufe ich dann so viel ein, dass ich zurück zur Ape muss, weil ich keine Lust habe mit zig Tüten durch die Gegend zu laufen. Angemerkt sei, ich habe zu wenig gekauft. Das Zeugs ist dermaßen billig und lecker, ich hätte noch mehr kaufen sollen.





Die Blumen sind überwiegend unecht. Das ist gar nicht mein Geschmack. Aber, wenn´s gefällt...







Ich fahre ins Land hinein, Richtung Zielona Góra. Diese Stadt zu besuchen hatte ich eigentlich vor. Sie liegt auch nur 80 Kilometer entfernt. Da ich aber drei Tage meiner Tour durch den Defekt an der Ape verloren habe und mir die "neuen" Bundesländer so gut gefallen, werde ich das nicht tun. Ich möchte mir dafür lieber Ostdeutschland ein wenig näher anschauen. Alle großen Städte werde ich nicht besuchen können. Aber mehr und das auch intensiver, wenn ich Zielona Góra weglasse.

Direkt nach dem Ortsausgang sehe ich riesige Markthallen. Ich schau es mir an.



Hier gibt es alles zu kaufen was man sich vorstellen kann. Von Gemüse, Obst über Spielzeug, Blumenpötte bis hin zur Kleidung, einfach alles.



Auffallend ist die Freundlichkeit der Polen. Jeder hat ein Lächeln auf den Lippen und winkt mir freundlich zu. Es macht Spaß in diesem Land zu sein. Wenn ich dann zurückwinke und aus Spaß auf meine Waltons-Hupe drücke, dann gibt es immer großes Lachen, Winken und Klatschen. Die Polen sind ganz schön locker drauf.



Altes, mehrfach abgelagertes Dörrobst, steht hier auch herum und bietet steuerfreie Dienste an.



Ich fahre ein wenig in das Land hinein...



... und biege irgendwann rechts ab. Einfach so, ohne Ziel.



Ich komme in das Dorf Urad.



Schöne, alte und sehr gepflegte Häuser.



Irgendwas scheint hier zu sein. Die kleine Kirche ist mit Fahnen geschmückt.



Über eine holperige, alte Straße komme ich an die Oder. Da sie auf der anderen Seite fortgeführt wird vermute ich, dass beide mal mit einer Brücke verbunden waren. Diese ist aber nicht mehr da. Die Bauart der Straße lässt die Zeit des 2.Weltkriegs vermuten. Ich möchte gar nicht wissen, was hier mal passiert ist.



Das Schöne hier ist, die Oder ist natürlich. So wie sie die Natur geschaffen hat. Auf der deutschen Seite ist vieles begradigt, befestigt oder wie auch immer. Die Oder wirkt dort in vielen Bereichen unnatürlich. Die Polen scheinen da etwas anders zu denken. Von der Natur für die Natur.

Überhaupt fahre ich an sehr vielen, kleinen Seen und Tümpeln vorbei. Riesige Waldgebiete scheint es hier zu geben. Und zwar nicht künstlich angelegte Tannenwälder, die sowieso einfach nur schrecklich aussehen. Waldgebiete wie sie die Natur gechaffen hat. Wie es scheint, werden diese auch sich selbst überlassen. So fühlen sich die Pflanzen garantiert wohler, als wenn der Mensch dort mit seinem Unverstand eingreift. Die Tiere werden es eh danken.



Zwei Fischer haben sich an einer Landzunge ausgebreitet.





So wie hier sieht es links und rechts neben der Straße überall aus. Natur pur...



Ich frage mich, wie viele Tiere sich hier noch richtig wohl fühlen und natürlich leben können, die bei uns schon lang eingegangen und ausgerottet sind, weil überall eingegriffen wird.



Das Dorf Kunice



Viele der Häuser könnten auch in Deutschland stehen. Wären die Verkehrszeichen optisch nicht anders und hätten die Autos keine polnischen Kennzeichen; oft würde man gar nicht merken in einem anderen Land zu sein.







Ich komme nach Rybocice.



Ein ziemlich ruhiges Dorf, hier ist nicht viel los.





Auch hier wieder bunter Schmuck. Wird wohl irgend ein christlicher Feiertag in Polen sein.





Manche Straßen sind interessant, fest gefahrener Boden. Einfach, aber es funktioniert.



In Swiecko bin ich schneller wieder raus als rein. Hier stehen wirklich nur eine Handvoll Häuser.





Ich habe den ganzen Nachmittag in Polen verbracht. Ich bin über viele Dörfer gekommen und habe das Landleben dort gesehen. Es ist nicht viel anders als in Deutschland. Die Bevölkerung aber ist es. Sie sind lockerer, freundlicher und offener. So habe ich das nicht erwartet und bin positiv überrascht. Das Land und seine Leute haben mir sehr gut gefallen. Alle Gerüchte und blöden Sprüche finden bei mir kein Gehör mehr. Unter den  Deutschen gibt es auch Kriminelle, und das nicht zu knapp. Dass ich nun nicht die Zeit habe nach Zielona Góra zu fahren, ist schade. Ich hätte gern mal das polnische Großstadtleben kennen gelernt. Was nicht ist, kann noch werden. Wenn ich bedenke, welch weit entfernte Städte ich schon besucht habe, dann ist Zielona Góra mit seinen 700 Kilometern Entfernung praktisch vor der Haustür.  



Von Polen aus fahre ich nach Eisenhüttenstadt und komm dort spät abends an.




Das Einkaufszentrum macht in ein paar Minuten zu. Ich hüpf noch schnell rein und kaufe etwas ein.



Nur noch vereinzelte Menschen gehen hier herum- Ladenschluss steht vor der Tür.





Was ich in Eisenhüttenstadt im Dunkeln sehe, gefällt mir überhaupt nicht. Überall nur diese Legebatterien, in denen Menschen auf´s Engste wohnen. Die reinste menschliche Putenfarm. Das brauche ich mir am Tage nicht reinziehen, es lohnt nicht. Ich suche die Altstadt auf. Ich finde zwar keine Altstadt im üblichen Sinne, obwohl die Straßenschilder darauf hinweisen, aber eine schöne ruhige Ecke mit einem mittig gelegenen Marktplatz und sehr schönen Häusern rundum. Ich befinde mich in Fürstenberg, dem historischen Teil von Eisenhüttenstadt.

Am Feuerwehrdepot parke ich meine Ape. Im Inneren ist Party. Das "Feuerwehrdepot" ist nur noch die verbliebene Aufschrift. Tatsächlich aber befindet sich im Inneren ein kleiner Laden und eine Lokalität. Dort wird gefeiert. Wie ich im Nachhinein erfahre, feiert man die Neueröffnung. Gerade als ich dort eintreffe, wird orientalische Musik gespielt und eine Bauchtänzerin gibt ihr Bestes. Sie nimmt ihre Bezeichnung zu ernst. Mensch, hat die eine Wampe. Für was anderes wäre die gar nicht geeignet.



Ich setze mich derweil hinter meine Ape, schmeiß den Gaskocher an und nehme den größten Topf den ich habe. Der wird gefüllt mit Glühwein. Beim Lauschen der Musik und Nachdenken über die schöne Erfahrung mit Polen merke ich gar nicht, wie ich mir langsam aber sicher die ganze Flasche Glühwein in den Schädel schraube. Gut angedröhnt verkrieche ich mich in den Kasten, schmeiße noch mit letzter Kraft die Klappe zu und glaube, dass ich schon schlafe, bevor ich sie von innen verriegel.

