August 2011 - Tour nach Paris

Freitag, 05.08.2011

Es ist endlich soweit. Wir, unser 11jährige Sohn Stephan und ich, können starten in eine Gegend, in der ich zuvor noch nie mit meiner Ape war und von der ich nicht weiß, was uns dort erwarten wird. Vorbereitet habe ich diese Tour etwa drei Wochen. Immer wieder zwischendurch notiert was mitzunehmen ist; was ich im Falle einer Panne benötige; im Internet nach Zwischenstationen gesucht, die es lohnt zu besichtigen; alles in schriftlicher und bildlicher Form ausgedruckt; die Ape über mehrere Tage gepackt bis alles endlich seinen logischen und richtigen Platz gefunden hat.

Da die Fahrt auch ein bisschen ins Ungewisse geht und ich nicht weiß, welche Straßenverhältnisse uns erwarten werden, entschließe ich mich dazu, die Ape hinten wieder höher zu legen. Ich habe geplant nur Landstraßen zu benutzen. Da die Ape mit dem Ausbau plus gesamten Gepäck ganz schön in die Knie geht, ist mir das Risiko, dass sie einen Schaden an der Hinterachse bekommen könnte, zu groß. Nach dem Höherlegen, zurück in den Originalzustand, stehen die Hinterräder trotzdem gerade und Federweg ist ausreichend vorhanden.

Die Gewissheit, die Fahrt wegen eventuell schlechter Straßen nicht abbrechen zu müssen, weil die Ape sonst Schaden nehmen könnte, beruhigt. Wie sich später zeigt, habe ich recht. Es gab Straßen, die waren absolut katastrophal und wären mit einer tiefergelegten Ape nicht  befahrbar gewesen.

Aber, erst zurück zum Beginn der Reise ...

Hier ein Foto der gepackten Ape:

 

Die Abfahrt beginnt um 13:30 Uhr bei Kilometerstand 2672. Der Tank sowie der Behälter für das 2-Takt-Öl sind randvoll gefüllt. Zur Reserve nehme ich noch einen 10-Liter-Kanister Benzin sowie einen 5-Liter-Kanister 2-Takt-Öl mit. Ich weiß nicht, wie das Tankstellennetz in den Ländern ausgebaut ist, die wir befahren werden und ob ich dort ohne Probleme 2-Takt-Öl bekommen werde. Deshalb nehme ich mir lieber einen Vorrat mit, um auf Nummer Sicher zu gehen.

Während der Fahrt notiert Stephan von Anfang an, mit Datum und Uhrzeit, unsere Position, damit ich diesen Reisebericht überhaupt schreiben kann. Wir werden so viele Orte durchfahren, die man namentlich gar nicht alle behalten kann.

 

Unser Weg führt uns durch den Kreis Wesel nach Geldern bis zum Grenzübergang nach Holland.



Wir fahren durch Venlo...

 

... und erreichen kurz vor 17:00 Uhr den Grenzübergang nach Belgien.

 

Hier fahren wir zunächst durch die Städte Vlaanderen,

 

sowie Ophoven,

 

und Maaseik.

 

In Dilsen-Stokkem treffen wir gegen 17:30 Uhr ein und entscheiden uns für eine kurze Rast. Wir trinken etwas und spielen eine Runde Auto-Quartett. Davon hat Stephan, neben seiner PSP, jede Menge mitgenommen. Und wie sich im Laufe der Reise zeigen wird, war dies eine kluge Entscheidung, da es manchmal für ihn zwischen den anzufahrenden Punkten doch recht langweilig wird und wir dann während der Fahrt über Land Quartett spielen, damit die 200 oder 300 zu fahrenden Kilometer für ihn erträglich sind. Schließlich ist er erst 11, weiß nicht auf was er sich gerade einlässt und soll diese Tour für immer in guter Erinnerung behalten. 

In Genk fahren wir an einem Händler vorbei und sehen, dass er große, steinerne Figuren und alte, eiserne Tore, Behälter und Dergleichen verkauft. Wir drehen wieder um, fahren dorthin, schauen uns seine interessanten Artikel an und schießen ein paar Fotos.

Der Weg führt uns weiter durch kleine Ortschaften bis zum Ort Heist op den Berg. Mittlerweile ist es nach 20 Uhr und der Magen knurrt. An einer Pommes-Bude halten wir an und bestellen uns etwas.

 

Die (Normal-)Portionen an diesem Stand sind derart riesig, dass wir es nicht schaffen alles zu essen. Ist zwar lecker, aber unmöglich das alles zu vertilgen.

Gegen 21:30 Uhr treffen wir bei unserem ersten Ziel ein - Antwerpen. Es wird schon langsam dunkel und wir fahren durch die Stadt. Es dauert nicht lang und sie zeigt sich uns im Licht der Laternen und Lampen. Ein sehr schönes Schauspiel aus Lichtquellen, Schatten und Reflektionen.

 

Gegen 23:00 Uhr haben wir eine geeignete Stelle zum Übernachten gefunden. Wir parken die Ape ein, bauen unser Nachtlager auf und der erste Tag unserer Reise ist vorbei. An Kilometern haben wir heute genau 247 zurückgelegt.



Morgen schauen wir uns Antwerpen an...

 


 

Samstag, 06.08.2011

Ich steh um 06:00 Uhr auf, Stephan schläft. Um ihn nicht zu wecken, krabbel ich aus dem Kasten und begebe mich in die Fahrerkabine. Hier ziehe ich die gestern gemachten Fotos und Filme des digitalen Fotoapparats auf den Laptop, ordne und beschrifte sie.

Es ist leicht bewölkt, aber trocken und warm. Gegen 09:00 Uhr wird Stephan wach. Wir frühstücken, gehen im Hallenbad duschen und fahren in Richtung Stadt um sie anzuschauen. Unser Nachtlager befand sich etwa 3 Kilometer vom Stadtkern entfernt.

Gestern, auf der Fahrt nach Antwerpen, fiel uns schon diese Trostlosigkeit der Straßen und Häuser in Belgien auf. Alles wirkt irgendwie traurig, verlassen, unliebsam behandelt. Man kann diese Wirkung schlecht beschreiben, man muss sie gesehen haben. Nirgendwo hat sich irgend jemand mal Mühe gemacht um eine Sache, sei es ein Haus, ein Vorgarten, öffentliches Gebäude, Pflanzbeete usw. derart zu gestalten, dass sich das Auge daran erfreuen könnte. Wir haben in ganz Belgien nur sehr, sehr wenige Blumen gesehen.

Da stehen Stadthäuser mit Balkonen- keine Blumenkästen. Da sind Einfamilienhäuser mit Gärten - keine Blumen. Da sind in den Städten Beete und Pflanzkübel - keine einzige Blume darin. Ganz selten mal sehen wir irgendwo Blumenampeln an Brücken oder Laternen. Dieser bunte Farbfleck sticht sofort ins Auge und wirkt dennoch irgendwie lieblos dahingehängt.

Dieses Bild zeigt sich uns im ganzen Land. Warum es so ist, kann ich nicht verstehen. Das gesamte Land wirkt auf mich grau in grau, absolut eintönig, traurig, depressiv.

Wir fahren in Seitenstraßen hinein um uns ein Bild der Stadt zu machen. Überall das gleiche Bild. Häuser und sonstige Gebäude sind ungepflegt, Straßen übersät mit Schlaglöchern, abgesacktem Kopfsteinpflaster, verunkrautet. Es ist, im negativen Sinne faszinierend, wie eine solch schöne Stadt wie Antwerpen, durch Lieblosigkeit wirkt, als wäre sie irgendwie tot.

Hier mal ein paar Fotos wie die Stadt sich dem Besucher zeigt. Die Stimmung finde ich persönlich sehr bedrückend:

Selbst das Schifffahrtmuseum zeigt sich bei Tageslicht im gleichen Grau wie der Rest der Stadt. Was im Dunkel angestrahlt faszinierend schön wirkt, zeigt sich am Tag als ein schmutziges, ungepflegtes und unliebsam behandeltes Gebäude.







Auch die Außenanlage, dieses eigentlich optisch sehr interessanten und von der Architektur her schönen Gebäudes, zeigt sich leider total vernachlässigt.

Das Museum selbst, der Eintritt ist hier frei, zeigt ein paar sehr interessante alte und neuere Schiffe sowie dazugehörende Accessoires.

Die einzige Ape, die ich in Belgien sehe, ist ein Werbeträger der an das Schifffahrtmuseum angeschlossenen Gaststätte.

Da sie nach Öffnen des Schankbetriebs nach draußen gefahren wird, stell ich meine daneben und Stephan macht ein Foto.

Nach Betrachten des Museums schauen wird uns die Innenstadt von Antwerpen an.