Dass ich allerbestens geschlafen habe, steht außer Frage.



Gefahren bin ich heute 194 Kilometer.


Sonntag, 26. Oktober 2014

Um 06:30 Uhr werde ich wach. Durch einen Spalt an der Heckklappe sehe ich, dass es schon hell ist. Die Zeitumstellung sorgt dafür, dass es morgens eine Stunde früher Tag ist. Meine innere Zeitumstellung sagt mir aber, dass es noch zu früh ist. Ich schlafe wieder ein und werde eine Stunde später wach.

Ich stehe auf und suche nach einem Bäcker. Ich finde keinen. Der Weg eines älteren Herrn kreuzt meinen. Ich frage ihn nach einem Bäcker und er fordert mich auf, mit ihm zu gehen. Wir laufen ca. einen Kilometer und unterhalten uns die ganze Zeit. Er fragt, woher ich sei und ob ich ein Fahrradtourist bin, die wohl des Öfteren hier unterwegs sind. Ich erkläre ihm mit was ich unterwegs bin, wo ich schon war in Ostdeutschland und wohin ich noch fahren werde. Er findet das alles total cool, fotografiert später meine Ape und den Link meiner HP, der auf der Heckklappe steht.

Den Hin- und Rückweg zum Bäcker gehen wir gemeinsam. Hierbei unterhalten wir uns und er erzählt mir sehr viel aus der Zeit der DDR. Er erzählt unglaubliche Dinge über das Leben in der früheren Ostzone. Für mich ist das alles total interessant. Was in den Medien damals und auch heute noch über dieses rücksichtslose System und über das Leben der Menschen dort berichtet wird mag zwar zum Teil stimmen, gibt aber niemals die Gefühle und Ängste der Menschen wieder, wie es wirklich war. Es ist etwas anderes, wenn irgendein Reporter darüber erzählt oder schreibt, vielleicht über- oder untertreibt, etwas falsch darstellt, einen vielleicht zensierten Bericht veröffentlicht - oder aber ein Mensch erzählt, der dies alles mitmachen musste. 
Die persönliche Unterhaltung mit einem Betroffenen ist viel intensiver, interessanter und aufschlussreicher, weil dabei Gefühl und Gestik vorhanden sind, die ein allgemein berichtender Reporter niemals rüberbringen kann. Ich weiß weder den Namen dieses netten Herrn, noch seine Adresse oder Telefonnummer. "Sollten Sie das lesen, vielen Dank für das Gespräch. Für mich, der dieses System nie kennen gelernt hat, war es sehr interessant !"



Mit den Brötchen zur Ape zurückgekehrt, lege ich diese zunächst in den Kasten und gehe ein wenig umher, um mir diesen Bereich der Stadt näher anzuschauen.



Nicht nur das alte Feuerwehrdepot macht einen sehr gepflegten Eindruck. Alle Häuser ringsum erstrahlen in frischen und bunten Farben. Der Baustil der Häuser ist sowieso eine Augenweide. Jede Fassade ist anders und jedes Haus hat seine eigene Form. Auch wenn sie alle aneinandergereiht stehen, wirken sie trotzdem aufgelockert und interessant. Oftmals wirken die Häuser wie die einer Modelleisenbahn.





Auch wenn die Straße lang ist und sich ein Haus an das andere reiht, die unterschiedlichen Fassaden, verschiedene Farben und kleinere gemischt mit etwas höheren Häusern lassen diese Straße trotzdem nicht wie einen Schlauch wirken.




Ich gehe durch sämtliche Straßen. Dieses Haus ist das einzig leerstehende das ich hier vorfinde. Es scheint aber nicht verlassen zu sein. Die Gartenmauer sieht gut gepflegt aus und das Gartentor ist verschlossen. Vielleicht hat es jemand gekauft und wird es in der nächsten Zeit umbauen. Einige weitere Eindrücke dieses schönen Stadtteils:











Beim Umherfahren auf der Suche nach einer Stelle zum Duschen fahre ich an der aktuellen Feuerwache vorbei. Ein schön restauriertes Gebäude mit neuen Holztoren.



Ich stoße, gar nicht weit weg von der Stelle an der ich übernachtet habe, auf diese alte, unheimlich riesige Garagenanlage. Zig Wege vieler, aneinander gereihter Garagen finde ich hier. Die meisten von ihnen stehen offen und sind voller Unrat. Wenige Garagen aber scheinen noch in Betrieb zu sein. Vor dem Tor ist kein Unkraut und anhand der frischen Kratzer auf dem Betonboden vor dem Tor, die wohl von den leicht durchhängenden Toren stammen ist davon auszugehen, dass sie noch regelmäßig genutzt werden.




Ob die Jahreszahl auf den Bau der Garagen und das Geschriebene auf den Zugehörigkeitsbereich dieser Garage deuten, kann ich nicht in Erfahrung bringen.



Ich fahre durch alle Wege. Die Garagen sind alle nummeriert. Die höchste Zahl die ich finde, ist die 1052. Hier scheinen also wirklich mindestens so viele Garagen zu stehen.



Wahrscheinlich werden die Bewohner der ringsum liegenden Wohnblöcke hier ihre Garagen gehabt haben, um ihren TrabantWartburg oder was auch immer unterstellen zu können.



Da ich hier völlig ungestört bin, kann ich mal so richtig auffahren, Gas geben und zeigen, was alles möglich ist :)



Das Wetter ist super, die Sonne scheint. Also wird alles durchgelüftet, die Handtücher nach dem Duschen getrocknet und alles im Kasten und in der Dachbox mal ausgeräumt und neu einsortiert. Auch wenn ich mich bemühe alles immer gut wegzupacken, das ein oder andere kommt auf so einer Tour doch mal durcheinander. Dann muss man zwischendurch mal durchgreifen und alles neu einsortieren.




Nachdem alles wieder an seinem Platz ist, setze ich mich hinter meine Ape, mache es mir gemütlich und frühstücke. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Ich stöber noch ein bisschen in den Garagen herum. Wie gesagt, einige sind verschlossen und werden offensichtlich noch genutzt. Andere, die auch verschlossen sind, werden aber nicht mehr genutzt. Vor denen steht das Unkraut auch so hoch wie überall. Da wird bestimmt der eine oder andere verlassene Oldtimer drin stehen für den sich Liebhaber die Finger lecken würden. Gegen 13:00 Uhr schwinge ich mich in meine Ape und fahre in Richtung Cottbus.

Auf der Fahrt mache ich an dieser Stelle eine kleine Pause und bereite eine Pizza auf meinem Pizzaöfchen.



Schöne und gut ausgebaute Landstraßen führen mich nach Cottbus.



Am späten Nachmittag ist Cottbus erreicht.



Audi R8-Technik im italienischen Kleid. Seit er deutsche Technik hat, funktioniert er sogar. Erst möchte ich dahinter einparken. Ich schau auf das Auspuffrohr und habe Bedenken wegen meiner Ape. Wenn der startet, bläst er mir mein Bienchen drei Straßen weiter. Ich fahre also direkt in die Altstadt...



... und finde ein schönes Plätzchen. Kurz um die Ecke...



... und schon bin ich mittendrin. Mein erster Weg gilt aber dem Spremberger Turm. Es ist grad erst kurz nach 17:00 Uhr. Hier im Osten wird es aber bedeutend früher dunkel als bei uns im Westen. Von daher möchte ich mir den Blick über Cottbus in der Abendstimmung gönnen.