Die Stadt ist voller Gegensätze. So kam es mir jedenfalls vor. Auf der einen Seite bietet sie sehr schöne und höchst interessante Häuserfassaden, die sofort den Blick auf sich ziehen. Beim näheren Betrachten jedoch sieht man, dass sie leider total vernachlässigt werden. Fehlende Farbe, herausgebrochene Klinkersteine, abgebröckelter Putz und defekte Fenster scheinen niemanden wirklich zu stören. Obwohl die Häuser in der Stadt, wie in vielen anderen Städten ja auch, alle nebeneinander gebaut sind, hat jedes Haus sein eigenes Gesicht und vermutlich seine eigene Geschichte. Keins gleicht dem anderen. Obwohl es, vom äußeren Erscheinungsbild her, wild durcheinander wirken müsste, ist das Gesamtbild jedoch sehr schön anzusehen.

Hier mal ein paar sehr interessante und schöne Fassaden:

Die Weiterfahrt geht nach Brüssel. Auch hier findet der Besucher sehr schöne, alte Hausfassaden.

 

 

Da in ein paar Monaten wieder Weihnachten ist, hat man praktischerweise die Beleuchtung dazu im letzten Jahr direkt einfach hängen lassen:

Auf der einen Seite bietet Brüssel diesen alten Baustil, auf der anderen Seite auch höchst moderne Bauten. Riesige Glasbauten bestimmen ganze Straßenzüge. Man kommt sich vor wie in New York. Und obwohl sie so mächtig da stehen, hat man es irgendwie geschafft sie trotzdem nicht so erdrückend erscheinen zu lassen. Jedes dieser Gebäude enthält irgendwelche Besonderheiten, die es nicht einfach so als riesigen Klotz wirken lässt. Entweder hat der Architekt am Gebäude selbst interessante Blickpunkte mitgestaltet oder aber das Umfeld wurde so angelegt, dass trotz dieser mächtigen Größe das Gesamtbild harmonisch, sehr modern und überhaupt nicht erdrückend wirkt.

Wir fahren zum Atomium, schauen uns dieses an und machen ein paar Fotos:

 



Sonntag, 07.08.2011

Übernachtet haben wir auf einem Parkplatz mitten in der Stadt. Da das Fahren und Laufen durch die Stadt ganz schön anstrengend ist, haben wir bestens geschlafen. Da stört auch der morgenliche Autoverkehr überhaupt nicht.

Unser heutiges Ziel ist der Königliche Palast, den wir besichtigen möchten. Wir werden zunächst durch einen sehr kräftigen Regenschauer überrascht, der aber nur ein paar Minuten anhält. Danach kommt die Sonne sofort wieder raus und es wird mächtig warm. Um zu wissen, wann die Pforten des Palastes geöffnet werden, fahren wir dorthin und informieren uns. 

Da bis zum Öffnen noch knapp 2 Stunden Zeit sind, entschließen wir uns, direkt vor den Pforten des Königs unser Frühstück zu uns zu nehmen. Immer wieder kommen Touristen und sprechen uns an, vor allem Japaner. Sie sind erstaunt und fragen uns, was für ein Gefährt das ist mit dem wir unterwegs sind. Nach Erklären und Besichtigen unserer Ape ist man erstaunt über den Ausbau des Kastens, die Staumöglichkeiten und welch eine Reise wir noch vor uns haben. Vor allem die japanischen Touristen schießen viele Fotos von unserer Ape. Nun ist sie also auch in Japan bekannt. :))

Der Palast wird geöffnet und wir schauen ihn uns an. Eintritt wird nicht verlangt. Die ganze Bauweise und die riesigen Räume mit den ganzen Kostbarkeiten sind schon sehr beeindruckend. Hier ein paar Fotos:

Nach Besichtigen des Palasts fahren wir zu dem bekannten Männeken Pis. Die Figur ist absolut nichts Besonderes. Warum da nun immer so ein Thetaer drum gemacht wird, ist nicht zu verstehen. Aber ok, wir haben sie nun auch gesehen und gut ist es...

Wir lassen nun Brüssel hinter uns und fahren in Richtung Frankreich. Unterwegs schießen wir noch ein paar Fotos, u.a. von einem sogar äußerlich schon sehr ansprechendem Eckcafé.

Die Strecke führt uns durch sehr schöne Landschaften, malerische und kleine Dörfer sowie durch moderne Städtchen.

Da es Stephan etwas langweilig ist, beschließt er eine Runde zu schlafen.

Um 13:40 Uhr sind wir in Brüssel abgefahren und gegen 16:30 Uhr treffen wir an der französischen Grenze ein.

Wir fahren zunächst durch sehr schöne Landschaften und viele kleine Dörfer. Unser Ziel für heute ist zunächst die kleine Stadt Le Cateau Cambrésis.

Oft waren wir für längere Zeit ganz allein. Kein Auto und kein Mensch zu sehen. So wie auf den nächsten beiden Fotos zeigen sich uns sehr viele Straßen. Es geht einfach nur geradeaus. Bis zum Horizont verlaufen die Straßen einfach nur als gerader Strich. 

Um 17:30 Uhr kommen wir in Le Cateau Cambrésis an, schauen uns dieses schöne, kleine Städtchen an und setzen uns dann in ein Café um etwas zu trinken. Hier in paar Eindrücke dieser kleinen Stadt.

In dieses Eckcafé haben wir uns hineingesetzt und waren von der französischen Gastfreundschaft sehr positiv beeindruckt. Dieser Eindruck sollte sich später immer wieder bestätigen...

Die Kirche von Le Cateau Cambrésis.

Wir setzen unsere Fahrt fort nach St. Quentin. Auf dem Weg dorthin geht es wieder über gerade Landstraßen und durch malerische Gegend. Ich bin von dem Fahrverhalten der Franzosen sehr beeindruckt. Obwohl unsere Geschwindigkeit immer nur um die 45 km/h beträgt, wir dadurch natürlich die Langsamsten sind und den nachfolgenden Verkehr generell aufhalten, werden wir an Steigungen, unübersichtlichen Stellen, durchgezogenen Linien usw. nie überholt.

Grundsätzlich bleiben die Franzosen hinter uns, auch wenn es bergauf nur mit 20 km/h oder auch langsamer geht und üben sich solang in Geduld bis das Überholen erlaubt und / oder gefahrlos möglich ist. Und selbst beim Überholen hupen sie uns an, lächeln und winken uns kurz zu oder erheben ihren Daumen. Das Fahren dort macht unheimlich Spaß, da dort jeder auf den anderen Rücksicht nimmt und alle sich freundlich verhalten. 

Dass dieses vorbildliche und vorschriftsmäßige Fahrverhalten später in Paris genau ins Gegenteil umschlagen wird, dazu komme ich später... Paris wurde eine ganz andere Welt.

Dieses kleine Haus steht an einer Landstraße auf dem Weg nach St. Quentin. Die nächsten Nachbarn wohnen in beide Richtungen mindestens 10 km entfernt. Wie viele Häuser in Frankreich, hat auch dieses die französische Flagge an einem Mast. Franzosen scheinen sehr stolz auf ihr Land zu sein.

Gegen 20:00 Uhr treffen wir in St. Quentin ein und suchen zunächst eine Tankstelle. In ganz Frankreich treffen wir auf nur sehr wenige Tankstellen mit Personal, an denen man zunächst tanken und dann bezahlen kann. Meist ist es umgekehrt. Erst einen Betrag bezahlen, dann tanken, wieder zurück ins Tankhäuschen und sich den überschüssigen Betrag auszahlen lassen. Auf Frage sagt man mir, dass man so dem Tankbetrug vorbeugt, der wohl sehr häufig verbreitet war. 

Überwiegend trifft man auf Tankstellen ohne Personal, an denen man nur mit einer sog. Tankkarte tanken kann. Da ich dies aber nicht wusste und demzufolge keine solche Karte habe, hatten wir Probleme Benzin zu bekommen. Bevor ich an meinen Reservekanister gehe, will ich zuerst so versuchen an Benzin zu kommen. Mein Navi findet unendlich viele Tankstellen, alle aber nur mit Tankkarte. An der folgenden Esso-Tankstelle treffe ich auf einen netten Franzosen. Ich erkläre ihm mein Problem und er erklärt sich sofort dazu bereit, dass ich auf seine Karte meinen Tank vollmachen und ihm den Betrag in Bargeld geben kann.

Hier ein paar Eindrücke von St. Quentin.

Bevor wir nach Compiègne weiter fahren, stärken wir uns in einem Buffalo-Grill. Und wieder ein mal zeigt sich auch hier die französische (Gast-)freundschaft. Nachdem wir Platz nehmen, kommt die Bedienung und spricht uns logischerweise auf Französisch an. Auf Grund meiner noch aus der Schulzeit sehr umfangreichen Französisch-Kenntnisse, verstehe ich kein einziges Wort. Die Unterhaltung geht dann in englischer Sprache weiter und sie fragt uns, woher wir denn seien. Als ich ihr unsere Herkunft erkläre, fragt sie ganz erstaunt und sichtlich erfreut "Allemagne ?", und haut plötzlich ab. Zuerst bin ich erstaunt und weiß diese Reaktion nicht einzuschätzen. 

Nach etwa zwei Minuten kehren die Bedienung sowie der Chef des Ladens zurück und setzen sich zu uns. Sie erklären, dass sie sich sehr darüber freuen Gäste aus Deutschland begrüßen zu dürfen und möchten uns als Dank ein Geschenk machen. Stephan bekommt Buntstifte und Blätter zum Ausmalen, mir übergibt der Chef eine laminierte Speisekarte. Und als wenn das noch nicht reichen würde, geht der Salat auf Kosten des Hauses. Ich war einfach nur platt ! So etwas habe ich noch nie erlebt.

Nachdem wir uns den Magen vollgeschlagen haben und Stephan noch fit ist, fahren wir nach Compiègne um dort ein Nachtlager zu suchen.

 



Montag, 08.08.2011

Um 03:30 Uhr werde ich durch ein Unwetter geweckt. Es donnert, der Regen geht in Hagel über und trommelt auf die Ape. Ich habe Bedenken, dass das Blech verdellt werden könnte. Als ich aus dem Kasten steigen will, um etwas Überdachtes zu suchen, sehe ich das ganze Ausmaß des Unwetters. Die Straße ist weiß von Hagelkörnern, es blitzt und knallt alle paar Sekunden. Stephan merkt von all dem gar nichts. Er schläft fröhlich weiter.

So plötzlich wie das Unwetter kam, so plötzlich hört es auf. Ich steige aus dem Kasten, rauch eine Zigarette und betrachte die Ape. Keine Dellen. Also- weiter pennen.

Morgens nieselt es noch ein wenig. Mit Stephan schlafend im Kasten fahre ich nur ein paar Hundert Meter weiter und parke auf dem Gelände einer ausrangierten Tankstelle.

Hier nehmen wir das Frühstück zu uns, spülen das Geschirr und der Rundgang durch Compiègne kann beginnen.

Compiègne ist eine sehr schöne Stadt. Der Besucher findet hier wahre Prachtbauten, sehr gepflegte und bunte Grünanlagen, groß dimensionierte Straßen und Kreisverkehre in denen Blumen und Pflanzen aller Art blühen und gedeihen, aber auch kleine Nebengassen mit völlig unebenem Kopfsteinpflaster oder stark beschädigtem Asphalt in denen ich mit der Ape nur sehr langsam fahren kann. Alles in Allem ist Compiègne seinen Besuch absolut wert. Ich bin davon überzeugt, dass wir noch lang nicht alles gesehen haben was diese schöne Stadt zu bieten hat, aber wir haben ein anderes Ziel. Stephan will unbedingt nach Paris...

Hier einige Eindrücke dieser herrlichen Stadt:

Bis Paris ist es nicht mehr all zu weit und wir geben Gas. Auf dem Weg dahin kommen wir durch das urige Dorf Lacroix-Saint-Quen. Irgendwie scheint die Zeit hier stehen geblieben zu sein. Die Häuser sind sehr alt und an vielen Stellen stark reparaturbedürftig. Trotzdem ergibt das Gesamtbild eine gewisse Idylle und ist sehr schön zu betrachten. Wir legen einen kurzen Stopp ein, schauen uns die Örtlichkeit an und machen ein paar Fotos.

Großbritannien und Italien treffen im tiefsten Frankreich aufeinander:


Bevor wir, Stephan´s Traum -Paris- erreichen, zeigt sich uns Frankreich noch mal von der landschaftlich schönsten Seite. Wir durchfahren Gegenden in denen die Felder kein Ende zu nehmen scheinen, dann wiederum führt die Straße kilometerlang durch Waldgebiet und erneut fahren wir durch teils sehr kleine Dörfer, die nur aus ein paar Häusern bestehen.












Das Hauptziel unserer Reise kommt immer näher und ist nun in greifbarer Nähe. Stephan wird immer aufgeregter. Still sitzen ist nicht mehr drin; er fummelt mal hier, mal dort; erklärt mir Dies und Das von Frankreich; er redet ununterbrochen wie ein Wasserfall. Ich soll Hier und Dort schauen, was er gerade gesehen oder entdeckt hat - dabei wird der Verkehr immer dichter, hektischer und die Rücksichtslosigkeit nimmt zu. Von der bisher kennengelernten, französischen Gelassenheit, ist ab sofort nichts mehr zu spüren. Der Kampf um die eigene Fahrspur beginnt schon kilometerweit vor Paris - und das mit einer Ape ! Dem schnellsten und sichersten Fahrzeug überhaupt ! Mir wird manchmal echt Angst und Bange. Ich hoffe, dass wir beide da heil rein- und auch wieder rauskommen werden.

Wir fahren auf einer leicht erhöht liegenden Straße in Richtung Stadt und dann zeigt sich uns der Blick auf diese gewaltige Kulisse - Paris ! Was für eine gewaltige Stadt ! Schon von Weitem sind hochragende Bauten zu erkennen, die sich über den ganzen Horizont erstrecken. Egal wohin man schaut - man sieht nur Paris. Ein wirklich faszinierender Anblick.



Da das Fahren auf dieser Straße mit 45 km/h glatter Selbstmord wäre, "rase" ich mit gewaltigen 55 km/h auf Paris zu.

Für uns die ganze Zeit durch Bäume verdeckt, zeigt er sich uns endlich in seiner ganzen Pracht - der Eiffelturm - das Wahrzeichen Frankreichs !



Bei diesem Anblick verschlägt es Stephan nun komplett die Sprache. Keinen einzigen Ton bringt er mehr hervor. Ganz still und andächtig sitzt er neben mir, rührt sich kein bisschen und blickt mit seinen Kinderaugen in Richtung Eiffelturm. Ich beobachte ihn während der Fahrt heimlich und merke, dass sich für ihn ein Traum erfüllt hat. Nun weiß er mit aller Gewissheit, dass wir wirklich gleich in Paris sind. Richtig andächtig schaut er nur noch in Richtung Eiffelturm, sagt keinen Ton und spielt vor Nervosität mit seinen Fingern. Ihn so zu beobachten war schon rührend.

Wir fuhren immer weiter in Richtung Stadtkern.



Auf dem Weg dorthin zeigen sich uns schon die ersten bekannten Gebäude Paris'.



Der Verkehr wird immer dichter...



Im Hintergrund der Triumpfbogen.



Wir durchfahren sehr schöne Straßenzüge mit interessanten Häusern.




Das Durchfahren eines Kreisverkehrs mit anschließendem Rausfahren findet augenscheinlich irgendwie ohne jede Art von Verkehrsregeln statt. Da werden die Fahrstreifen gewechselt, wenn überhaupt welche markiert sind; da wird von links nach rechts und wieder links gefahren, um an anderen vorbei zu kommen; da wird von außen direkt zur Mitte reingefahren um dann im rechten Winkel wieder nach rechts abzubiegen. Es ist das absolute Chaos. Für uns Deutsche hat es zunächst den Anschein, als wenn sich ein wild gewordener Ameisenhaufen hinter das Lenkrad eines jeden Fahrzeugs gesetzt hat und nun versucht da irgendwie durch zu kommen. Augenscheinlich wird dort völlig rücksichtslos gefahren.

Hat man aber erst ein mal ein paar große Kreisverkehre durchfahren, so gewöhnt man sich sehr schnell an diese Fahrweise und erkennt, dass nicht der Stärkere, sondern der Schnellere Vorfahrt hat. Und genau das ist die Chance für meine völlig untermotorisierte Ape ! Wenn ich schon nicht durch Schnelligkeit, auf Grund der schwachen Motorisierung, gewinnen kann - dann durch Dreistigkeit ! Und es klappt wunderbar. Plötzlich bin auch ich einer unter ihnen, der auf alle gelernten Regeln der Straßenverkehrsordnung pfeift und sich mit Gewalt durchkämpft. Es macht so einen Spaß diese Kreisverkehre zu durchfahren, dass wir manchmal einfach aus Jux zig Runden drehen, nur um in diesem anscheinenden "Chaos" mitspielen zu dürfen, was in Wirklichkeit aber gar keins ist.

Das Einzige, das wirklich erforderlich ist - Aufmerksamkeit, erkennen wer zuerst da ist und die Vorfahrt gewähren. Das Bestehen auf sein Recht, wie es ja so typisch Deutsch ist - fehl am Platze. Macht man es, gibt es Blechschaden. Ich habe in ganz Paris, und das ist ja nun mal eine Weltstadt mit wahnsinnig viel Verkehr, nur einen einzigen Unfall gesehen. Da trafen sich ein Deutscher und ein Italiener, zum Schieflachen !