Es hat sich gelohnt. Die Bilder zeigen es.





Cottbus ist eine sehr schöne Stadt, vor allem die Altstadt.





In der Altstadt versteht Cottbus es gut die Häuser und das Umfeld in das rechte Licht zu rücken. Im Mosquito gönne ich mir ein Bier.



Viel indirekte Beleuchtung. Die Straßenlaternen leuchten nicht, wie üblicherweise fast überall in einem grellen, sondern in einem gedämpften Ton. Dadurch wirkt alles sehr angenehm.








Ich laufe noch durch die gesamte Gegend und schau mir alles an. Geöffnete Geschäfte brauche ich nicht. Manche Städte sehen, wie ich es schon oft erwähnt habe, am Abend viel interessanter aus als am Tage. Ich brauche anschließend auch nicht lang, um eine gute Übernachtungsstelle zu finden. Ein Parkplatz reicht mir da völlig aus. Gefahren bin ich heute 108 Kilometer.

Montag, 27. Oktober 2014

Meine Übernachtungsstelle





Um 07:00 Uhr ist die Nacht vorbei. In Ruhe duschen und frühstücken ist hier nicht möglich. Ich suche eine andere Stelle. Wieder mal muss ein Netto-Parkplatz herhalten. Schön allein in der Ecke und warm in der Sonne läuft das normale Programm ab. Danach geht es noch kurz in die Stadt und dann fahre ich weiter in Richtung Bad Muskau.


Weit fahren brauche ich nicht. Bad Muskau liegt nur etwa 40 Kilometer entfernt.



Ape abstellen...



... über den schönen Marktplatz mit den ringsum liegenden Häusern gehen ...







... und schon befinde ich mich im Fürst-Pückler-Park von Bad Muskau.



Das Schloss ist ein optischer Genuss.



Das Wetter ist super. Die Sonne scheint und es ist warm. Die herbstlich gefärbten Bäume und Büsche geben ein fantastisches Farbenspiel ab. Leider kommt das auf den Fotos nicht so rüber wie es das Auge wahrnimmt.







Im Schloss selbst besuche ich eine Glasausstellung. Der absolute Knaller ! Dort sind in Vitrinen Vasen, Gläser, Glasschalen und allerlei überflüssiger Plunder ausgestellt. Ich bin da in zwei Minuten durch. Nix für mich. Es sind keine Biergläser dabei...


Der Turm allerdings ist toll. Von dort oben hat man eine sehr schöne Aussicht über den Park, die Umgebung und man kann sich das Schloss mit den vielen Dächern, Ecken und Winkeln aus einer anderen Perspektive anschauen.






Die "Blaue Brücke"





Die sogenannte Doppelbrücke.
Hier sind Deutschland und Polen lediglich durch die kleine Neisse getrennt. Der Park befindet sich in beiden Ländern. Leider wird die Brücke gerade komplett erneuert. Ein Rübergehen nach Polen ist dadurch nicht möglich. Es ist auch die einzige Möglichkeit in dem Park, von einem Land in das andere zu gehen.






Auf der hiesigen Seite die deutsche Grenzmarkierung...



... auf der anderen Seite die polnische.



Von Bad Muskau aus geht es weiter in Richtung Dresden. Eine Stadt, auf die ich sehr gespannt bin. Man hört ja viel Schönes über diesen Fleck Erde.
Da sich aber die Möglichkeit ergibt nochmals einen Abstecher nach Polen zu machen, nutze ich diese Möglichkeit um diesem schönen Land nochmals einen kleinen Besuch abzustatten und fahre über die Grenze.



Hier werden an vielen Ständen alle möglichen Waren angeboten. Viel Brauchbares und viel Unbrauchbares. Ein jeder wird dort etwas finden.



Für mich allerdings ist nichts Besonderes dabei und ich rolle weiter in Richtung Dresden.



So langsam krieg ich Kohldampf. Stimmen aus der Magengegend lassen verlauten, dass die Futterluke mal gefüllt werden sollte.



Ich suche einen Parkplatz an dieser gut ausgebauten Straße, zunächst Fehlanzeige. Als ich einen finde, weist ein Schild auf den Bärwalder See. Das hört sich gut an, ist nicht weit weg - also hinfahren.



Was ich dort vorfinde ist mit einem Wort schnell gesagt - traumhaft !



Eine super gepflegte Anlage. Alles sehr sauber und ordentlich. Vieles scheint neu zu sein. Man sieht, dass hier mächtig was getan wurde. Angenommen wird alles auf jeden Fall. Spaziergänger, Skater, Radfahrer, Jogger, alles ist vertreten.



Auch einer, der zum Essen nicht reinkommen darf. Er muss sich draußen was zubereiten. Und was er sich zubereitet ! Asiatisches Nudelgericht angereichert mit einer großen Tüte anderer Nudeln. Man könnte meinen er habe die Übersicht, wie viel Zutaten man für eine kleine Mahlzeit benötigt, komplett verloren.

Beim Kochen wird der Topf immer kleiner und die Nudeln immer größer. Erst schaut er noch ruhig zu und hofft, dass es sich von allein gibt. Als dann so die ersten Nudeln über den Topfrand fallen, kommt leichte Hektik auf. Wie ein Hefeteig bäumen sich die Nudeln immer mehr auf. Entweder schiebt da einer die Dinger im Topf nach oder da läuft was verkehrt. Die ersten paar Dinger futtert er noch halb roh weg, wenn auch widerwillig. Dann aber fängt das Sammeln um den Topf so richtig an. Eine Nudel nach der anderen verlässt ihren Bestimmungsort und kullert auf den Gaskocher. Alles wird auf einen Teller gelegt und am Ende hinter die Büsche geworfen. So haben Herr Hase und Frau Igel auch noch was davon.
Drei Teller werden es. Woher diese Menge kommt- keine Ahnung.

Jedenfalls reichen die Nudeln, die nicht ausgewandert sind, für eine sehr üppige Mahlzeit. Der ganze Pott wird verspeist. Die Nudeln kommen so kurz vor Ende zwar schon fast aus den Ohren wieder raus, weil die Portion doch recht mächtig ist, aber es wird alles verdrückt. Dem Magen geht es trotzdem nicht besser. Nun ist er überfressen.

Was man aus solchen, fast ausufernden Kochkünsten lernt für die Zukunft ? Es muss ein größerer Topf her !





Nach dem erfolgreichen Kochen setze ich meinen Weg fort und es wird gegen Abend, als ich Dresden erreiche. Was sich von der Stadt zeigt, gefällt mir schon mal gut. Obwohl ich gar nicht so viel fahren muss, bin ich ganz schön geschafft. Der Magen meldet sich auch. Der Eimer Asia war zu viel. 



Ich suche eine Stelle zum Schlafen und werde in einer Villengegend sehr schnell fündig. Seitenstraße, ruhig, zentral und doch abgelegen. Paar Dosen Feuerwasser auf die Nudeln gekippt und einem guten Schlaf steht nichts mehr im Weg.

Gefahren bin ich heute 161 Kilometer.

Dienstag, 28. Oktober 2014

Um 08:00 Uhr beginnt der Tag. Mein Schlafplatz in dieser Villengegend ist standesgemäß für meine Ape. Gut gewählt. In so manchen Vorgarten hier könnte man ein ganzes Haus stellen. Nach dem morgendlichen Programm geht es ab in die Innenstadt. Ich bin sehr neugierig auf Dresden.