Wir beobachten, wie die Rollerfahrer, und davon gibt es unendlich viele in Paris, einfach durch "Lückenspringen" vorankommen. Da braucht kein Rollerfahrer abbremsen, um die nächste freie Lücke zu erwischen. Die Autofahrer machen es. Kommt ein Roller von der Seite, dann wird ihm einfach Platz gemacht. Steht ein Bus quer im Kreisverkehr um abzubiegen - und mit quer meine ich wirklich quer, weil er von der Mitte heraus im 90-Grad-Winkel nach rechts abbiegen will, dann hupt keiner und niemand regt sich auf. Es wird abgebremst, gewartet und ihm Platz gemacht. Ist er weg, dann wird wieder Vollgas gegeben um vor dem Anderen zu sein. Wer zuerst kommt, der hat Vorfahrt. Der Zweite akzeptiert das einfach. Egal wie groß sein Auto ist, welche Marke er fährt, wieviel PS er hat - alles völlig uninteressant. Und so bin auch ich sehr oft als "Sieger" da rausgekommen.

Das ganze Fahren dort wirkt total chaotisch, hat aber irgendwie doch ein System. Ich bin stark beeindruckt von den Franzosen was das Auto fahren angeht. Bei Überlandfahrten die Rücksicht in Person was Verkehrsregeln angeht, in Paris der absolute Chaot, der aber trotzdem die Sache fest in Griff hat und dem Ersten und auch Schwächeren immer Vortritt lässt.

Das Rotlicht an Fußgängerampeln zählt nur dann wenn ein Auto kommt. Kommt keins - dann wird die Straße überquert. Hat man die Geschwindigkeit eines Autos doch unterschätzt oder es übersehen, der Autofahrer bremst einfach ab und besteht nicht auf sein Grünlicht. Kein Hupen, kein Schimpfen. Dass dies dort wohl die Regel ist, hat man nicht nur an den zivilen Leuten gesehen, die Polizei macht es vor. Auch sie ging bei Rotlicht rüber oder störte sich nicht daran, wenn die Leute es vor ihren Augen taten. Irgendwie eine verkehrte Welt dieses Paris - aber sie funktioniert bestens !



Ape Calessino sah man in Paris an allen Ecken. Damit werden die Touristen durch die Stadt gefahren. Wir haben drauf verzichtet, waren ja selbst mit einer Ape dort.



Nachdem wir uns durch das ganze Chaos gewühlt haben, stehen wir endlich vor dem Eiffelturm ! Stephan strahlt ohne Ende und wir suchen schnell einen Parkplatz, um ihn uns ganz aus der Nähe anschauen zu können. Wie sehr er sich freut, kann man an seinem strahlenden Gesicht gut erkennen.



Wir finden einen Parkplatz, keine 200 Meter vom Eiffelturm entfernt.



Selbstverständlich müssen wir sofort dorthin, um ihn aus allernächster Nähe endlich betrachten zu können.



Der Eindruck ist schon enorm von diesem riesigen Gewirr aus Eisen.  Die Gesamthöhe beträgt 324.82 Meter. Für die Öffentlichkeit zugängliche Plattformen befinden sich auf 57, 115 und 276 Metern Höhe. Die Gesamtmasse des Turms beträgt etwa 10.000 Tonnen Stahl. Der Turm wurde in der Zeit vom 28. Januar 1887 bis zum 31. März 1889 für die Weltausstellung anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der französischen Revolution erbaut.



Hier ein Foto genau mittig unter dem Eiffelturm.



Welch eine Menschenmenge dort versammelt ist, kann ein Foto gar nicht wiedergeben. Wie viele Hundert Leute sich unter und am Eiffelturm versammelt haben, kann ich gar nicht abschätzen. Man hört Sprachen aus der ganzen Welt und begegnet Menschen aller Hautfarben.



Auf einer Stufe zur Seine sitzen mehrere Künstler die mit ihrem Talent Gesichter zu malen, Geld verdienen. Von dem ursprünglich geforderten Preis, 60 Euro für das Malen Stephan´s, einigen wir uns auf 20 Euro.



Das Ganze dauert etwa 15 Minuten und das Ergebnis ist verblüffend. Das Bild wird einen Ehrenplatz erhalten.

Es steht fest, dass wir diesen Ort heute nicht mehr verlassen werden. Der Rest des Tages wird dem Eiffelturm und seiner Umgebung gewidmet. Es geht sogar soweit, dass wir auch in seiner Nähe schlafen werden; und zwar auf dem Parkplatz auf dem jetzt schon die Ape steht. Morgens aufstehen, die Klappe des Kastens öffnen und sofort den Eiffelturm im Blick haben. Das ist Stephan´s Wunsch und so wird es gemacht ! 

Kaum dass der Künstler mit dem Bild fertig ist, ziehen schwarze Wolken auf und es gibt einen kurzen, aber kräftigen Schauer. Er dauert nur wenige Minuten, die Sonne kommt sofort wieder heiß hervor und zeichnet einen wunderschönen Regenbogen hinter den Eiffelturm.

Wir erkunden den Platz der sich gegenüber dem Eiffelturm befindet, dem Palais de Chaillot.



Die Wasserspiele sind gigantisch und wechseln in Abständen.

Überall um den Eiffelturm herum finden sich Stände die Essen, Trinken sowie Souvenirs anbieten.

Die Stufen hinauf zum Palais de Chaillot.

Der Eiffelturm vom Palais de Chaillot aus betrachtet.

Dies ist nur ein Ausschnitt der großen Anzahl Ape Calessino die man in Paris antrifft.

Je später und dunkler es wird, desto prächtiger zeigt sich uns der beleuchtete Eiffelturm. Die Krönung ist ein wahres Blitzlichtgewitter in das sich der Eiffelturm zu später Stunde hüllt. Eine unendliche Vielzahl kleiner Scheinwerfer, die überall an ihm montiert sind, ließen ihn in einem schönen Lichtspiel erstrahlen. Dieses Spektakel habe ich nicht fotografiert, sondern gefilmt. Aus dem Grund kann ich davon kein Foto einstellen.

Einen Film dazu, wie das Ganze ausschaut, habe ich bei youtube gefunden. Hier der Link: Blitzlichtgewitter am Eiffelturm

Bei Dunkelheit wirkt der Eiffelturm durch seine schöne, goldfarbene Beleuchtung schon recht imposant.

Die Zuckerwatte zur Nachtzeit muss dann auch noch sein.

Kurz vor Mitternacht legen wir uns zum Schlafen in den Kasten. Wir parken maximal 15 Meter von einem Karussell entfernt, das immer noch seine Runden dreht und seine Musik dudelt. Ein Geleier ohne Ende und alle Musikstücke klingen irgendwie gleich. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, schlafen wir beide sofort ein. Der Tag war doch sehr anstrengend.

 



Dienstag, 09.08.2011


Heute werden wir den Eiffelturm hinauffahren; und zwar bis auf die obere Plattform. Wir werden Paris aus einer Höhe von 276 Metern genießen. Aufgestanden sind wir relativ früh. Ich um 06:00 Uhr und Stephan um 08:15 Uhr. Ausgeschlafen war er nicht, aber diese Neugierde und Freude endlich oben auf dem Eiffelturm zu sein, ließ ihn raketenartig aufstehen als ich ihn weckte. Waschen, Anziehen und Essen war ein einziger Arbeitsvorgang. Er konnte das folgende Erlebnis nicht mehr erwarten.

Von meinem Aufstehen bis zu seinem Wecken verbrachte ich die Zeit damit, was ich übrigens jeden Morgen so machte, die Fotos und Kurzfilme von dem digitalen Fotoapparat auf den Laptop zu ziehen, sortieren und nummerieren. Da ich jeden Tag Unmengen an Fotos mache, am Ende werden es rund 2.500 sein, ist dies natürlich schon richtige Arbeit.

Zunächst gilt es aber rechtzeitig am Ticket-Schalter einzutreffen. Schon gestern sahen wir, dass dort Hunderte Menschen anstehen und die Wartezeit mehrere Stunden ist. Und obwohl wir schon so früh da sind, lang vor der Öffnungszeit, besteht die Warteschlange schon aus mindestens 200 Menschen. Aus mir heute noch unerklärlichen Gründen, wir schlendern so die Warteschlange entlang und unterhalten uns, stehen wir plötzlich ganz vorn. :))




Keine 15 Minuten, und wir stehen vor dem Aufzug.



Um nach ganz oben zu kommen, wird man zunächst bis zur zweiten Plattform gefahren und steigt dann in einen anderen Aufzug um.



Meine Ape kann ich von oben auch gut erkennen. Sie ist rot eingekreist.



Hier ein Blick auf die Stadt von der Spitze des Eiffelturms. Das live zu sehen ist schon sehr beeindruckend.







Zwei "Beine" des Eiffelturms mal aus einer anderen Sichtweise.



Retour von der Spitze fahren wir bis zur zweiten Plattform und gehen dann zu Fuß die Treppen herab. Diese Aussicht war schon enorm, diese Höhe erst recht. Stephan ist voll begeistert. Der Besuch des Eiffelturms war also ein absoluter Volltreffer !

Im Anschluss daran fahren wir durch Paris und gehen teils zu Fuß. Hier ein paar unkommentierte Fotos dieser schönen Stadt.

Am Nachmittag kommen wir in Versailles an. 



Unser Ziel ist hier natürlich die Besichtigung des gewaltigen Schlosses. Wir fahren also durch dieses nette Städtchen durch und auf einer großen, breiten Straße direkt auf das Schloss zu. Der Anblick ist schon imposant.

Zunächst schauen wir uns den äußeren Teil des Schlosses an, was schon genug Zeit in Anspruch nimmt. Diese gigantische Größe, unendlich viele und in der Sonne strahlende, goldene Verzierungen ziehen schon sehr den Blick auf sich. Wenn man so bedenkt, in welch einer Zeit dieses Schloss gebaut wurde und der Rest der Menschen mehr schlecht als recht lebte, dann steckt schon ein bisschen Wahnsinn darin.

Hier ein paar Fotos der Front des Schlosses.

Über die Räumlichkeiten des Schlosses braucht man nicht viel zu schreiben, die Fotos sagen genug. Leider kann ein Bild nicht das wiedergeben was sich dem Besucher in der Realität zeigt. Man sieht immer nur einen kleinen Ausschnitt.

Egal, welchen Raum man in diesem Schloss betritt, man wird immer durch die Größe und Höhe der Räume, durch überall leuchtend goldene Verzierungen, durch die unendliche Anzahl sehr schöner Gemälde an den Wänden und Decken regelrecht erschlagen. Prunk wohin das Auge schaut. Wenn sich heute so manche als Künstler bezeichnen, weil sie irgendwelche bunten Striche auf Leinwände malen oder sprühen und glauben, dass ihr Werk Kunst sei, die sollten sich mal nach Versailles begeben. Dort waren wirkliche Künstler am Werk. Ob das nun Maler, Steinmetze, Weber oder sonstige Gesellen waren, alles ist perfekt, makellos und stimmt und passt bis ins kleinste Detail. So etwas bezeichne ich als wirkliche Kunst. Alles andere wirkt dagegen laienhaft, oftmals vielleicht sogar lächerlich oder peinlich.

Führungen finden in dem Schloss nicht statt. Man bekommt einen Apparat, ähnlich einem Handy, und zu jedem Raum bekommt man die wichtigsten Details oder die geschichtlichen Zusammenhänge bestimmter Gegenstände gut und leicht verständlich erklärt.



























Nach der Besichtigung geht es weiter in Richtung Luxemburg. Wir wollen aber nicht einfach durchfahren, sondern uns auf dem Weg dorthin einige weitere Dinge anschauen. Nur einfach durch ein Land zu fahren um hinterher die Landstraßen als Erinnerung mitzunehmen, erscheint mir unpassend. Unser nächstes Ziel ist also die Stadt Reims mit der schönen "Basilique St. Rèmi de Reims". Um dort hin zu gelangen, gilt es aber erst einmal wieder rund 170 Kilometer zu fahren. Erreichen werden wir dieses Ziel aber erst morgen.

Wie uns die bisherige Erfahrung zeigt, wird uns auch diesmal garantiert wieder schöner, französischer Flair in Form von Städten und malerisch, schönen Dörfern präsentiert werden. Und darauf freuen wir uns...

Das erste kleine Städtchen, mit alten und urigen Häusern, welches wir passieren, ist Viroflay.






Obwohl in Frankreich, wie es ja auch in Belgien festzustellen war, viele Häuser sehr alt und oft einen Anstrich nötig hätten, wirken sie in Frankreich trotzdem angenehmer. Die französischen Häuser geben mehr unterschiedliche Farbtöne her, Blumen- und Planzbeete sind liebevoll gestaltet und gepflegt. Insgesamt bin ich von Frankreich, dem Land sowie den Menschen, absolut positiv beeindruckt. Es macht Spaß und Freude durch dieses Land zu fahren.

Auch bin ich froh darüber mit der Ape und nicht mit dem Auto unterwegs zu sein. Das, was wir durch die Überlandfahrten zu Gesicht bekommen haben, wird man mit einem Auto nie zu sehen bekommen. Meist fährt man ja auf die Autobahn um zum Ziel zu kommen. Alles das, was sich bis zum Ziel als schön und interessant gezeigt hätte, bleibt für immer im Verborgenen. Zu Hause angekommen wird man dann zwar schwärmend von seinem Urlaubsort berichten können. Was Frankreich aber wirklich an schöne Landschaften auf den Weg dorthin zu bieten hat, erfährt man nie. Man kennt dann zwar einen Ort, aber nicht das Land. Und genau das haben wir auf unserer Tour ausreichend kennen, lieben und schätzen gelernt - das Land Frankreich.

Mit entscheidend für diese Eindrücke ist natürlich auch die geringe Reisegeschwindigkeit, die immer um nur 45 km/h liegt. Zu Betrachtendes huscht nicht an uns vorbei, man kann mal eben kurz stehen bleiben und umdrehen, wenn man etwas Interessantes gesehen hat. Die Ape ist ja so wendig, dass sie sich ja bald auf der Stelle wenden lässt.

Sicherlich könnten wir auch einfach immer nur zum nächsten Zielort fahren. Wir halten aber sehr oft außerplanmäßig an, um uns Schönes näher zu betrachten. Wir haben ja Zeit... Und wird die Zeit am Ende knapp werden, dann wird in Deutschland etwas von der Tour gekappt, hier auf keinen Fall. Dazu ist es hier viel zu schön.

Der nächste Ort, der sich uns zeigt, ist Chaville.

Auf Wunsch von Stephan kehren wir hier bei McDonald´s ein und nehmen etwas zu uns. Man sieht am Kennzeichen der Ape, die vor dem Laden steht, aus welchem Land wir kommen. Kaum, dass wir den Laden betreten, ist sie wieder da - diese unheimlich offene und nette Gastfreundschaft. Die Belegschaft ist bemüht uns zu zeigen wie sehr wir willkommen sind. Was man an deutschen Vokabeln kann, wird unbedingt hervorgebacht. Auf Französisch oder Englisch fragen sie mich dann, ob es richtig ausgesprochen wurde. War es falsch betont, muss ich ihnen erklären wie es richtig gesprochen wird. Ein deutscher Sprachkurs bei McDonald´s in Frankreich !

Als wir mit Essen fertig sind, verabschiedet man uns in deutscher Sprache und wünscht uns noch eine gute Fahrt.

Wir fahren weiter bis nach Fontenay-Trésigny. Dort finde ich eine geeignete Stelle zum Übernachten an einem Hotel. Wir bauen unser Nachtlager auf, reden noch ein wenig über die Erlebnisse und Eindrücke des Tages und dann schläft Stephan friedlich in meinem Arm ein.

Bisher haben wir knapp 900 Kilometer hinter uns und jeder davon war ein Genuss. Ich hoffe, dass es so weitergehen wird.

 


 

Mittwoch, 10.08.2011

Die Nacht war spannend, sehr spannend. Unsere Luftmatratze hat sich verabschiedet. Irgendwo hat das Teil ein Loch. Ich pumpe sie um 03:00 Uhr und um 05:00 Uhr erneut auf. Um 06:00 reicht es mir. Ich sortier alle Knochen und steh auf. Stephan scheint das Ganze nichts auszumachen. Er schläft in aller Seelenruhe weiter. In der Zeit, bis er wach wird, setz ich mich nach vorn, schmeiß den Laptop an und archiviere Fotos und Filme.

Mit einem Belgier, der an die Ape kommt um zu schauen, unterhalte ich mich. Er kann kein Deutsch und kein Englisch, ich kein perfektes Französisch. Trotzdem versteht jeder was der andere meint.

Gegen 10:30 h ist es dann soweit, Stephan´s Tag beginnt.

In einen, um die Ecke liegenden Supermarkt mit Bäckerei, gehen wir einkaufen und besorgen uns u.a. Croissants.

Nach Waschen, Auf- und Umräumen geht es dann weiter.

Hier ein Foto der typisch, französischen Landstraßen. Gerader Verlauf bis in den Horizont hinein. Die längste, so verlaufende Strecke, war 122 Kilometer lang. Über 100 Kilometer nicht eine einzige Kurve.

In Courtacon machen wir einen kurzen Halt um endlich mal Fotos eines französischen Friedhofs zu machen. Wir sind schon an einigen vorbeigefahren, die alle in der Art wie dieser ausschauten.