Beim Einfahren in die Stadt kann ich alles bisher Gehörte nur bestätigen. Dresden ist ein absoluter Traum.



Diese Stadt stellt alles bisher auf dieser Tour Gesehene in den Schatten.





Zum Teil riesige Gebäude mit wunderschönen Fassaden zeigen sich dem Besucher. Eine ist schöner als die andere. Ich habe bisher viele große und schöne Städte auf meinen Ape-Reisen gesehen. München und Paris waren bisher die beiden schönsten. Dresden kann sich da ohne Weiteres mit messen.

Nicht nur der Stil der Häuser ist in etwa vergleichbar mit München und Paris. Auch diese unheimliche Pflege der Innenstadt und diese Sauberkeit die hier herrscht. Es wird also nicht zu viel Gutes über Dresden erzählt. Es ist wirklich so.



Die Frauenkirche



Der Einlass ist immer zu bestimmten Zeiten. Beim Eintreten trällert ein Chor. Nichts für meine Ohren. Ein Gejammer und Gejohle. Entweder haben die alle Daumenschrauben an oder einer steht dem anderen auf dem Zeh. Nicht zum Aushalten. Es soll aber wohl etwas Besonderes sein. Lang dauert dieses Gejaule auch nicht an und man hat endlich seine Ruhe zum Betrachten.

Im Inneren weisen ein paar Schilder darauf hin, dass man nicht fotografieren darf. Ich frage mich nur, warum ?  Soll diese Schönheit des Inneren dieser Kirche der Außenwelt vorenthalten bleiben ? Oder soll man gezwungen werden angebotene Karten zu kaufen, die sowieso völlig überteuert sind ?

Ob Jung oder Alt, alles fotografiert fröhlich vor sich hin und erfreut sich der schönen Fotos. Soll ich darauf verzichten ? Nö !

Der Knaller ist so ein langhaariger, abgebrochener Riese, eingepackt in einen feinen Anzug mit Schlips. Den hat Mama aber fein hergerichtet heute !  Er rennt zu jedem hin, der ein Foto macht. "Sie dürfen hier nicht fotografieren !". Himmel, Arsch und Zwirn ! Der Typ ist echt die Lachnummer schlechthin. Jeder, der von ihm ermahnt wird kann sich ein Grinsen nicht verkneifen, wenn dieser kleine Speedy Gonzales direkt zum Nächsten rennt, um auch diesen zu ermahnen. Das Ganze wirkt peinlich. Lasst doch diesen Blödsinn mit dem Verbieten sein ! Ihr seht doch, dass es nichts bringt. Die Leute machen es sowieso. Viele machen sich sogar einen Spaß daraus. Das sieht man doch.

Da besucht man Dresden, schaut sich diese schöne Frauenkirche an, die ja sowohl außen als auch innen eine echte Augenweide ist - und dann kommt da so ein Typ an, zieht seine Show ab und macht den ganzen Bau irgendwie lächerlich. Das passt nicht. Gebt ihm eine andere, würdevolle Aufgabe. Sollte er nach Kilometergeld bezahlt werden, wird er zwar ein gutes Gehalt bekommen, aber das könnt Ihr ihm aber auch bei einer anderen Tätigkeit geben. Diese ganze Aktion ist peinlich und unangebracht. Das ist nicht nur mein Gedanke. Diesen höre ich auch von vielen anderen Leuten, die sich darüber unterhalten. Freundlich ist dieser umher rennende Gnom, obwohl er wohl auch einsehen muss, dass seine Ermahnungen zu keinem Erfolg führen. Gegen ihn sage ich ja auch nichts, nur gegen seine ihm aufgetragene Aufgabe, die er trotz völliger Erfolgslosigkeit dennoch freundlich und anständig ausführt. Dass er selbst Spaß daran hat, zweifel ich allerdings an.

Ich möchte mal ein bisschen Werbung für die Frauenkirche machen. Wer Dresden besucht, die Frauenkirche ist ein Muss ! Diesen Besuch sollte man sich auf keinen Fall sparen.



Das Untergeschoss





Der Fürstenzug in der Augustusstraße





Am Elbufer



Ich gehe durch einige schöne Straßen wie diese...



... am bekannten Kempinski-Hotel vorbei...



... und schau mir den Zwinger an.



Das vielleicht bekannteste Gebäude in Dresden, die Semperoper. Schließlich läuft sie fast jeden Abend im Werbespot durch die Wohnzimmer Deutschlands: Radeberger Pilsener. Das Bier schmeckt mir übrigens auch. Nicht nur wegen der Werbung...



An einer Baustelle ist man auf archäologische, interessante Sachen gestoßen und gräbt danach.



Zurück durch diese wunderschöne Stadt...



... gehe ich total erschöpft zu meiner Ape. Das sind so einige Kilometer gewesen, die ich zurückgelegt habe. Parkplatz hin, Parkplatz her; ich mache es mir gemütlich. Kleinen Sichtschutz aufbauen, Kaffee kochen, Essen zubereiten. Manche Leute schauen zwar ab und zu ein wenig skeptisch, ich lebe aber wirklich nicht auf der Straße ! Von meinem Essen gebe ich auch nichts ab ! Ich bin nur ein verrückter Ape-Fahrer, sonst nichts. Vielleicht manchmal ein bisschen zu verrückt und nach so vielen Reisen im Handeln oft schon mehr als schmerzfrei. Das stört aber die anderen, mich nicht.



Am späten Nachmittag verlasse ich Dresden. Mein nächstes Ziel soll Oberwiesentahl sein. Das liegt direkt an der Grenze zur Tschechischen Republik. Zu fahren habe ich etwas über 100 Kilometer.

Unterwegs fange ich mit meinem iPhone die Abendstimmung ein.





Als ich in Oberwiesenthal ankomme, ist es schon lang dunkel und hier ist es, im Vergleich zu den vorherigen Tagen, bitterkalt. Es herrscht ein leichter, eisiger Wind. Ich suche eine Übernachtungsstelle in einer Seitenstraße auf. Die Ape steht in einem Hauswinkel und nicht dem kalten Wind ausgesetzt.

Viel ist hier nicht mehr los. Zunächst suche ich ein Hotel auf und trinke dort ein Weinzenbier. Da sie aber nichts zu essen anbieten, weil die Küche geschlossen ist, lasse ich mir den Weg zu einem kleinen Bistro erklären. Der Laden ist zur Hälfte gefüllt. Es gibt feinen Lachs mit allen möglichen Zutaten zu essen und noch ein Bier obendrauf.

Ich verschwinde zu später Stunde in meiner Ape und schlafe auch sofort ein.

Heute bin ich 138 Kilometer gefahren.

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Die Temperatur morgens um 08:00 Uhr ist sehr erfrischend, nahe dem Gefrierpunkt. Die Autos, die nicht windgeschützt geparkt sind, haben alle zugefrorene Scheiben. Was bin ich froh, gleich nicht in so einem beheizten Badezimmer duschen zu müssen.



Gegenüber dem Bahnhof...



...befindet sich der Parkplatz von Edeka. Da es sich hier um ein sonniges und windstilles Plätzchen handelt, ist die Temperatur sogar angenehm. Ich habe da wohl ein bisschen zuviel aufgefahren. Der Filialleiter kommt raus und fragt mich, wie lang ich denn noch gedenke zu bleiben. Ich antworte ihm, dass ich eben erst fein geduscht habe, nun in Ruhe frühstücken möchte und dann mal weiter schauen werde.