Nur ein paar hundert Meter weiter finden wir ein verlassenes Haus mit angrenzenden Turm. Welche Funktion er mal hatte, können wir nicht ersehen. Da alles vernagelt, bzw. verschlossen ist, können wir auch nicht das Innere erkunden, was bestimmt ganz interessant wäre.





Hier ein paar Aufnahmen wie sich uns die Landschaft in ganz Frankreich zeigte.





Typischer Kilometerstein an der Landstraße. Nicht einfach angemalt oder an Leitpfosten gedübelt. Hier sind sie oftmals schon kleine Kunstwerke.

Wir kommen in ein sehr idyllisches Dorf namens Baye. Jeder Straßenzug und jedes Haus hier sind wahre Augenweiden.

Nach einer Kurve zeigt sich uns ein superschönes, kleines Schloss. Wir halten natürlich an, um uns das näher zu betrachten. Ein ganzer Trupp Engländer befindet sich auch dort. Ich finde einen an das Haupttor angebrachten Zettel auf dem steht, dass Führungen nur ab einer Personengruppe von mindestens 20 Leuten stattfinden. Ich spreche die Engländer natürlich an, um auch bei ihnen das Interesse an einer Besichtigung zu wecken. Schließlich möchten wir uns dieses schnuckelige Schlösschen auch anschauen. Vermutlich kann keiner von denen ein französisches Wort und deshalb verstehen sie den Inhalt des Hinweiszettels auch nicht.

Ich setze mich mit der Besitzerin des Schlosses in Verbindung und mache eine Führung klar. Und nachdem ich das alles getan habe, meinen diese Engländer plötzlich, dass sie doch kein Interesse daran haben und weiterfahren werden. Jeden Einzelnen hätte ich am liebsten in dem Wassergraben ersoffen.

Was für Vollpfosten ! Inselluft scheint wirklich nicht positiv für die geistige Entwicklung zu sein. Hatte ich eine Wut... Alles, was man so an Vorurteilen gegen Engländer hört, hat sich hier voll bestätigt- zumindest bei dieser Gruppe.

Nachdem dann klar ist, dass es nichts mit der Führung werden wird, haben wir wenigstens so ein paar Fotos geschossen und sind dann weiter gefahren.

Am späten Nachmittag treffen wir in Épernay ein, einer kleinen Stadt in einem Weinbaugebiet Frankreichs und eines der Hauptzentren der Produktion von Champagner. Dass diese Stadt damit gut Geld verdient, kann man ihr ansehen. Viele, hochwertige Häuser, edle Gehwege mit sehr aufwändiger Pflasterung sind nur zwei Beispiele für diesen schönen Fleck. Wohin man sieht, es ist immer alles sehr prunk- und geschmackvoll angelegt.

Bevor wir unseren nächsten Punkt, die Stadt Reims, anfahren, entscheiden wir uns für eine kleine Pause in der Nähe von Champsfleury und teilen uns eine komplette Wassermelone die als Mahlzeit dient.

Gegen Abend kommen wir in Reims an. Sofort steuern wir in Richtung "Basilique Saint-Remi".

Sie ist groß, nicht gerade im besten Zustand, aber imposant und sehenswert. Hier einige Impressionen.

Der kleine, gelbe Punkt vor der riesigen Tür ist Stephan.

Vermutlich fand hier vor Kurzem eine Trauung statt. Der ganze Boden ist noch übersät mit Papierherzen. Fegen ? Nicht notwendig. Hat sich die nächste Hochzeitsgesellschaft die Schnibbelei erspart...

Auf unserer Weiterfahrt, zwischen Cernay-Les Reims und Stenay, fangen wir wieder ein paar schöne Blickpunkte mit unserem digitalen Fotoapparat ein.










Als es schon dunkel ist, kommen wir in ein Dorf, das Stenay heißt. Hier sind ein Stellplatz für Wohnmobile sowie ein Yachthafen ansässig. Im Vorbeifahren sind wir von der stimmungsvollen Beleuchtung dieses Dorfes derart begeistert, dass wir beschließen unsere Nacht hier zu verbringen. Mit Erlaubnis des Platzwarts gehen wir duschen. Danach stellen wir unsere Ape auf einen Parkplatz direkt am Yachthafen ab und schauen uns das Dorf an. Fische sind zu hören, die etwas an der Oberfläche fangen und eine riesige Wasserratte schwimmt direkt vor unseren Augen an das andere Ufer.

Das Ganze wirkt so romantisch, dass wir uns bei unserem Rundgang nur sehr leise unterhalten. Es herrscht hier eine Totenstille, nur ein paar Tiere sind ab und zu vom Wasser her zu hören und wir als Gäste möchten wegen unserer Unterhaltung nicht alle anderen aus dem Bett holen. Stephan ist von dem Anblick genauso begeistert wie ich. Er flüstert manchmal so leise, dass ich ihn kaum verstehe.

Um das traumhafte Erscheinen dieses Dorf bei Nacht festzuhalten, hole ich das Stativ aus der Ape und fotografiere mit Langzeitbelichtung.








Kurz bevor wir uns in unser Schlafgemach betten wollen, erscheint aus dem Nichts plötzlich ein älterer Herr. Er ist über das Erscheinen einer Ape hier augenscheinlich sehr erfreut und erstaunt. Was er so von sich gibt, verstehe ich zunächst nicht. Wie sich herausstellt, ist er Italiener der hier mit seinem Wohnmobil Zwischensation macht.

Obwohl keiner von uns die Sprache des anderen spricht, unterhalten wir uns noch fast eine Stunde über das Thema Ape. Da ich ja noch ein bisschen Französich kann, Englisch sowieso und manche Wörter in allen Sprachen irgendwie gleich sind, klappt die Unterhaltung bestens. Ich erfahre, dass er aus der Gegend kommt in der die Ape gebaut wird und dass sein Bruder bei Piaggio in der Vespa-Abteilung tätig ist.

Des Weiteren freut er sich so über das Italien-Schild in meiner Ape, dass er sie streichelt und küsst. Total abgefahren, der Typ ! Zum Abschied reichen wir uns die Hand und er drückt mich, weil er sich darüber freut, dass ein Deutscher mit einem italienischen Gefährt solch eine Reise macht und wünscht uns alles Gute.

Als wir uns hinlegen, schlägt die Kirchenuhr zwölf mal. Stephan beschwert sich, dass er nicht schlafen kann, da sie so laut ist. Da muss ich erst mal loslachen. In Antwerpen, Brüssel und Paris haben wir an Straßen geschlafen an denen ständig Verkehr war. Und hier bei dieser Totenstille stört ihn eine Uhr.

Er muss dann selbst über seinen Satz lachen und schläft auch direkt ein...


Donnerstag, 11.08.2011

Mitten in der Nacht, es ist so gegen 07:30 Uhr, werde ich von ankommenden Autos und Stimmen geweckt. Irgend etwas ist draußen los. Erst lausche ich noch was es sein könnte und bleibe liegen. Dann aber treibt mich die Neugierde doch aus den Federn und ich steh auf.

Der Blick aus dem Kasten beim Aufstehen.



Ich stelle fest, dass wohl das halbe Dorf auf den Beinen ist um in einem Café, das nur ein paar Meter von uns entfernt ist, zu frühstücken. Es ist höchst interessant dieses Treiben zu beobachten das schon zu früher Morgenstunde beginnt und für das die Franzosen ja bekannt sind. Französische Lebensart pur direkt neben meiner Ape. Fotografiert habe ich das nicht. Ich bin mir nicht sicher, wie das bei den Leuten ankommt und deshalb lass ich es sein. Womöglich sehen sie es als Beleidigung an und das muss nicht sein.

Da Stephan noch tief schläft...



...erkunde ich die nähere Umgebung bei Tageslicht und halte das Gesehene mit der Digi fest. Das Dorf zeigt sich am Tag genauso schön wie bei Nacht.



Bevor wir unsere Fahrt in das nur noch 85 Kilometer entfernte Luxemburg fortsetzen, drehen wir mit der Ape eine Runde durch Stenay. Es sind kaum Leute auf der Straße zu sehen. Aber die, die uns begegnen, grüßen uns durch Nicken oder Winken. Ein schönes, kleines Dorf mit netten Menschen.



So, wie dieser Kreisverkehr, gibt es unendlich viele in Frankreich. Sie sind entweder mit einem Meer an Blumen in allen Farben und Größen bestückt, man findet blühende Sträucher und Bäume oder ein Mix aus allem was blüht; oder aber es sind Obstbäume oder Weinreben angepflanzt. Manchmal möchte man einfach nur so ein paar Runden dort fahren, um auch alles zu sehen was sich darbietet. Franzosen haben wirklich ein geschicktes Händchen für so etwas.



Bevor wir die Grenze zu Luxemburg erreichen, fahren wir noch durch einige, kleine Dörfer durch.











Um exakt 14:38 Uhr stehen wir ein paar hundert Meter vor der luxemburgischen Grenze, schießen ein letztes Foto von der französischen Seite und verlassen schweren Herzens dieses wunderschöne und prächtige Land das uns in dieser Form bisher noch nicht bekannt war und welches ich nun sehr zu schätzen weiß. Wir hätten noch Wochen dort herumfahren können. Traumhafte Gegend, sehr nette Menschen, sympathische Kultur. Ich werde dort garantiert nicht das letzte Mal gewesen sein.

Au revoir, la France !



Kaum, dass wir Frankreich verlassen und in Luxemburg sind, erwischt es uns in Petagne eiskalt. Die Ape gibt ihren Geist auf, wir müssen an einer stark befahrenen Straße rechts ran, von hinten nähern sich Autos ohne Ende, kein Seitenstreifen, wir blockieren den rechten. Kein Starten mehr möglich. Wir sind mitten im Verkehr gefangen und ich rechne jeden Augenblick damit, dass es kracht. Ganz knapp nur fahren die Autos an uns vorbei. Der unplanmäßige Stopp war einfach zu plötzlich und auch für den nachfolgenden Verkehr nicht vorhersehbar. Mir wird Angst und Bange, dass uns gleich einer in die Ape knallt. Ich drück Stephan die Sicherheitsweste in die Hand und schmeiße ihn rechts raus. Panik steht in seinen Augen. Er weiß in welch gefährlicher Situation wir gerade sind. Wenn es schon unbedingt knallen soll, dann soll er wenigstens heil da rauskommen.

Ich nehme auch die Sicherheitsweste für mich, schnapp das Warndreieck und spring rechts aus der Ape raus. Links geht es nicht. Dort sausen die Pkw und Lkw zu knapp an der Ape vorbei. Schon das Öffnen der Tür hätte wohl zu einem Unfall geführt. Wir sind draußen, uns kann nichts mehr passieren, die Ape ist mir völlig egal. Was bin ich froh, dass ich die Dinge für den Notfall so logisch und griffbereit gepackt habe und nicht erst an den Kasten muss um sie heraus zu holen ! Das wäre Eigengefährdung en masse gewesen und hätte viel Zeit in Anspruch genommen.

Soll meinetwegen ein Lkw die Ape zusammenschieben. Die Hauptsache ist, dass uns nichts mehr passieren kann. Wir sind in Sicherheit... 

Ich will gerade einen Blick unter die Ape werfen, da sehe ich auch schon, dass das Kabel von der Zündspule zur Zündkerze vor sich hin baumelt. Es ist einfach von der Zündkerze gerutscht. Beim Betrachten sehe ich, um was für eine seltsame Konstruktion es sich hierbei handelt. Ich fummel alles zusammen, setz mich in die Ape und starte. Der Motor springt sofort an.

Stephan springt schnell in die Ape und wir fahren los. Zum Ausziehen der Sicherheitsweste bleibt gar keine Zeit. Wir müssen erst einmal weg hier, damit ich die Ursache für das Abrutschen des Kabels erkunden und das Ganze reparieren kann. Wird ja nur eine Kleinigkeit sein.

Ein Stück weiter, ca. 1 Kilometer vor Bertrange, befindet sich ein Parkplatz längs der Straße. Dort fahren wir drauf. Ich zieh das Kabel erneut ab und merke, wie leicht dies geht. Normal ist das jedenfalls nicht. Das, was da im Werk serienmäßig verbaut wird, kann auf Dauer überhaupt nicht halten. Es ist also vorprogrammiert, dass durch schlechte Wegstrecken das Kabel von der Zündkerze abspringen muss. Das, was ich da sehe, ist kein Kerzenstecker, es ist eine totale Fehlkonstruktion. Das Kabel, an dessen Ende eine kleine Verdickung ist und fast wie ein Kerzenstecker aussieht, wird nur auf die Kerze aufgeschoben.

Den Halt findet es aber durch einen Ring, der in die Kunststoffteile des Heizungsystems eingelassen wird und durch den das Kabel gesteckt wird. Löst sich dieser Ring, was bei Hitze durch den Motor noch leichter geht als im kalten Zustand, da der Ring dann schön elastisch wird, dann springt das Zündkabel einfach von der Zündkerze und die Ape bleibt stehen. Ich weiß nicht an wie vielen Motoren ich bisher schon geschraubt, sie zerlegt und repariert habe – aber so einen Blödsinn habe ich noch nie gesehen. Das ist wirklich einzigartig ! Zu Hause wird das auf jeden Fall umgebaut werden.

Ich drücke die Kontakte in dem „Kerzenstecker“ zwar ein bisschen mit der Zange zusammen, um einen festeren Sitz zu erreichen, aber ob das so funktionieren wird, wird sich zeigen. Ich zweifel daran.

Der Parkplatz auf dem wir die Ape „reparieren“:

Während ich noch eine Zigarette rauche, setzt sich Stephan hinter das Lenkrad und „fährt“ eine Runde.

Wir fahren im Anschluss durch Bertrange und Stephan löchert mich mit Fragen bezüglich des Kerzensteckers. Ich erkläre ihm, wie das alles funktioniert und dass er es versteht, das wird sich später noch ein mal zeigen...




In Luxemburg angekommen, suchen wir uns zuerst einen Parkplatz und laufen durch die Stadt. Es ist eine sehr schöne und saubere Stadt.

Direkt beim Überfahren der Grenze fiel uns schon auf, dass Luxemburg eigentlich genau das Gegenteil von Frankreich ist. Straßen und Häuser befinden sich in einem absolut gepflegten Zustand. Vom Baustil der Gebäude her entspricht Luxemburg dem deutschen Stil. Wären da nicht diese gelben Kennzeichen und die anderssprachigen Werbetafeln, würde man gar nicht merken, dass man in einem anderen Land ist.

Hier ein paar Fotos von Luxemburg.











Die bekannte Adolphe-Brücke in Luxemburg, die das Petruss-Tal überquert.






Die Gëlle Fra (zu deutsch: Goldene Frau). Bedeutung der Figur

Unser nächstes Ziel ist Horb im Schwarzwald, knapp 300 Kilometer entfernt und wir haben kurz vor 18:00 Uhr als wir von Luxemburg aus weiterfahren. Stephan hat Lust die halbe Nacht zu fahren. Ich nicht, da ich die Strecke mit einer Ape als zu weit empfinde, vor allem noch zu dieser Uhrzeit. Nach einer minutenlangen Diskussion setze ich meine Autorität als zweiter Sieger durch und es steht fest - wir werden es tun !

 



Freitag, 12.08.2011

Gegen 01:30 Uhr treffen wir in Horb ein. Das ganze Dorf schläft schon, nur ein paar Jugendliche sind noch auf und ich unterhalte mich noch etwa eine halbe Stunde mit ihnen. Die Tour, die Stephan und ich machen, sei "eine coole Aktion", so deren Kommentar.

Nachdem wir auch hier eine gute Stelle zum Übernachten finden, legen wir uns gegen 02:30 Uhr auf´s Ohr.

Ich steh um 07:00 Uhr auf. Solang Stephan schläft, bis 11:00 Uhr, schau ich mir das Dorf an.

Hier ein paar Fotos dieses schnuckeligen Dorfs. Sie nennt sich zwar "Große Kreisstadt". Wo da aber das "Große" herkommt, habe ich nicht herausfinden können. Eine schmale, kurvige Straße geht durch den Ort, davon ab überall kleine Gassen. Es fehlt eigentlich nur noch das Pferdefuhrwerk und der alte Mann mit der Handkarre. Durch die vielen, kleinen Gassen mit den winzigen Fachwerkhäusern, die sich dem Besucher zeigen, hat man das Gefühl als wenn man in die Vergangenheit gereist sei und abends noch der Laternenmann durch die Straßen geht, die Uhrzeit ruft und das Licht ausmacht.

Und immer geht es nur steil bergauf oder -ab. Für eine Ape ist diese Gegend schlecht geeignet. Hier kommt sie immer an die Grenzen ihrer Motorleistung.







Nachmittags fahren wir dann nach Nagold, schlendern durch die Stadt und essen ein Eis.






Am Abend gehen wir dann in eine sehr interessante Pizzeria in Horb, namens "Belle Arti". Auf dem Weg dorthin mache ich noch ein paar interessante Fotos.

Die Pizzeria, außen wie innen sehr ansprechend und wie sich herausstellt, verstehen sie was von ihrem Fach.


 

 

Samstag, 13.08.2011

 

Unser Ziel heute soll Heidelberg sein. Das liegt knapp 170 Kilometer entfernt. Auf Grund der vielen Kilometer die wir schon hinter uns haben, bisher rund 1.520, ist das ja nur ein Katzensprung. In Heidelberg werden wir uns das Schloss anschauen und Verwandte besuchen.

Auf unserer Weiterfahrt kommen wir durch kleine Dörfer und Städtchen wie...