Ich habe den Eindruck, dass er nicht erwartet hat eine in einem einwandfreien Deutsch gesprochene Antwort zu bekommen. Sein zunächst leicht anders wirkender Gesichtsausdruck erhellt sich bei meiner Antwort und offensichtlich ist er erfreut darüber, dass gleich nicht noch mehr derartige Leute seinen Parkplatz belegen werden.

Schon während des Duschens sehe ich, dass hier eine Dampflok mit alten Waggons Touristen durch die Gegend fährt. Ich ändere den geplanten Tagesablauf und nehme mir vor, ebenfalls mit dem Zug zu fahren.



Da ich aber so rumtrödel beim Frühstück, verpasse ich den Zug um einige Minuten. Ich gehe also auf die andere Seite der Hauptstraße in die Tschechische Republik. Oberwiesenthal liegt direkt an der Grenze zu

Loučná.

Hier gibt es nichts Besonderes zu sehen, nur zwei große Verkaufsstände mit allerlei Sachen für Touristen. Unter anderem haben beide Stände schöne Vogelhäuser im Angebot.





Ich gehe zum ersten Händler, handel und mache mit ihm einen guten Preis aus. Dann gehe ich zum Stand nebenan, erzähle dem Verkäufer einen viel niedrigeren Preis, zu dem ich das Vogelhaus bei seinem Konkurrent bekommen kann und drücke somit die zu zahlende Summe um noch einige Euro. So komme ich doch noch zu einem Geschäft in meinem Sinn.



Um 13:00 Uhr geht es dann mit dem Zug los. Bis zum Ende der Strecke, dem Ort Cranzahl, fährt der Zug etwa eine Stunde. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei etwa 25 km/h.

Es ist traumhaft mal in einem Zug vergangener Zeit zu sitzen.



Auf der Hinfahrt schiebt die Lok ihre Waggons. Ich habe mich natürlich direkt in den Waggon vor der Lok gesetzt und stelle mich während der Fahrt draußen auf das Podest. So habe ich die Lok gut im Blick und kann derer Geräusche hautnah empfinden. Faszinierend dieses Gestampfe, Gezische und Gepolter. Die zwischendurch ertönende Pfeife lässt mich aber doch ganz schön zusammenzucken.





Der Zug fährt durch die schöne, bergige Landschaft des Erzgebirges.



In Cranzahl angekommen, haben die Fahrgäste eine halbe Stunde Aufenthalt.



Die Lok wird mit frischem Wasser betankt. Dies allein ist schon ein Schauspiel für sich.



Auf dem Rückweg setze ich mich in einen der hinteren Waggons.
Etwas Dampf findet zwischendurch den Weg ins Innere durch die paar geöffneten Fenster. Ist schon etwas Besonderes und überhaupt nicht störend.



Sogar der Schaffner trägt eine angepasste Uniform.



Insgesamt dauert die Fahrt rund 2,5 Stunden.



Zurück von dieser faszinierenden Fahrt setze ich mich in meine Ape und fahre in Richtung Tschechische Republik. Ich möchte nach Karlovy Vary (Karlsbad) fahren. Eine Stelle zum Übernachten werde ich dort schon finden. Es ist schon später Nachmittag und ich werde wohl dort ankommen wenn es bereits dunkel ist.



Der Grenzübergang



Leichter Nebel zieht sich über´s Land und ich fahre eine ziemlich einsame Landstraße. Ab und zu nur begegne ich einem entgegenkommenden Auto. Menschen zeigen sich wenige. Wenn aber; ich weiß nicht, ob ich mir das einbilde oder nicht, sind es finstere Gestalten. In keinem anderen Land, in dem ich bisher mit meiner Ape war, kamen mir die Leute so seltsam vor. Oftmals lächeln und / oder winken sie mir mit meinem komischen Gefährt zu - hier aber passiert gar nichts. Sie schauen einfach nur. Sie schauen und verziehen keine Mine. Ihre Blicke wirken böse auf mich. Mir ist nicht ganz wohl hier zu fahren. So langsam habe ich leichte Bedenken, ob es richtig ist zu später Stunde in dieses Land zu fahren.

Wenn mich ein Auto überholt und es sitzen mehrere von diesen finsteren Typen drin, dann bin ich froh, wenn die mich nicht von der Straße rammen um mich auszurauben. Mir kommen die unmöglichsten Gedanken. Ich bin kein ängstlicher Typ, habe schon an den unmöglichsten Stellen übernachtet, mich allein irgendwo in der Natur herumgetrieben und alles Mögliche unternommen wo andere vielleicht schon umgekehrt wären- hier aber fühle ich mich total unwohl.

Ich komme den Berg runter und stehe an einer Baustellenampel bei Rot. Es ist nur ein Fahrstreifen verfügbar und der Verkehr wird durch diese Ampel geregelt. Ich schau runter in das Dorf. Ich weiß nicht wieso, dieses Dorf erinnert mich aber an alte Draculafilme. Heruntergekommene, zum Teil eingefallene und sehr schmutzige Häuser sehe ich. Das ganze Umfeld, das gesamte Erscheinungsbild gefällt mir nicht. Es wirkt abstoßend. Auch die Bauarbeiter - mürrische, finster schauende Figuren. Ihre Blicke wirken falsch auf mich. Mir reicht´s, ich dreh um. In diesem Land möchte ich auf keinen Fall irgendwo übernachten.

Nach einer halben Stunde, die meiste Zeit nun bergauf fahrend, passiere ich wieder die Grenze zu Deutschland. Während der gesamten Fahrt bin ich angespannt und erwarte jede Minute etwas Außergewöhnliches. Ich trau hier keinem. Beim Überfahren der Grenze löst sich die Angespanntheit und ich weiß, dass diese Entscheidung richtig ist. Ich fahre zu meiner "alten" Übernachtungsstelle, stelle die Ape ab und gehe in einem Lokal essen. Bei ein paar Bier und Schnäpsen denke ich immer noch an das eben Erlebte. Mir gehen diese finsteren Gestalten nicht aus dem Kopf. Am liebsten würde ich auf Karlsbad verzichten. Der Reiz ist aber trotzdem da und vielleicht ist es dort ja ganz anders.

Satt und leicht angesäuselt steige ich in meine Ape und schlafe gut bis zum nächsten Tag.

Heute bin ich 32 Kilometer gefahren.


Donnerstag, 30. Oktober 2014

Die Nacht war gut. Keine Störung und bestens geschlafen. Am Eingang dieser kleinen Stadt befindet sich ein großer Parkplatz mit Infostand und sanitärer Anlage. Hier fahre ich mit meiner Ape hin und baue mich in einer Ecke auf.

Es ist zwar kalt, aber hier herrscht kein Wind, sodass es recht angenehm ist. Leichter Nebel zieht auf und verhüllt die Berge ringsum. Die ersten Dampfloks werden für die Fahrten tagsüber vorbereitet.



Nachdem ich mit der morgendlichen Arbeit fertig bin und auch die Wasserkanister wieder aufgefüllt habe, geht es ab in Richtung Karlovy Vary.

Nach dem Grenzübergang kommen zunächst ein paar Häuser. Das sind Lokale oder sonstige Verkaufsläden.



Und wieder geht es durch das Stück Wald, das ich gestern Abend schon gesehen habe. Heute herrscht aber mehr Verkehr und es ist angenehmer zu fahren.