Kentheim...

Calw...

Bad Liebenzell...

und Pforzheim, wobei Pforzheim den Titel "Stadt" berechtigt trägt.











In Bauschlott entschließen wir uns kurzfristig dazu, dass wir heute grillen werden. Also werden die entsprechenden Dinge besorgt, und...

... kurz vor den Toren Heidelberg´s finden wir eine schöne Stelle an der wir wunderbar grillen und in Ruhe essen können.




Rustikal, einfach und trotzdem, oder gerade deswegen, besonders lecker...

Nach dem Grillen fahren wir in Heidelberg rein. Wir gehen mehrere Stunden durch die Stadt und beschließen hierbei, dass wir uns das Schloss erst morgen anschauen werden.

Zwischendurch droht es zu regnen, aber die Sonne setzt sich letztendlich durch.








Auch wenn Stephan Edelsteine sammelt und wir deshalb mehrere gekauft haben, diese Variante für 30.000 Euro lassen wir dann doch zurück und fotografieren sie nur. Den Platz in der Ape brauchen wir zum Schlafen. :))





Die Nacht verbringen wir in Heidelberg-Schlierbach auf dem Berg. Dort finden wir eine sehr ruhige Ecke und nichts stört unseren Schlaf...

 


 

Sonntag, 14.08.2011

Wir haben in der Nacht bestens geschlafen und fahren am Morgen zu einem schön und ruhig gelegenen Parkplatz. Er ist zum Frühstück bestens geeignet.




Nach dem Frühstück geht es dann in Richtung Schloss weiter.





Zuerst gilt es aber die 310 nummerierten Stufen hinauf zu gehen.






Zwischendurch wird der Himmel ganz schön dunkel. Die schwarzen Wolken wechseln minütlich mit der Sonne bis es am Ende aus Eimern schüttet, donnert und blitzt. Der Schirm und die Regenjacken liegen in der Ape. 620 Stufen halten uns davon ab sie zu holen und wir stellen uns unter das Vordach eines Souvenirsgeschäfts. Das Ganze dauert auch nur etwa eine Viertel Stunde und dann ist es vorbei. Es herrscht nun zwar kein Sonnenschein wie noch eine Stunde zuvor, aber es bleibt trocken. Kalt ist es sowieso nicht.


Nach dem Gewitter begeben wir uns dann in das Schloss und lassen uns bei einer Führung dessen Geschichte erzählen.

Hier ein paar Fotos, die ich noch vor der Führung machte.














Einige Fotos aus dem Inneren des Schlosses. An zwei Modellen bekommen wir zunächst den ursprünglichen und den heutigen Zustand erklärt, sowie die Gründe weshalb es zu dem Heutigen kam. Wer nachlesen möchte:  Schloss Heidelberg


Die Besichtigung des Weinfasskellers musste natürlich auch sein.  Das größte Fass hier hat einen Inhalt von 220.000 Litern .

Foto des größten Weinfasses dort. Als Quelle für dieses Foto dient mir Wikipedia. Ich habe leider nicht so einen Weitwinkel und es als Ganzes fotografieren zu können.

Den Abend verbringen wir auf einen kurzen Abstecher bei Verwandten in Heidelberg. Zu später Stunde entschließen wir uns aber weiter zu fahren in Richtung Trier. Stephan hat sich vorgenommen dort heute Nacht einzutreffen.

Wir fahren also los und ich merke wie Stephan nach kurzer Zeit so langsam immer müder wird und zwischendurch einnickt. Es war ja auch ein anstrengender Tag mit viel Lauferei. In Weidenthal sehe ich eine günstige Gelegenheit zum Übernachten und stell die Ape einfach dort ab. Stephan protestiert zwar erst ein wenig, aber als wir im Kasten liegen, schläft er sofort ein...

 


 

Montag, 15.08.2011

Ich verschaffe mir am Morgen erst mal einen Überblick wo wir überhaupt genau sind und finde ein ziemlich kleines Dorf mit zum Teil sehr alten Häusern vor. In einer Bäckerei kaufe ich Croissants und geh zurück zur Ape. Ich kann Stephan nicht so lang allein lassen. Der Kasten ist zwar verschlossen und von außen kann niemand daran- aber trotzdem.











09:30 Uhr und Stephan schläft immer noch. Ich mache also das was ich jeden Morgen mache, solang Stephan schläft - Fotos und Filme auf dem Laptop archivieren. Er wird mit Klopfzeichen wieder auf sich aufmerksam machen, wenn er wach ist.

Nach dem Frühstück geht es weiter. Bisher sind wir etwas über 1.800 Kilometer gefahren und nach Trier sind es nur läppische 140 Kilometer. So langsam empfindet man alles, was keine 200 Kilometer weg ist, als direkt vor der Tür liegend.

Einige Eindrücke bis Trier:

Während der Fahrt vergnügt sich Stephan heute mal mit seiner PSP.

In der Nähe von Idar-Oberstein machen wir einen Halt und bereiten uns Essen zu.

Weiter geht es durch schöne Gegend...

... und gegen 15:30 Uhr treffen wir in Trier ein.





Wir besichtigen die Porta Nigra...

Stephan schreibt seinen Namen mit Datum zu den vielen anderen an eine Wand...

...und wir schauen uns die Stadt an.





Unsere Fahrt führt uns weiter nach Cochem und Stephan fotografiert unterwegs einen Adler aus Wolken,

hat nur Blödsinn im Kopf und fotografiert sich selbst beim Fratzen machen

und fotografiert ein bisschen in der Gegend herum. Einen Blick für Schönes hat er ja.




Stephan möchte ein Eis essen. In Traben-Trarbach kenne ich eine gute Eisdiele und wir fahren dorthin. 






Mit Cochem wird das heute nichts mehr. Ist nicht schlimm. Morgen ist auch noch ein Tag.



Dienstag, 16.08.2011


Übernachtet haben wir in dem überschaubaren Dorf  Alf, ca. 30 km von Cochem entfernt.

Wie jeden Morgen unserer ganzen Tour, das gleiche Bild. Was ich auch an diesem Morgen mache, brauche ich ja nicht ständig wiederholen.

Zwei Fotos von Alf...




...und Frühstück "im Bett".

Nach dem Frühstück schauen wir uns Cochem an. Da sowohl Stephan als auch ich die Burg kennen, ersparen wir uns eine Besichtigung.






Der Kauf weiterer Edelsteine muss natürlich wieder sein...






Ein letzter Blick auf Cochem, es geht nach Hause.

Dieses Unikum überholt uns in Köln. Diese Art der Fortbewegung könnte mir auch gefallen.

Gegen Abend treffen wir mit Kilometerstand 4983 wieder zu Hause ein.

Es war eine sehr schöne Tour bei der wir sehr viel von einigen unserer Nachbarländer zu sehen bekamen und wir lernten die Menschen dort hautnah kennen. Wir sind ihnen in keinem Hotel und keiner Pension begegnet in der sie nett zu uns waren, weil sie hoffen uns erneut als Gäste begrüßen zu dürfen. Wir sind ihnen auf der Straße begegnet, als Ausländer die sich in deren Land befinden. Von Mensch zu Mensch...

Die Fahrerei war manchmal anstrengend, hat aber sehr viel Spaß gemacht. Es war garantiert nicht die letzte Tour ins Ausland. Logischerweise werde ich dann aber andere Länder durchfahren - mit der Ape. 45 - 50 km/h sind schneller als man meint. Man braucht einfach nur ein bisschen Geduld und muss den Blick für Natur und alles haben was sich zeigt...

In Duisburg ging die Ape ein zweites mal aus. Stephan meinte nur so ganz beiläufig. "Der Kerzenstecker mal wieder !" Ich lachte los, weil das so trocken rüberkam, bin ausgestiegen, draufgesteckt, weiter gefahren.

Zu Hause sind wir mit einem freudigen und einem traurigen Auge angekommen. Auf der einen Seite habe ich es sehr genossen mit meinem jüngsten Sohn solch eine Tour zu unternehmen. Anhand seines ständigen Lachens und der Freude die er hatte denke ich, dass auch er es sehr genossen hatte. Heimweh hat er niemals geäußert. Dazu waren die Eindrücke wohl viel zu imposant. Für mich ein Zeichen, dass es sich gelohnt hat die Tour vorzubereiten und ich die richtigen Ziele wählte. Auf der anderen Seite war ich froh, dass nichts passiert und wir heil wieder da waren.

 

 


Wir sind 2311,9 Kilometer gefahren

- Der niedrigste Verbrauch lag bei 4,1 L 100/ KM

- der höchste Verbrauch lag bei 6,8 L/ 100 KM

- der Durchschnittsverbrauch bei dieser Tour lag bei 5,35 L / 100 KM

 

 

 

 

Hinweis: Als Quellenangaben für einige Verlinkungen dienten mir youtube und wikipedia.