Die erste Stadt, durch die ich fahre, heißt
Jáchymov. Viele der hier stehenden Häuser sind entweder total kaputt und unbewohnbar oder aber kaputt und doch bewohnt. Das ganze Umfeld hier gleicht einer Müllkippe. Es ist schade, dass es auf den Fotos nicht so rüberkommt. Was ich aber hier sehe, habe ich in meinem Leben bisher an keinem anderen Ort gesehen.

Nicht nur diese erschreckende Armut hier ist auffallend, auch dieser überall herumliegende Müll jeglicher Form. Umweltschutz scheint ein Fremdwort zu sein.



Manche Häuser sind derart runtergekommen, dass man meinen müsse, sie brechen jeden Moment zusammen. Und plötzlich schaut jemand aus dem Fenster...





Das einzige was hier wirklich neu und gepflegt ist, das sind die Autos. Erstaunlicherweise sehe ich hier nur ganz wenige alte Gurken.



Eine verlassene Firma, die ihrem Schicksal überlassen wurde.




Ich fahre durch Orte wie
Horní Žďár...



... Ostrov ...



... 
Mořičov ...





... Velichov, wo ich ...



... eine Ape am Straßenrand sehe. Sie trägt die Werbeaufschrift einer Pizzeria. Die Pizzeria macht von außen einen einigermaßen akzeptablen Eindruck. Wie es aber in der Küche aussieht, darüber möchte ich gar nicht näher nachdenken.





Weiter geht es durch
Radošov. Zwischendurch sehe ich schon mal ein gepflegtes Haus mit schönem Garten. Der überwiegende Teil aber ist sehr ungepflegt. Man scheint hier einfach nur drin zu wohnen. Wie es außen aussieht, scheint nicht wirklich zu interessieren. Und dann dieser Schmutz überall. Es ist unglaublich, aber in diesem Land scheint man alles einfach in den Straßengraben, in den Wald, auf die Straße zu werfen.



Mein TomTom funktioniert hier in der Tschechischen Republik nicht. Das Land ist nicht einprogrammiert. Ich fahre also der Beschilderung nach. Irgendwo war vorhin ein Schild das besagte, Karlovy Vary sei etwa 30 Kilometer entfernt. Es ist bisher auch das einzige Schild. Mit der Autobahn möchte ich nicht fahren. Auf der einen Seite habe ich keine Lust Autobahngebühren zu bezahlen und auf der anderen Seite möchte ich etwas von dem Land und nicht die Leitplanken sehen. Was ich allerdings bisher gesehen habe, das ist sehr enttäuschend.

Die Menschen, denen ich begegne, das gleiche Spiel wie gestern. Finstere, matte Gesichter mit düsterem Blick. Zum Teil schauen sie müde und völlig teilnahmslos aus. Die Kleidung vieler Leute- einfach nur arm.

In Kyselka stoßen Extreme aufeinander. Zum Teil, auf den ersten Blick recht gepflegte Häuser, die aber bei näherem Hinsehen trotzdem irgendwo eine Ungepflegtheit zeigen in Form von abgeplatzter Farbe, abgebröckeltem Putz ....



... über total gepflegte Villen mit parkähnlich angelegten Gärten... ...



... bis hin zu scheinbar unbewohnbaren, aber dennoch bewohnten Häusern...



und leer stehenden Ruinen.



Hier versucht augenscheinlich jemand diese Villa wieder bewohnbar zu machen. Ob das allerdings Sinn macht, wage ich zu bezweifeln. Die Mauern haben zum Teil tiefe Risse, der gesamte Dachstuhl und Teile der Zwischendecken sind komplett eingefallen. Neu bauen wäre da wohl billiger und auch sinnvoller.




Kurz vor dem Ortsausgang dann diese Überraschung. Super gepflegte Einfamilienhäuser mit schönen Gärten. Alles ist adrett gepflegt und sehr sauber. Es scheint also auch ordentliche Tschechen zu geben.



Kaum bin ich aus Kyselka raus, treffe ich auf diese schöne, alte Villa. Derartige Häuser haben mich wegen ihres Baustils schon immer interessiert und fasziniert. Sie sind einfach nur schön.

Dass hier neben alten Reifen, Plastik, Hausmüll und sonstigem Unrat auch umgekippte Ölkanister liegen, daran habe ich mich in der Tschechischen Republik schon fast gewöhnt. Was mich anfangs schockierte, ist mittlerweile völlig normal. Müll und Schrott am Straßenrand oder im Wald gehören auf meinem Weg durch dieses Land zum ganz natürlichen Begleiter. Würde ich es selbst nicht sehen, ich würde es nicht glauben. 



Die Villa selbst hat zwar kaputte Fenster und Türen, von der Bausubstanz selbst aber sieht sie gar nicht mal so übel aus. Mit Geld, Geduld und viel Geschick könnte man sie wieder richtig schön aufbauen. Hat man nicht grad zwei linke Pfoten mit zehn Daumen, dann könnte man etwas Wunderschönes daraus machen. Das Erstgenannte aber wird wohl der Grund für ihren Zustand sein.



Diese zusammengezimmerte Hütte von der ich erst dachte, dass sie ein ehemaliger Schuppen der Villa sei, stellt sich als Unterkunft für jemanden heraus. Ganz leichter Rauch steigt plötzlich aus dem Kamin. Ob das nun der Eigentümer der Villa oder irgend jemand ist, der sich auf dem leeren Grundstück ein neues Zuhause gebaut hat, kann ich natürlich nicht feststellen. Grenzwertig so wohnen zu müssen ist diese Art allemal. Armut pur mitten in Europa...



Mir kommt der Gedanke, dass ich bis hierhin sehr viele Hunde gesehen habe. Obwohl die Leute scheinbar sehr arm sind, für einen Hund reicht es scheinbar doch noch. Unter welchen Bedingungen diese Tiere allerdings leben müssen und was sie zu fressen bekommen, welche Pflege sie erhalten, darüber möchte ich lieber nicht nachdenken.

Was ist aber, wenn aus dieser Bretterbude plötzlich so ein Hund rauskommt ? Wie würde er auf mich reagieren ? Bisher bin ich scheinbar nicht bemerkt worden. Dass aber jemand im Moment dort drin ist beweist der rauchende Kamin. Es ist wohl sehr unwahrscheinlich, dass es sich Hundi grad vor dem Ofen gemütlich macht. Ich verlasse dieses Grundstück lieber und fahre weiter in Richtung Karlsbad.

Langsam kommen bei mir Zweifel auf, ob ich überhaupt die richtige Richtung fahre. Nirgendwo ist ein weiteres Schild. Aus den rund 30 Kilometern nach Karlovy Vary sind schon über 50 geworden und die Stadt ist immer noch nicht in Sicht. Glücklicherweise mache ich mir auf meinen Reisen immer Notizen wo ich wann bin oder eintreffe, was ich besichtige und fotografiere. Notfalls drehe ich um und fahre zurück. Ob ich allerdings den Weg hier so einfach finde, weiß ich nicht. Die durchfahrenden Orte habe ich zwar alle in meinem Büchlein stehen, ich bin aber des Öfteren abgebogen und Hinweisschilder sind ja hier Mangelware. Es wäre also ein Glücksspiel den Weg zurück zu finden.

Und plötzlich "Karlovy Vary, 13 km". Na also, geht doch ! Ich bin vermutlich zwar Umwege gefahren, die grobe Richtung aber stimmt bis hierhin. Die paar Kilometer mehr stören mich nicht. So habe ich wenigstens Teile dieses Landes gesehen, die man normalerweise nicht so zu sehen bekommt, wenn man einfach mit der Autobahn fährt. Etwa 500 Meter weiter das nächste Hinweisschild. Nun sind es aber 17 Kilometer bis zu meinem Ziel. Ich weiß genau, dass ich nichts getrunken habe und auch nicht rückwärts gefahren bin. Die Ursache für dieses sinnfreie Schild liegt also nicht bei mir. Und dann der Knaller; rechts um die Kurve, ein paar Meter geradeaus...



... und ich bin da !

Wie das nun funktioniert, keine Ahnung. Innerhalb von etwa 1.5 Kilometern habe ich 17 Kilometer rückwärts fahrend zurückgelegt und bin doch vorwärts am Ziel angekommen. Stramme Leistung mit 10 PS. Das macht mir so schnell keiner nach. Egal wie es nun passiert ist, ich bin da und das zählt.



In die Stadt fahrend, gefallen mir schon mal die Häuser. Dieser Baustil trifft genau meinen Geschmack. Schön verzierte Fassaden, kein Haus gleicht dem anderen. Wenn ich da an diese Wohnklos denke, die man oft in Städten sieht, da ist so ein Anblick doch viel angenehmer.



Wenigstens liegt hier schon mal kein Müll auf der Straße herum.



Fotos geben bekannterweise nie das wieder was das Auge aufnimmt. Was auf Bildern manchmal schön, romantisch oder urig aussieht, empfindet das Auge als trostlos, langweilig und nicht ansprechend. Ich bemühe mich ja alles Ungepflegte was ich bisher in der Tschechischen Republik gesehen habe nicht als allgemein üblich und somit als Vorurteil gegen dieses Land aufkommen zu lassen. Ich stelle aber leider fest, es klappt nicht. Das Gesamtbild stimmt hier einfach nicht. Einzelne schöne Häuser gehen zwischen den vielen ungepflegten einfach unter, echt schade...

Einige haben die Fenster mit Blumenkästen verziert und trotz der Jahreszeit steht noch alles voll in Blüte, Am Haus daneben wieder bröckelt der Putz, so dass das Mauerwerk darunter zum Vorschein kommt, die Farbe ist sehr alt und schmutzig oder einfach gar nicht mehr vorhanden. Man bekommt hier als Besucher sehr viele gegensätzliche Dinge zu sehen. Das Unschöne aber übertrifft leider das Schöne.



Ich suche einen Parkplatz. Irgendwo in einer Seitenstraße möchte ich meine Ape nicht abstellen. Die Stelle sollte schon belebt sein. Wo viele Leute unterwegs sind ist das Risiko geringer, dass man die Ape aufbricht oder direkt stiehlt. Was ich so an Figuren auf der Suche nach einem Parkplatz in den Seitenstraßen sehe, das ist nicht grad ermutigend.

Mit der Parkuhr ist das dann so eine Sache. Je mehr Geld man einwirft, desto mehr verkürzt sich die Parkdauer. Eine völlig unlogische Lösung. Ich verzweifel bald an dieser Logik, werfe einige Male Münzen ein und drücke wieder auf das rote Knöpfchen, damit sie wieder rauskommen. Wenigstens das funktioniert immer. Da sich hinter mir schon eine Schlange bildet, lasse ich die Leute einfach vor und versuche herauszufinden, wo der Trick an der ganzen Sache ist.

Dass ich nicht zu blöd bin eine Parkuhr zu bedienen, beweisen mir dann die Leute. Da wird auf das Gehäuse gehauen, tschechisch geflucht, einfach weggegangen. Ich bin zufrieden, das gefällt mir ...

Ein älterer Herr versucht sich ebenfalls. Nach ihm bin ich dann wieder an der Reihe. Als es bei ihm auch nicht klappt, legt er los: "In diesem sch*** Land klappt aber auch nichts ! Das einzige was die können, ist alles nur vermüllen !" "Hoppla !" denke ich, da teilt jemand meine Meinung, gebe mich aber nicht als Deutscher zu erkennen. Es scheint also wirklich so zu sein, dass diese Parkuhr einfach nur defekt ist, das kann passieren. Ich werfe die kleinste Münze ein die ich habe um die längste Parkzeit heraus zu holen. Solche Parkuhren sollten überall Standard werden.



Beim Schlendern durch die Stadt empfinde ich das Aussehen als nicht ganz so schlimm wie sich zunächst der Stadtrand gezeigt hat. Man ist hier also bemüht alles so einigermaßen im Griff zu haben.



Einige Häuser sind wirklich sehr schön oder werden grad verschönert, so wie dieses hier.



Trostlos wirkt die Innenstadt trotzdem. Hier ist kein besonderer Reiz wie in vielen anderen großen Städten. Cafés oder schöne Restaurants die mit ihrer äußeren Dekoration schon zum Besuch einladen, fehlen gänzlich. Die Geschäfte wirken lieblos, deren Auslagen einfach nur so ins Schaufenster gelegt. Gedanken, dass man so was auch mit Ideen ansprechend machen könnte, hat man hier vermutlich nicht.



Wenn ich hier mal gut angezogene Leute mit guter Laune sehe, dann sind es Touristen. Ich weiß nicht wieso es so ist, aber auf mich wirken die Tschechen deprimiert, traurig, teilnahms- und lustlos. Die Stimmung ist irgendwie seltsam bedrückend. Ich bin noch nie in einem der Länder, in denen ich mit der Ape war, die ganze Zeit so angespannt und enttäuscht gewesen wie es hier der Fall ist. Ich muss mich regelrecht zwingen hier zu bleiben, um diese Stadt zu besichtigen.



Endlich mal gute Laune ! Indianer spielen ihre wundervolle Musik und verbreiten ein wenig Stimmung. Mir gefällt diese Musik sowieso sehr gut und deshalb bleibe ich hier eine Weile stehen. Das Interessante an der ganzen Sache ist, ich kenne diese Gruppe. Die habe ich schon in Trier spielen sehen.

Was mich aber erstaunt ist, dass nur Touristen der Musik lauschen. Tschechen gehen vorbei, schenken den Indianern einen kurzen Blick und gehen ohne eine Mine zu verziehen einfach weiter. Seltsames Verhalten.



Ich entscheide mich dazu, dass ich den Rückweg mit der Autobahn bewältigen werde. Karlsbad ist zwar eine große Enttäuschung für mich und ich verstehe auch nicht, dass ich von einigen Leuten so ein Geschwärme gehört habe. Ich bin jetzt aber hier und möchte es mir auf jeden Fall noch anschauen. Vielleicht finde ich ja doch noch einen schönen Fleck. Den Weg zurück über die Landstraße werde ich bei dieser Beschilderung garantiert nicht finden. Es gilt also eine Vignette für die Autobahn zu kaufen. Aber, wo ?





Ich frage in der Wechselstube nach, wo es die Vignette für die Autobahn gibt. Er schickt mich zur Post. Ich will sie mit Euro bezahlen- das geht nicht. Genug tschechische Kronen habe ich nicht mehr. Also wieder zurück zur Wechselstube. Von dort geht es wieder zur Post. Ich stelle mich an der Schlange wartender Leute an und möchte meine Vignette haben. Die gute Frau spricht weder deutsch noch englisch. Ich soll zum Schalter eins gehen. Also stelle ich mich dort an. Irgendwann bekomme ich dann meine Vignette.
Die Rückreise über die Autobahn ist also schon mal gesichert.

Nachdem ich durch sämtliche Straßen und Ecken gelatscht bin komme ich zu dem Entschluss, das war nix ! Karlsbad ist ein Reinfall. Warum manche davon so schwärmen kann ich kein bisschen nachvollziehen. Ich mache mich auf den Rückweg zu meiner Ape in der Hoffnung, dass sie noch komplett da steht.

Ich fahre in Richtung Autobahn und tanke sicherheitshalber voll. Es ist zwar nicht weit nach Oberwiesenthal und das Benzin ist hier auch nicht günstiger als in Deutschland, aber voll ist voll.



Als ich über die deutsche Grenze fahre bin ich sehr erleichtert, dass nichts passiert ist. Die Tschechische Republik gehört zu den Ländern die an Deutschland grenzen. Da ich mit meiner Ape in allen gewesen sein möchte, gehört dieses Land nun mal dazu. Ich habe mein Ziel erreicht, darum geht es. Ein zweites Mal werde ich dieses Land auf keinen Fall besuchen. Ob mit Ape oder Auto- dieses Land wird mich nie mehr sehen. Es gäbe keinen einzigen Grund für mich dort noch mal hinzufahren.

In Oberwiesenthal angekommen wird kurz kräftig und erleichtert durchgeatmet und dann geht es auch schon weiter. Das Ziel ist Zwickau.

Kurz nach 19:00 Uhr treffe ich dort ein. Es ist schon lang stockduster.



Was ich zu sehen bekomme, sind Plattenbauten ohne Ende. Ich hab echt die Faxen dicke. Erst der Riesenreinfall mit Karlsbad und jetzt nur riesige Legebatterien. Das sich am Tage anschauen habe ich gar keine Lust. Ich suche die Altstadt auf und bin sehr angenehm überrascht. Schöne alte, renovierte Häuser in schöner Beleuchtung. Ein Lichtblick im Dunkeln. Die Kurve meiner Laune geht wieder leicht nach oben.

Da ich in den ganzen Tag über nichts gegessen habe, knurrt der Magen mächtig. Auf den Weg nach Karlsbad eine Pause einlegen und etwas zu Essen machen, das war mir zu gefährlich. Unterwegs dort irgend etwas zu essen kaufen oder in ein Lokal zu gehen, das mochte ich meinem Magen nicht antun. Wer seine Umgebung schon so zumüllt, der wird auch in der Küche alles mögliche an Krabbeltieren rumlaufen haben. Also habe ich lieber gehungert.

Für gute innere Stimmung sorgt dann dieser Italiener bei mir. Mehr als freundliche Begrüßung, erstklassiger Service und die Pizza vom Allerfeinsten. Ich bin hier rundum zufrieden und lasse es mir so richtig gut schmecken. Der Tag bekommt doch noch eine schöne Wende.




Nach dem Essen schau ich mir den Altstadtbereich noch ein wenig an. Was ich von dem Rest der Stadt im Dunkeln gesehen habe, das reizt mich nicht. Dieser Teil der Stadt ist sehr ansehnlich.





Da ich hier aber keine geeignete Stelle zum Schlafen sehe, fahre ich weiter. Grobe Richtung Erfurt. In Weida sehe ich dann dieses Hinweisschild, könnte interessant sein, die Osterburg.



Unterhalb der Burg befindet sich ein guter Parkplatz. Hier werde ich übernachten. Beim Einschlafen denke ich immer noch an die Tschechische Republik. Dieses Land hat mich echt geschockt.

Gefahren bin ich heute 197 Kilometer.

Freitag, 31. Oktober 2014

Ich stehe zeitig auf, habe wunderbar geschlafen. Die Wahl des Parkplatzes war gut. Die ganze Nacht über herrschte eine angenehme Ruhe.





Das Mäuerchen hinter der Ape erweist sich als eine praktische Ablage. Dusche aufgebaut, Wasser erwärmt und der Tag beginnt direkt mit guter Laune. Nach dem Frühstück geht es direkt hoch zur Burg.



Der Innenhof ist hübsch gemacht. Man sieht, dass hier viel getan wurde. Die Farbe wirkt noch einigermaßen frisch.





Da die Kasse noch nicht geöffnet hat, schau ich mir zunächst die Außenanlage der Burg an.





Der Park ist nicht sehr groß, aber interessant gestaltet.









Nun geht es ins Innere. Einige Räume sind zeitgemäß eingerichtet.







Ein kleines Museum gehört ebenso zur Burg.





Der Weg zu den Zellen









Blick vom Turm



Das Zimmer des Türmers





Meine Ape in der Ferne



Die Besichtigung der Burg ist höchst interessant und empfehlenswert. Ich verharre hier so einige schöne Stunden bis ich am frühen Nachmittag weiterfahre. Unterwegs eine kurze Rast, etwas essen in einem kleinen Restaurant und schon geht es weiter in Richtung Erfurt.



Obwohl es ein wenig bewölkt ist, das Wetter spielt mal wieder gut mit. Es ist trocken und für diese Jahreszeit relativ warm.



Erfurt ist erreicht.



Ich suche direkt die Innenstadt auf und bin begeistert.



Hier ist alles sehr gepflegt und sauber.







Die Fassaden der Häuser treffen auch hier voll meinen Geschmack.









Wenn man schon mal hier ist, muss man auch eine Thüringer Rostbratwurst essen.



Beim Verzehr beobachte ich die Menschen, die durch die Stadt gehen und merke gar nicht, dass es ruckzuck dunkel wird. Ich gehe in Richtung Altstadt. Was sich mir dort zeigt, haut mich regelrecht um.



Die Altstadt in Erfurt ist ein absoluter Traum.





Nicht nur die Beleuchtung ist raffiniert angebracht, auch die Gebäude sind einfach nur schön.









Nachdem ich die schöne Altstadt von Erfurt betrachtet habe, fahre ich ein Stück weiter in Richtung Heimat. Die Tour naht leider ihrem Ende. Ich fahre noch bis Dingelstädt und übernachte dort.

Samstag, 01. November 2014

Morgens ist es sehr erfrischend. Da man aber bei den vielen Touren, die ich bisher mit der Ape gemacht habe, Ansprüche zurückschraubt und abhärtet, macht mir das Duschen im Freien überhaupt nichts mehr aus. Selbst bei Temperaturen um den Gefrierpunkt bau ich mein Badezimmer auf und frühstücke anschließend auf einem Stuhl hinter meiner Ape. Luxus hat man zu Hause, den brauche ich hier nicht. 





Das Wetter ist herrlich und die Ape zieht gemütlich ihren Weg.



Zwischendurch tanken und im sehr günstigen Restaurant neben der Tankstelle kurz was essen...



... und weiter geht es.





Zu Hause angekommen steht der Kilometerstand des Tachos bei 36149. Ich habe bei dieser schönen Tour 2369 Kilometer zurückgelegt. Der Durchschnittsverbrauch lag bei 6,6 L / 100 km. Mit vollem Gepäck und der Dachbox ein akzeptabler Wert.

Mit Abschluss dieser Tour war ich nun in allen 10 Ländern die um Deutschland liegen, plus Italien. Die schönsten Länder waren für mich, in der Reihenfolge wie sie mir am besten gefallen haben:

01. Frankreich
02. Dänemark
03. Liechtenstein
04. Schweiz
05. Polen
06. Luxemburg
07. Österreich
08. Niederlande
09. Belgien
10. Italien
11. Tschechische Republik